"TV total" machte in bekannt

Elton wird 50: Vom Praktikant zum Erfolgsmoderator

von Eric Leimann

Er begann als Stafan Raabs Hanswurst bei "TV total". Heute ist er einer der erfolgreichsten TV-Moderatoren im deutschen Fernsehen. Wie konnte das passieren? Alexander Duszat, den alle nur Elton nennen, wird am 2. April 50 Jahre alt.

Sogar seine Ehefrau nennt ihn Elton. Alexander sagen nur seine Mutter und Schwiegermutter. Und die beiden Kinder? Sie dürften Papa sagen, auch wenn ihnen Elton natürlich ein Begriff ist. Viel ist über die Familie des Wahl-Norddeutschen, der eigentlich in Berlin zur Welt kam, aber im Vorschulalter nach Hamburg und später ins Alte Land umsiedelte, nicht bekannt. Seine Frau, eine TV-Redakteurin, mit der er schon vor seinem Kamera-Coming-out 2001 als "Showpraktikant" bei Stefan Raab zusammen war, scheut das Rampenlicht. Das macht sie nicht unsympathischer. Letztlich ist sie ja auch mit einem Mann zusammen, den man im normalen Leben wahrscheinlich übersehen würde: mittelgroß, deutscher Jedermann, unauffälliger Typ. Einer mit Brille und Genuss-Bauch. Ein Typ, der in jedem Publikum steht, aber doch nicht auf der Bühne! Als einer von denen, zu dem man aufschaut.

Aber längst ist er so einer: Einer, der den Laden leitet, wie einst die Grandseigneurs der deutschen Fernsehunterhaltung: Kulenkampff, Rosenthal, Elstner. Oder wie – etwas später dann – schillernde Entertainer wie Gottschalk oder heute Joko & Klaas.

Eigentlich besitzt Elton keines jener Attribute, die man erfolgreichen TV-Promis ohne viel nachzudenken zuschreibt. Der gelernte Radio- und Fernsehtechniker erscheint nicht so smart und aus dem Ei gepellt wie Kai Pflaume. Er versprüht nicht den schnellen, doppelbödigen Humor eines Jan Böhmermanns. Und man würde ihn auch nicht wie Günther Jauch direkt in ein hohes politisches Amt wählen wollen. Trotzdem "ist er ist einer der wenigen, der es auf jedem Sender für jede Zielgruppe hinkriegt", wie ihn der bayerische Late-Night-Talker Hannes Ringlstetter vor einigen Monaten in seiner Show "Ringlstetter" vorstellte.

Tatsächlich moderiert Elton die ZDF-Kindersendung "1, 2 oder 3", ist Team-Mitglied bei der Quizshow "Wer weiß denn sowas?" im Ersten, und er steht nach wie vor großen ProSieben-Shows vor, die wie "Schlag den Star" oder "Schlag den Besten" in der Nachfolge des Stefan Raab-Universums produziert werden.

Ein Mann für lustige Fremdschämaufgaben

Wer das Phänomen Elton verstehen will, muss zum 6. Februar 2001 zurückgehen, dem ersten Auftritt Eltons als Praktikant Stefan Raabs. Sein erster Job: Er musste mit einem Megafon in der Kölner Innenstadt den Leuten Befehle zurufen. Diese Fremdschäm-Aufgabe erledigte er mit Bravour und Schlagfertigkeit. Beim zweiten "TV total"-Auftritt fragte Raab dann das Publikum, ob Elton wiederkommen dürfe, was mit Stille statt Applaus bejaht werden musste – die deutlich schwierigere Variante, aber es klappte.

So wurde Elton zu Raabs festem Sidekick. Fast 15 Jahre, bis zur Einstellung von "TV total" im Dezember 2015 dauerte dieses "Praktikum", bei dem die Rollen klar verteilt waren. Elton sollte sich durch blöde Jobs lächerlich machen. Raab war derjenige, der ihn ins Verderben schickte und breit dazu grinste.

Natürlich handelte es sich auch dabei um ein Rollenspiel, das beiden half. "Man lacht eher über den, der die Torte ins Gesicht bekommt als über den, der die Torte schmeißt", wusste Elton nach dem Ende der Zusammenarbeit über seine Zeit bei Raab zu berichten. "Wir waren ein super Team, er hat mich auch wirklich respektiert und mich immer wieder gefragt: Wollen wir das wirklich machen?" Tatsächlich stieg Elton mit der Zeit zu einer Art Junior-Partner Raabs auf. Bei fast jedem Event des Star-Entertainers war auch Elton mit an Boot. Bei manchen Shows, zum Beispiel dem "TV total Turmspringen", traten die beiden als wuchtiges Badehosen-Team an. So wurde aus Raabs Sidekick eine Projektionsfläche für jenen Schadenfreude-Humor, der bei Raab und seiner Kultshow "TV total" Programm war, ein respektierter Showman.

Dennoch blieb Elton, der seinen "Künstlernamen" in der siebten oder achten Klasse wegen einer behaupteten Ähnlichkeit mit Elton John erhielt, stets auf dem Boden. Bei "Ringlstetter", einem seiner seltenen Talk-Auftritte außerhalb des Spiele- und Moderationszirkus, sagte er im Oktober: "Ich halte mich nicht für einen Moderator, nicht für einen guten Moderator. Deshalb sage ich mir, ich gehe lieber nicht zu Castings, bevor ich abgelehnt werde." Nur für die Kindershow "1, 2 oder 3" machte er 2010 eine Ausnahme – und bekam den Job. Wer sein Auftreten in der traditionsreichen Spiel- und Quizshow verfolgt, versteht ein bisschen besser, was seinen Erfolg ausmacht. Elton begegnet Kindern auf Augenhöhe. Er ist nie onkelhaft oder arbeitet mit doppeltem Boden wie jene Moderatoren, die zwar mit Kindern sprechen, dabei allerdings die Urteile der erwachsenen Zuschauer im Kopf haben.

Die T-Shirts sind sein Markenzeichen

Für Kinder ist Elton einfach ein Kumpel. Bei Erwachsenen kommt er als Typ rüber, der deutsche Durchschnittlichkeit und Wurstigkeit zum Markenzeichen stilisiert hat. Wahrscheinlich sogar, ohne dies zu planen – es hat sich einfach so ergeben: Elton, ein Typ wie wir alle. Er redet normales Zeug, er tut gerne das, worauf er Lust hat und ist nicht besonders diszipliniert. Früher spielte er mal Schlagzeug, aber das hat er aufgegeben. Er liebt den FC St. Pauli, hat aber so wenig Ahnung vom Fußball, dass er in einer Quizshow mal schätze, das weiteste Tor wäre mal aus einer Entfernung von 150 Metern gefallen. Dabei misst ein Fußballplatz nur um die 100 Meter.

Ein weiteres Markenzeichen Elton sind hunderte von Band- oder Motto-T-Shirts, die er in der Regel bei Konzerten oder anderen Events gekauft hat. T-Shirts, in die einen mal mehr, mal weniger dicken Bauch stets uneitel kleiden. Schon allein mit diesem Nicht-Outfit stellt der Mann ein Unikum der deutschen Unterhaltungsbranche dar. Ein Interview zu seinem 50. Geburtstag wollte Elton übrigens nicht geben. Ohne Begründung. Vielleicht lautet sie ja sogar, dass er sich selbst nicht so wichtig nimmt oder für das, was er ist, gefeiert werden will. Selbst das wäre also sympathisch. Und es würde zu einem der – wahrscheinlich weltweit – unwahrscheinlichsten TV-Stars passen.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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