Stephanie Stumph aus "Der Alte"

"Was ich privat mache, wird man auf Instagram nicht erfahren"

von Elisa Eberle

In ihrem neuen Fall der Krimiserie "Der Alte" bekommt es Stephanie Stumph als Kommissarin Lorenz mit dem Tod einer Influenverin zu tun. Wie die 36-Jährige selbst zu Instagram und Co. steht und was sie ihrem Vater Wolfgang Stumph zu dessen 75. Geburtstag geschenkt hat, verrät sie im Interview.

Aus der deutschen Krimilandschaft ist Stephanie Stumph kaum mehr wegzudenken: Bereits im Alter von elf Jahren begann sie an der Seite ihres Vaters Wolfgang Stumph in "Stubbe – Von Fall zu Fall" (ZDF) erste Serienluft zu schnuppern. Inzwischen zählt sie zum festen Ensemble des ZDF-Dauerbrenners "Der Alte" (neue Folgen ab Freitag, 2. April, wöchentlich um 20.15 Uhr im ZDF). Dass sie privat hingegen lieber "Mädchenserien" schaut, das verrät die inzwischen 36-Jährige im Interview. Außerdem spricht die gebürtige Dresdnerin über ihren Umgang mit den sozialen Netzwerken und verrät, welche berufliche Begegnung zu den persönlichen Highlights ihrer Karriere gehörte.

prisma: In Ihrem ersten neuen Fall als Kommissarin Annabell Lorenz geht es um den Mord an einer Influencerin. Haben Sie eine Beziehung zu der Szene?

Stephanie Stumph: Also mein Freundeskreis ist abseits jeder Instagram-Welt, von daher ... Nein! (lacht) Ich beobachte das natürlich, aber das ist für mich so oberflächlich und so abstrakt, dass mich das nicht wirklich interessiert.

prisma: Das heißt, Sie könnten sich nicht vorstellen, selbst einmal als Werbetreibende tätig zu sein?

Stumph: Ich habe nichts gegen Werbung oder gegen ein bestimmtes Produkt, das man bewirbt, weil man es selber gut findet. Aber sich in irgendeine Schlange einzureihen für eine Brand, die schon 20 Leute vor mir bewerben, das ist jetzt nicht so mein Ziel.

prisma: Wie gehen Sie als Prominente mit der Tatsache um, dass man gerade auf Instagram auch persönliche Beiträge von Ihnen erwartet?

Stumph: Man muss einen Spagat finden zwischen dem professionellen Einblick und einem persönlichen. Aber ich will es eben nicht zu privat haben. Ich finde Instagram insgesamt ein spannendes Medium, wenn man es richtig einsetzt. Es ist eine gute Plattform, um schnell viele Menschen zu erreichen. Aber was ich privat mache, wird man auf Instagram nicht erfahren.

prisma: Wo genau verläuft bei Ihnen die Grenze?

Stumph: Das fängt da an, wenn ich mich mit Menschen umgebe, die gar nicht in der Öffentlichkeit stehen und somit auch gar kein Interesse daran haben, dort irgendwo zu erscheinen. Da bin ich sehr, sehr vorsichtig. Deswegen sind meine Fotos in Bezug zur Arbeit und mit Kollegen, die viel in der Öffentlichkeit sind und damit auch klarkommen.

prisma: In dem Film geht es auch immer wieder um Hate Speech oder unmoralische Angebote. Haben Sie damit schon einmal Erfahrungen gemacht?

Stumph: Es ist leider eine Zeit, in der jeder seine Meinung ungefiltert kundtun kann, weil er dieses Medium hat. Eigentlich ist es traurig, dass so viele Menschen so viel Hass und Negativität in sich tragen und diese dann auch verbreiten. Aber damit muss man leben, wenn man in der Öffentlichkeit steht und solche Medien nutzt. Ich persönlich bin bislang zum Glück verschont geblieben. Und wenn es dann doch mal etwas gab, dann beschäftige mich gar nicht erst damit. Die Menschen, mit denen ich täglich zu tun habe, haben meine Handynummer. Deshalb müssen sie mich nicht über die sozialen Medien kontaktieren.

prisma: Gerade die ersten beiden neuen Folgen "Der Alte" sind offensichtlich in einem eher jugendlichen Milieu angelegt. Ist dies ein bewusster Versuch, die Reihe für ein junges Publikum interessanter zu machen?

Stumph: Da müssten Sie die Redaktion fragen. Wir sind generell nicht so schlecht bei den jungen Leuten. Unser Durchschnitt ist da ziemlich gut. Wir wechseln mit den Themen natürlich ab, versuchen aber so ein bisschen an der Zeit dran zu sein. Generell finde ich es nicht verkehrt, auch dem Netflix-Publikum etwas zu bieten, was ihm gefallen könnte, ohne dass wir uns anbiedern.

prisma: Wie erklären Sie sich den Erfolg des "Alten" bei den jüngeren Zuschauern?

Stumph: "Der Alte" ist ein sehr traditioneller Krimi, den es seit 44 Jahren gibt. Das heißt, viele, die jetzt so um die 30 sind und somit in der Quotenrechnung als jung gelten, sind damit aufgewachsen. Und auch für die viel jüngeren, die noch zu Hause wohnen, ist es ein Familien-kompatibles Programm, welches man mit den Eltern zusammen anschauen könnte, gerade jetzt, wenn draußen nicht so viel los ist und man sich nicht mit Freunden treffen kann.

prisma: Können Sie sich denn noch daran erinnern, wann Sie zum ersten Mal den "Alten" gesehen haben?

Stumph (überlegt): Ehrlich gesagt, habe ich mich mit dem "Alten" erst so richtig beschäftigt, als ich dafür angefangen habe zu arbeiten, weil ich nie so der Krimigucker war. Ich saß nie Punkt 20.15 Uhr vor dem Fernseher, auch schon vor 15 oder 20 Jahren nicht. Erst später bin ich mir darüber bewusst geworden, was für eine lange Erfolgsgeschichte das Format hat.

prisma: Was schauen Sie denn so?

Stumph (lacht): Also mittlerweile schaue ich auch wieder Krimis. Aber eigentlich bin ich mehr ein Fan von Streaming-Diensten, auf welchen ich dann Psychothriller oder auch klassische Mädchenserien wie "Bridgerton" oder "Liebe und Anarchie" sehe.

prisma: Sie leben in Dresden. "Der Alte" wird in München gedreht. Mögen Sie Bayern?

Stumph: Ja. Ich treffe in Bayern eigentlich sehr viele Sachsen an, gerade im Dienstleistungsbereich. Deswegen fühle ich mich da sehr zu Hause. Ich habe Bayern lieben gelernt und genieße die Natur: Ich gehe total gerne mit Freunden wandern auf den Wallberg oder fahre auch mal an einen See. Auch die Menschen habe ich sehr ins Herz geschlossen. Trotzdem ist und bleibt Dresden meine Heimat, da hier meine Familie und meine beste Freundin mit ihrer Familie leben. Deswegen werde ich die Stadt wohl auch nie ganz verlassen können.

prisma: Ihr Vater Wolfgang Stumph definiert sich ja sehr über den Osten. Wie ist es bei Ihnen als nächste Generation? Merken Sie noch Unterschiede zwischen Ost und West?

Stumph: Ich bin komplett gesamtdeutsch aufgewachsen. Ich bin 1984 geboren und habe von der Wende nur ganz vage Erinnerungen. Für mich ist es Geschichte, wie für viele andere auch. Deshalb empfinde ich die Ost-West-Teilung nicht so. Ich unterscheide zwischen Mentalitäten, die regional unterschiedlich sind: Mein Herz hängt etwa sehr an Hamburg, und die Hamburger sind ganz anders als die Münchner ... Alle haben ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Das macht es ja irgendwie auch spannend.

prisma: Das heißt, die Kluft zwischen Ost und West, von der hin und wieder noch gesprochen wird, sehen Sie nicht?

Stumph: Ich persönlich erlebe diese Kluft zumindest nicht und bin dann eher irritiert, wenn Leute meines Alters sagen: "Ach, du bist aus dem Osten!" Da werde ich dann immer erst mal daran erinnert und denke mir: Ach so, ja okay. Ihr unterscheidet das also noch!

prisma: Warum gibt es diese Denkweise denn überhaupt noch?

Stumph: Manchmal denk ich, die plappern das auch einfach von den Eltern oder so nach. Aber es wird auch immer weniger.

prisma: Neun Millionen Zuschauer sahen im Januar das "Stubbe"-Comeback. Wie stehen die Chancen auf ein weiteres Special mit Ihnen?

Stumph: (lacht) Da bin ich genauso gespannt wie Sie und lass mich mal überraschen. Mein Jahr ist zeitlich schon recht zugetaktet, aber mein Herz hängt natürlich am "Stubbe", und somit würde ich mich schon freuen, wenn es da immer mal wieder eine Zusammenkunft gäbe. Auch, um mit meinem Vater und dem Team in Dresden zu drehen und in diese Rolle schlüpfen zu dürfen.

prisma: Der Film entstand im Zusammenhang mit dem 75. Geburtstag Ihres Vaters. Was haben Sie ihm denn geschenkt?

Stumph: Da muss ich erst mal überlegen ... Ich behalte Geschenke eher ungern bis zum Tag, an dem sie überreicht werden sollen. Das heißt, ich schenke eigentlich das ganze Jahr über immer irgendwelche Sachen. Ich bin auch recht praktisch veranlagt. Deshalb habe ich ihm Sachen geschenkt, die er auch wirklich braucht. Außerdem schenke ich ihm ganz viel Zeit: Wenn es wieder geht, können wir hoffentlich gemeinsam verreisen, und er darf sich dort dann von mir verwöhnen lassen.

prisma: Und umgekehrt gefragt: Was war das schönste Geschenk von ihm, an das Sie sich erinnern können?

Stumph: Uff, ich bekomme so viele Geschenke, Zuneigung und Liebe. Als ich jetzt wieder zurück nach Dresden kam, hat mein Vater mir zum Beispiel Blumen in die Wohnung gestellt. Ich bekomme immer wieder schöne kleine Aufmerksamkeiten. Zum Abitur habe ich einen sehr schönen Ring bekommen, den ich auch nur ganz selten trage. Ansonsten ist mein Vater von Natur aus ein sehr großzügiger Mensch, sodass man sich da überhaupt nicht beklagen kann.

prisma: Neben Ihrer Schauspielkarriere sind Sie auch als Moderatorin tätig und haben Größen wie etwa Kiefer Sutherland beim "MDR Privatkonzert" getroffen. Was war bislang Ihre eindrucksvollste berufliche Begegnung?

Stumph: Ich hatte verschiedene Eckpfeiler in meinem Leben, die mich irgendwie weitergebracht haben: Das begann schon zu Schauspielstudienzeiten, als ich neben Vanessa Redgrave, Sebastian Koch und Maximilian Schell spielen durfte. Der nächste Step war dann das Ende von "Stubbe" und der Einstieg beim "Alten". Von da an wurde es für mich am herausforderndsten, denn dann begannen so die zweiten und dritten Laufbahnen, die ich mir aufgebaut habe. Das fing an, als ich 2014 in die Rateshow "Kaum zu glauben" eingestiegen bin. Das war nicht ohne, weil man sich nicht hinter einer Rolle verstecken konnte. Später ging es dann weiter mit der MDR-Sendung "Riverboat", die ich moderieren durfte. Ergänzt wurde das dann natürlich durch das "MDR Privatkonzert", bei dem es dann eben auch internationale Gäste gab.

prisma: Und was war Ihr persönliches Highlight?

Stumph: Hm, als großer Spice Girls-Fan war es für mich schon etwas Besonderes, Melanie C neben mir auf dem Sofa zu haben. Sie ist sehr liebenswürdig. Ansonsten ist mir neben vielen anderen tollen Gästen aus unterschiedlichen Bereichen vor allem Helge Schneider hängen geblieben, weil ich den schon immer als Gesamtkunstwerk bewundert habe.

prisma: Da Sie "Kaum zu glauben" erwähnten: Wann darf man denn mit neuen Folgen rechnen?

Stumph: Wir drehen jetzt auch erst im Juni neue Folgen, und ich nehme mal an, Ende Juni werden die dann ausgestrahlt. Wobei noch gar kein genauer Sendetermin feststeht.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
Das könnte Sie auch interessieren