Dokumentarfilm im Ersten

"Junge Politikerinnen – Yes, she can": Politik ist keine Männersache mehr

von Franziska Wenzlick

Ob Kamala Harris, Sanna Marin oder Angela Merkel – Frauen gestalten die Welt von morgen. Eine ARD-Doku zeigt eine jüngere Generation von Politikerinnen.

ARD
Dokumentarfilm im Ersten: Junge Politikerinnen – Yes, she can
Dokumentation • 31.03.2021 • 23:20 Uhr

Greta Thunberg, die US-Politikerin Alexandria Ocasio-Cortez oder Neuseelands Regierungschefin Jacinda Ardern: Sie alle sind jung, weiblich und teilen vor allem ein Ziel: Sie möchten die Welt verändern. Dass Politik schon längst nicht mehr reine Männersache ist, zeigt Filmemacherin Carolin Genreith nun eindrücklich in ihrer Reportage "Junge Politikerinnen – Yes, she can". Genreith begleitete dafür vier junge deutsche Politikerinnen ein Jahr lang in ihrem beruflichen – und manchmal auch privaten – Alltag. Die ARD-Dokumentation gewährt einen ungewöhnlich persönlichen Einblick in die Leben von vier sehr unterschiedlichen Frauen.

Da wäre zum Beispiel Laura Isabelle Marisken. Gerade einmal 31 Jahre war sie alt, als sie 2019 zur Bürgermeisterin der Usedomer Touristen-Hochburg Heringsdorf gewählt wurde. Das ist vor allem deshalb so ungewöhnlich, weil Marisken, die keiner Partei angehört, eigentlich aus Berlin kommt und mit der Heringsdorfer Politik nur wenig am Hut hatte. Als "Überraschungserfolg" betitelte die Presse den Wahlsieg der Juristin – schließlich ist sie eigentlich zu jung, zu weiblich, zu ledig und zu kinderlos, um ins klassische Bild der Kommunalpolitik zu passen.

Auch Aminata Touré entspricht nicht dem Klischee des alten, weißen, männlichen Politikers. Die 28-Jährige, deren Eltern 1991 aus Mali nach Deutschland flohen, sitzt seit 2017 für die Grünen im Kieler Landtag und wurde 2019 zur deutschlandweit jüngsten Vizepräsidentin eines Landtages gewählt. Im Film erzählt sie, wie wichtig es gerade als Politikerin sei, sich nicht zu verstellen: "Leute versuchen mir zu sagen, ich soll ein Stück weit weniger Ich sein. Da hab ich keinen Bock drauf."

Ähnlich selbstbewusst zeigt sich auch Terry Reintke. Die Grünen-Politikerin ist seit 2014 Mitglied des Europäischen Parlaments. Sich selbst bezeichnet die 33-Jährige als "Helmut-Kohl-Kind": "Für mich war Politik schon irgendwie sowas, was von Männern gemacht wurde." Gerade weil sie kein "weißer Mann in einem Anzug" sei, findet Reintke es wichtig, sich politisch zu engagieren.

Ein wenig konservativer, aber nicht weniger emanzipiert zeigt sich im Vergleich dazu die vierte Frau, die die Dokumentation zu Wort kommen lässt: Gyde Jensen, Politikwissenschaftlerin und FDP-Bundestagsabgeordnete, wurde im September 2019 Mutter einer Tochter und kehrte zwei Wochen nach der Geburt zurück in ihr Amt. Schließlich gibt es für Bundestagsabgeordnete keine Elternzeit, wie Filmemacherin Carolin Genreith erklärt. Ganz privat unterhält sie sich mit Jensen und ihrem Ehemann Dennys Bornhöft, ebenfalls FDP-Abgeordneter, während die beiden in ihrem Garten sitzen und erzählen, welche Hürden die politische Arbeit für eine Paarbeziehung mit sich bringt.

So unterschiedlich die vier Persönlichkeiten auch sind, die der Dokumentarfilm porträtiert, so haben sie doch alle vor allem eines gemeinsam: Sie möchten nah an den Menschen bleiben, für die sie sich einsetzen.

Dokumentarfilm im Ersten: Junge Politikerinnen – Yes, she can – Mi. 31.03. – ARD: 23.05 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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