"Leute können selbst abwägen"

Boris Palmer fordert bei Lanz CureVac-Impfungen noch vor Zulassung

Uneinigkeit beim Thema Impfen: Während Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer von den Grünen auf Selbstverantwortung setzt, betont CDU-Chef Armin Laschet, wie wichtig der Zulassungsprozess sei.

Die dritte Welle ist da und die Rufe nach einem harten Lockdown werden wieder lauter: Wer im Frühling auf schnelle Lockerungen im Kampf gegen die Corona-Pandemie gesetzt hat, wird derzeit eher enttäuscht sein. Auch in Sachen Impfungen geht es langsamer voran als gedacht, zumal das Vakzin von AstraZeneca zunächst nur noch bei Menschen über 60 Jahren verabreicht wird. Jüngere können sich damit nur auf eigenes Risiko impfen lassen, so besagt es der jüngste Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz. Am Dienstagabend kritisierte Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer die generelle Impfstoffpolitik und merkte an: "Wir gehen mit Risiken nicht richtig um, wir wägen sie nicht richtig ab."

Das Verhältnis stimme nicht, schließlich berge eine Infektion mit dem Coronavirus deutlich höhere Risiken als die verfügbaren Impfstoffe. Dahingehend wies Palmer auch auf den mRNA-Wirkstoff der Tübinger Firma CureVac hin. Obwohl das Präparat noch nicht offiziell zugelassen ist, habe Palmer bereits vor einem halben Jahr als Proband an einer Studie teilgenommen. Sein Vertrauen in den Impfstoff scheint groß, wie eine Forderung Palmers im ZDF-Talk nahelegt.

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Palmer sprang für den Impfstoff mit "hervorragenden Daten" in die Bresche und sagte: "Ich würde den Leuten freiwillig erlauben, auf den CureVac-Impfstoff zuzugreifen. Wer sagt, ich will ihn haben, sollte ihn kriegen können." Auf die Selbstverantwortung der Bürger zu setzen, sei der richtige Weg, denn: "Leute können selber abwägen."

Außerdem warf Palmer die Frage auf: "Wieso wird es den Leuten verboten, einen Impfstoff, der hervorragende Daten hat, zu nutzen, weil erst die Bürokraten noch zwei Monate prüfen müssen?" Gerade unter den aktuellen Bedingungen, wo die dritte Welle "größer, härter und schwerer" und der Lockdown "tiefer" werde, solle man einen solchen Schritt diskutieren.

Armin Laschet, ebenfalls Gast bei "Markus Lanz", hob dagegen die Bedeutung des Zulassungsprozesses hervor: "Ich glaube, es ist wichtig, gründlich zu prüfen, ehe man zulässt." Zwar gehe dabei Zeit verloren und anderswo, etwa in Großbritannien, sei man schneller, aber: "Man hat eine höhere Sicherheit." Ein Vorgehen wie in Israel, wo die Patientendaten bei den Impfungen erhoben wurden, sei in Deutschland wegen der Datenschutzverordnungen ohnehin nicht möglich, wie Laschet erklärte.

Gerade beim Fall AstraZeneca müsse für Angehörige höherer Risikogruppen gewährleistet sein, dass sie mit einem sicheren Impfstoff versorgt seien, verdeutlichte der CDU-Chef. Jungen Erzieherinnen und Grundschullehrerinnen, bei denen die Gefahr von Nebenwirkungen in Folge der AstraZeneca-Impfung höher sei, könne man nicht sagen: "Ja, bitte, ist dein Risiko". Das gehe Laschet "zu weit". Damit legte der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen eine ganz andere Rhetorik an den Tag als sein Amtskollege aus Bayern, Markus Söder. Der CSU-Politiker hatte zur AstraZeneca-Impfung am Montag gesagt: "Wer sich traut, soll auch die Möglichkeit haben."


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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