Schauspieler im Interview

Heino Ferchs neuer Film: Tiefgang trifft Leichtigkeit

19.04.2021, 07.23 Uhr
von Deniz Karius
Ulf (Heino Ferch) in seinem Element als Selbstdarsteller.
Ulf (Heino Ferch) in seinem Element als Selbstdarsteller.  Fotoquelle: ARD Degeto/Torsten Jander

Am 24. April zeigt das Erste "Wer einmal stirbt, dem glaubt man nicht", eine mit leichter Hand erzählte, abgründige Komödie mit Heino Ferch in einer der beiden Hauptrollen. prisma sprach mit dem 57-jährigen Schauspieler über seine Rolle als Schmonzettenautor Ulf.

Oft sieht man Sie in sehr ernsten Rollen wie in der noch bis in den Juli hinein in der ZDF-Mediathek verfügbaren Folge "Schuld" der Reihe "Spuren des Bösen". Warum haben Sie diese humorvoll gezeichnete Rolle in der ARD-Produktion übernommen?

Eben weil ich in den vergangenen Jahren häufig im dramatischen Fach unterwegs war, hatte ich Lust, mal wieder eine Komödie zu machen. Allerdings: In jeder Tragik steckt etwas Komisches, genauso wie in jeder Komik etwas Tragisches steckt. Das Schöne an "Wer einmal stirbt, dem glaubt man nicht" ist, dass diese Komödie nicht in Seichtigkeit abdriftet, sondern den Ernst dahinter durchschimmern lässt. Außerdem war es eine Gelegenheit, wieder einmal mit Julia Koschitz – als Witwe Clara – zusammen vor der Kamera zu stehen. Ich habe schon mehrfach mit ihr zusammengearbeitet: Sie ist eine fabelhafte Schauspielerin und wunderbare Filmpartnerin – einfach eine Freude.

Was hat Sie an Story und Figur gereizt?

Ich hatte schon beim Lesen des Drehbuchs großen Spaß daran, wie die Geschichte aufgeblättert wird. Mir gefiel insbesondere das Komödienmuster, das aus der klassischen Screwballkomödie erwächst – Klamauk ist eher nicht so meins. Und ich fand auch den Typen interessant. Man muss sich vorstellen, ein doch sehr von sich überzeugter Mann, der denkt, alles ist dufte, verliert plötzlich seine Ehepartnerin – das ist eine ganz furchtbare Situation. Und dann muss er herausfinden, dass er betrogen wurde, und das auf so konsequente Weise. Das ist schon ein ordentlicher Wellenbrecher. Und die Figur ist sehr facettenreich, es gibt viele Töne, die man anschlagen kann.

Welche ist Ihre Lieblingsszene?

Die, in der Ulf bei der Farewell-Party für seine Frau Anke seine Rede hält. Da zeigt er sich so hedonistisch, so selbstverliebt vor versammelter Mannschaft. Und muss sich später so sehr hinterfragen. Denn Dinge passieren nicht aus heiterem Himmel, sie haben immer etwas mit einem selbst zu tun – und das wird auch von Claras Geschichte gespiegelt.

Wie war der Dreh?

Schwierig. Wir mussten wegen des ersten Lockdowns abbrechen, haben aber noch die Szenen in Ulfs Haus abgedreht, während das Team immer besorgter wurde. Erst Mitte Juni 2020 ging es dann wieder weiter – das war eine echte Herausforderung. Zum einen mussten wir uns erst wieder reindenken, um die logischen und emotionalen Anschlüsse herstellen zu können. Zum anderen war es eine Herausforderung, so etwas vordergründig Heiteres unbeschwert rüberzubringen in Zeiten der kompletten Unsicherheit. Aber wir alle waren froh und sehr dankbar, wieder arbeiten zu dürfen – da hatte Demut Einzug gehalten. Aber das eigentliche Drehen hat allen einen Riesenspaß gemacht.

TV-TIPP

  • "Wer einmal stirbt, dem glaubt man nicht"
  • Samstag, 24. April
  • 20.15 Uhr