"Als der Reichstag brannte"

ARTE-Doku über den Reichstagsbrand: Wie der Brand Adolf Hitler zur Diktatur verhalf

30.06.2026, 07.30 Uhr
Die ARTE-Dokumentation "Als der Reichstag brannte" analysiert minutiös die Ereignisse rund um den Reichstagsbrand von 1933. War der Niederländer Marinus van der Lubbe wirklich der Alleintäter? Der Film zeigt, wie der Brand den Aufstieg Hitlers befeuerte und die Nazis ihre Macht festigten.

"Als der Reichstag brannte" – so lautet der Titel einer sehenswerten Dokumentation, die ARTE nun zur besten Sendezeit wiederholt. Im Film wird die Geschichte des Reichstagsbrands vom 27. Februar 1933 noch einmal minutiös rekapituliert. Die neue Digitalisierung der zahlreichen Archivaufnahmen bringt es mit sich, dass einem dieser wichtige Moment der Geschichte, ein mit großer Wahrscheinlichkeit schlau eingefädelter Coup der Nazis, äußerst nahe geht.

ARTE
Als der Reichstag brannte
Dokumentation • 30.06.2026 • 20:15 Uhr

Der Niederländer Marinus van der Lubbe, der in einem kurze Zeit später folgenden Prozess als alleiniger Täter ausgemacht und zum Tod verurteilt wurde, erlebte die Aufhebung dieses Urteils nicht mehr selbst. Er wurde am 10. Januar 1934 in Leipzig enthauptet. Der Film legt nahe, dass er keinesfalls der Alleintäter war.

Bewegende Archivbilder von Marinus van der Lubbe

Zwar sind die Aufnahmen dieses offensichtlich verstörten, möglicherweise unter Drogen gesetzten 24-jährigen arbeitslosen Niederländers mit dem stets gesenkten Kopf, der kein Deutsch konnte und auf einem Auge fast erblindet war, auch nach 100 Jahren noch bewegend.

Doch der ARTE-Film (Autor: Mickaël Gamrasni) macht vor allem deutlich, welch zentrale Bedeutung der Brand des Reichstags für den Aufstieg Hitlers und der Nazis hatte. Den Kommunisten galt ihr ganzer Hass, mit ihnen lieferte man sich Straßenkämpfe, man jagte sie aus dem Parlament. Hermann Göring, bereits Reichstagspräsident, forderte die SA zum Prügeln und zum fleißigen Erstgebrauch der Schusswaffen auf.

ARTE-Doku rekonstruiert den Reichstagsbrand von 1933

So teilt sich der durchgehend mit Kommentar unterlegte Film in mehrere Teile auf: zum einen in die Geschichte der Machtergreifung mit dem anwachsenden Terror und der Furcht vor Arbeitslosigkeit und einer roten Revolution unter der Bevölkerung. Zum anderen wird die Nacht vom 27. Februar 1933 minutiös beschrieben mit zahlreichen Erst- und anderen "Zeugen", wie nicht zuletzt Hitler, Göring und Goebbels, die kurz nach 21.00 Uhr am spektakulär brennenden Reichstag eintrafen.

So erstaunlich wie perfide war dann der Schauprozess gegen vier bulgarische Kommunisten und van der Lubbe in Leipzig und Berlin, mit dem die Nazis der Welt ihre Rechtsstaatlichkeit beweisen wollten. Als van der Lubbe aussagte, er habe sich kurz vor dem Brand mit SA-Leuten getroffen, schaltete der Rundfunk die Gerichtsübertragung kurzfristig aus.

Dass der Reichstagsbrand ein Fanal war, das kurz darauf symbolhafte Bedeutung erlangte, steht außer Frage. Aber auch, dass der Brand inszeniert und von langer Hand vorbereitet war und dass er Hitler tatsächlich zur Festigung der Diktatur verhalf, macht die packende 90-minütige Dokumentation wie unter einem Brennglas deutlich.

Als der Reichstag brannte – Di. 30.06. – ARTE: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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