Lubna Azabal

Lubna Azabal in "Paradise Now" Vergrößern
Lubna Azabal in "Paradise Now"
Lubna Azabal
Brüssel, Belgien

"Weit weg - Loin" (2001), "Zwielicht in Tanger" (2002) oder "25 Grad im Winter" (2004): Die Filme, in denen sie spielt, sind oftmals preisgekrönt und werden von den Kritikern hochgelobt. Doch es sind eher die kleinen und feinen Werke, denen sie ein Gesicht gibt. Ein Gesicht, das nur wenige Kinogänger kennen, das der großen Masse bisher nicht aufgefallen ist. Lubna Azabal, Tochter marokkanisch-spanischer Eltern, wurde 1973 in Brüssel geboren. Ihre Ausbildung erhielt sie an der Theaterschule "Kleine Academie" in Brüssel, am internationalen Theater in Schaarbeek und in der französischen Abteilung des Königlichen Konservatoriums (Koninklijk Conservatorium Brussel). Der französische Regisseur und Drehbuchautor André Téchiné, der auch schon mit Isabelle Huppert, Juliette Binoche, Isabelle Adjani, Emmanuelle Béart und Daniel Auteuil zusammenarbeitete und durch sein preisgekröntes Drama "Rendez-Vous" international bekannt wurde, gilt als Lubna Azabals Mentor. Zunächst startete die junge Actrice eine Theaterkarriere in Brüssel, 1997 folgte ihr Debüt vor der Kamera: An der Seite von Olivier Gourmet sah man sie in Vincent Lannoos Kurzfilm "J'adore le cinéma". Anschließend ergatterte sie eine kleine Rolle in Marian Handwerkers Polithriller "Reine Fiktion - Die Verbrechen von Charleroi" (1998). Um ihre Karriere voranzutreiben zog die Aktrice, die dreisprachig aufwuchs und neben Französisch und Spanisch auch Berberisch beherrscht, kurze Zeit später nach Paris.

2001 übernahm sie einen Part in André Téchinés bereits erwähnten "Weit weg - Loin", drei Jahre danach stand sie erneut für eine Regiearbeit ihres Mentors vor der Kamera. Neben Catherine Deneuve und Gérard Depardieu spielte sie in der französischen Tragikomödie "Changing Times" (2004). Tony Gatlifs "Exil" ist eines dieser vielen preisgekrönten Werke, die nur wenig Publikum in die Kinos ziehen. Die Story des Roadmovies plätschert relativ sinnlos daher. Lubna Azabal sieht man hier als junge Frau, die mit ihrem Freund auf dem Weg nach Algerien ist. Trotz vieler Längen erhielt der Regisseur bei den Filmfestspielen von Cannes 2004 den Preis für die beste Regie. Doch der jungen Schauspielerin gelang es nicht, sich dauerhaft in das Gedächtnis der Zuschauer zu spielen. Die Zahl ihrer vielen Engagements zeigt aber, dass sie sich zumindest in die Erinnerung der Regisseure gespielt haben muss. Weitaus mehr Aufmerksamkeit bei den Zuschauern erhielt Hany Abu-Assads co-produziertes Drama "Paradise Now" (2005). Die schonungslose und nüchterne Darstellung über die Macht von Fanatikern gewann bei der Berlinale 2005 den Publikumspreis und wurde 2006 mit dem Golden Globe als bester nicht englischsprachiger Film ausgezeichnet. Daraufhin konzentrierte sich Lubna Azabal verstärkt auf ihre Film- und Fernsehkarriere und sagte der Bühne - zunächst einmal - "Leb wohl". Es folgten die Dreharbeiten für "Echo" (Kurzfilm), "Strangers" und "24 mesures" (alle 2007).

2008 lieferte Lubna Azabal mit "Der Mann, der niemals lebte" schließlich eine starke schauspielerische Leistung in einem Blockbuster ab. Doch übernahm sie in dem Spionage-Thriller unter der Regie von Ridley Scott nur eine Nebenrolle und schaffte es nicht aus dem Schatten, den die übermächtigen Stars Leonardo DiCaprio und Russell Crowe warfen, zu treten. Nach knapp zehn Jahren Paris kehrte sie 2009 schließlich nach Belgien zurück. Ob diese Entscheidung maßgeblich für ihren persönlichen Erfolg in "Die Frau, die singt" war, lässt sich nicht belegen. Für ihre Darstellung als Nawal Marwan in Denis Villeneuves Drama erhielt Lubna Azabal den Black Pearl Award 2010 beim Abu Dhabi Film Festival als beste Schauspielerin und den Genie Award, den wichtigsten kanadischen Filmpreis. Das Drama sorgte bei den Filmfestivals in Venedig und Toronto für Furore und war für den Oscar in der Kategorie bester nicht englischsprachiger Film 2011 nominiert. Darüber hinaus gewann "Die Frau, die singt" den Don-Quijote-Preis auf dem nordnorwegischen Tromsø Internasjonale Filmfestival 2011. Das kanadische Drama, das ein gut gehütetes, erschütterndes Familiengeheimnis vor dem Hintergrund des Bürgerkriegs im Nahen Osten thematisiert, ist aber erneut eines der Werke, die nur von einem kleinen - Kino begeisterten - Publikum bemerkt werden.

Weitere Filme und Serien mit Lubna Azabal: "Les siestes Grenadine" (1999), "La source des Sarrazins", "Un monde presque paisible", "Aram" (alle 2002), "Viva Algeria" (2004), "Bajo el mismo cielo" (2008), "Serie in Schwarz" (TV-Serie, 2008), "Une chaîne pour deux", "Gamines" (beide 2009), "Comme les cinq doigts de la main", "I Am Slave", "Die Besatzer" (TV-Zweiteiler, alle 2010), "Here", "Coriolanus" (beide 2011).

Foto: Constantin


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