André Téchiné

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Vom Filmjournalisten zum Regisseur: André Téchiné
André Téchiné
Geboren: 13.03.1943 in Valence d'Agen, Frankreich
Sternzeichen: Fische

Was André Téchinés Filme ausmacht, ist ein starkes Interesse für die Personen und ein Gefühl für poesievolle Optik und Sprache. Auch wenn die Geschichten sehr unterschiedlich sind, mal historisch politisch, mal privat, kann man Téchiné-Filme am Stil erkennen. Während der Blütezeit der Nouvelle vague in Frankreich, arbeitet er 1964-67 bei der Zeitschrift Cahiers du Cinéma, der Brutstätte des neuen französischen Kinos. Téchiné ist fasziniert von den Klassikern, von Carl Theodor Dreyer, Roberto Rossellini, Alfred Hitchcock und Jean Renoir. Doch für die Dauer genügt ihm das Schreiben nicht mehr. Bei Jacques Rivette entdeckt er als Regieassistent die Liebe zum Theater, bald kann er an kleinen Bühnen inszenieren. Er bekommt Gefühl für 'Mise en scene'. Sein Regiedebüt am Theater liefert er im Dezember 1970 mit D. Marainis Stück "Chantage au théatre".

Anfang der 70er Jahre entscheidet er sich endgültig fürs Kino, schreibt Drehbücher, wie beispielsweise zu Liliane de Kermadecs schönem Film "Aloise" (1975), nimmt einen Lehrauftrag an der Pariser Filmhochschule an, dreht erste eigene Filme. Sein aufsehenerregender Debütfilm "Paulina haut ab" (1971) erzählt von einem Mädchen, gespielt von Bulle Ogier, das allmählich dem Wahnsinn verfällt. Seine zweite Regiearbeit "Erinnerungen aus Frankreich" (1974) ist die Chronik einer Familie, die 35 Jahre Geschichte spiegelt. Der Film zeigt, wie Familienbesitz entsteht, wie aus dem Proletariat Kleinbürgertum wird. André Téchiné bringt Begriffe wie Vaterland und Resistance in Verbindung mit dem Bestreben, die überkommenen Eigentumsverhältnisse zu bewahren und zu sichern: Die ehemalige Wäscherin nutzt als Fabrikbesitzerin schamlos das Ansehen aus dem Widerstand aus, um eine freiheitliche Entwicklung der Arbeiter zu verhindern. Doch weil ihr der Durchblick fehlt, wird sie zum Spielball der Mächtigen.

Von drei wunderbaren Schauspielerinnen - Isabelle Huppert, Marie-France Pisier und Isabelle Adjani - lebt "Die Schwestern Brontë" (1979). "Begegnung in Biarritz" (1981) erzählt von der zufälligen Begegnung einer schönen jungen Ärztin und eines gutaussehenden Herumtreibers, in "Rendez-Vous" (1985) erscheint die Geschichte von Romeo und Julia als Theaterstück und Sex-Show. Der Bühnenregisseur im Film inszeniert das Stück aus privaten Motiven heraus: Seine Tochter hat Selbstmord begangen, um - wie Shakespeares Julia - die reine Liebe zu bewahren. Der Film erhält bei den Filmfestspielen in Cannes den Regie-Preis. Und schließlich versucht in "Ich küsse nicht" (1991) ein junger Mann vom Lande, in Paris sein Glück zu machen. Am Ende landet er im Strichermilieu und lernt eine verführerisch schöne Hure kennen, die ihn endgültig nach unten bringt.

In "Wilde Herzen" (1993) begegnen sich in einem kleinen französichen Dorf im Sommer 1962 vier junge Leute, die sich durch ihre gegensätzlichen Meinungen zum Algerienkrieg aneinander reiben, sich dann aber zögerlich näherkommen. In "Diebe der Nacht" (1996) wird ein Polizist in eine Liebesbeziehung hineingerissen, die von gegenseitiger Verachtung erfüllt ist: ein Leben in wütender Trance, beobachtet von einem Achtjährigen, der ein Bruder von Truffauts Antoine Doinel sein könnte.

Weitere Filme von Téchiné: "Barocco" (1975), "Schauplatz des Verbrechens" (1986), "Die Unschuldigen" (1987) und "Meine liebste Jahreszeit" (1992) mit Catherine Deneuve, "Alice und Martin" (1997) mit Juliette Binoche, "Weit weg - Loin" (2000), "Les égarés" (2003), erneut mit der Deneuve "Changing Times" (2004) und "Wir waren Zeugen".


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