Berlin - Kalter Krieg der Zoos
01.08.2024 • 20:15 - 20:55 Uhr
Info, Zeitgeschehen
Lesermeinung
Vergrößern
Vergrößern
Vergrößern
Vergrößern
Originaltitel
Berlin - Kalter Krieg der Zoos
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2024
Info, Zeitgeschehen

Tierische Koexistenz

Von Hans Czerny

Zwei Zoos – der eine heißt auch so, der andere nennt sich vornehm Zoologischer Garten. Der eine liegt in Ostberlin, der andere im Westen. Es sind Schauplätze, welche die Zeit des Kalten Krieges wie in einem Brennglas widerspiegeln. Kleine und große Tiere mischen mit – sie sind die Stars dieser Doku.

Sie sind die Hauptdarsteller eines tierischen Theaters mitten im kalten Nachkrieg: Brillenbären (West) gegen Pandas (Ost). Einer sollte den anderen übertrumpfen. Die Medien mischten mit, machten in Wochenschauen und TV-Sendungen friedliche Propaganda auf beiden Seiten, wie diese unterhaltsame ZDF-Produktion von Heike Nikolaus zeigt. Die einen hatten Kennedy, der einen gealterten Seeadler schickte, das Wappentier der USA, die anderen Ho Chi Minh, der im neuen Ostberliner Zoo in Friedrichsfelde für Nachschub sorgte. Auf ihre Pandas mussten die Westberliner lange warten, bis die damalige Kanzler-Gattin Loki Schmidt anlässlich eines China-Besuches mit ihrem Mann Helmut dafür sorgte.

Der Ostberliner Zoodirektor Heinrich Dathe und der jüngere Westler Heinz-Georg Klös schenkten sich nichts, was das Renommee ihrer Gehege betraf. Beide waren Experten ihres Fachs, sie übertrumpften einander auch in architektonischen Werken, ganz wie das mörtelnde Menschenäffchen, das drollig die Kelle schwingt. Sie besuchten sich immer mal wieder, geschenkte Tiere kamen nicht selten aus Ost wie West. Kühlschrank-Firmen lieferten Eisbären, Dathes Affen wurden bestens mit Bananen versorgt. Die Tiere des Professors, eines Grzimeks des Ostens, hatten "manchmal schöneres Futter als wir es in der Kaufhalle bekommen haben", erinnert sich eine ehemalige Tierpflegerin, und sie meint es gut.

Raus aus dem grauen Alltag, das war von Anfang an die Zoo-Devise im zerbombten Berlin, im Osten kam bei der Eröffnung ab 1955 die "Volksbildung" zur Arbeitsamkeit dazu. – Beim Anblick der Bilder von gestern könnte einem schon mal der Gedanke kommen: Ach, was waren wir doch für Affen, damals im kalten Krieg. Tierische Oasen machten jedenfalls vor, wie ein besseres Zusammenleben gelang.

Berlin – Kalter Krieg der Zoos – Do. 01.08. – ARTE: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

Das beste aus dem magazin

privat
HALLO!

Vom Selbstfindungs-Trip zum eigenen Buch: Carina Kruse

Carina Amara Kruse ist 29, als ihr Leben zu einem Trümmerhaufen wird – Liebe weg, Job weg. Doch statt in Selbstmitleid zu versinken, reist sie allein nach Bali, Indien und Neuseeland. Aus ihrer Reise entsteht schließlich das Buch „The Journey“.
WDR Herby Sachs
Gesundheit

TOFI: Normalgewichtig, aber Adipositas

Gesundheit ist mehr als nur das Gewicht auf der Waage. Warum Menschen mit normalem BMI und Bauchfett ein höheres Risiko für Krankheiten haben können als leicht Übergewichtige mit aktiver Lebensweise.
Eine ältere Frau hält ein Wasserglas mit Schmerzen.
Gesundheit

Welt-Parkinson-Tag am 11. April

Am 11. April wird der Welt-Parkinson-Tag begangen, um auf die Erkrankung aufmerksam zu machen. Anlässlich des Tages sind zahlreiche Veranstaltungen geplant, darunter eine Online-Veranstaltung der Parkinson Stiftung.
Mathias Liebing mit verschränkten Armen.
HALLO!

Mathias Liebing: „Der Fußball gehört im Osten wieder zur regionalen Kultur“

Mathias Liebing hat nach seiner Biografie über Norbert Nachtweih nun das Buch „Plattgemacht“ über die Entwicklung des Fußballs in Ost-Deutschland nach der Wende geschrieben. Im Gespräch mit prisma gibt er interessante Einblicke in die ostdeutsche Fußballseele.
Eine Grafik zum Weltgesundheitstag.
Gesundheit

Die Gesundheit im Blick

Der Weltgesundheitstag wird jährlich am 7. April gefeiert und erinnert an die Gründung der WHO 1948. Das diesjährige Thema lautet: "Gemeinsam für die Gesundheit. An der Seite der Wissenschaft". Deutschland begeht diesen Tag seit 1954 mit angepassten Schwerpunkten.
Dr. med. Ramtin Knuschke in einem weißen Kittel.
Gesundheit

Bluthochdruck: Was hilft, wenn Tabletten nicht mehr reichen?

Bluthochdruck bleibt oft trotz Medikamenten ein Problem. Die Nierennervenablation kann neuen Halt bieten, indem sie gezielt Nervenfasern in der Nierenarterie verödet.