Der Amsterdam-Krimi: Das verschwundene Kind
08.07.2021 • 20:15 - 21:45 Uhr
Fernsehfilm, Kriminalfilm
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Originaltitel
Der Amsterdam-Krimi: Das verschwundene Kind
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2020
Fernsehfilm, Kriminalfilm

Mit Karacho die Grachten entlang

Von Wilfried Geldner

Nachdem der Mord an einem Enthüllungsjournalisten aufgeklärt ist, sehen sich der deutsche Undercover-Spezialist Alex Pollack (Hannes Jaenicke) und der einheimische Kommissar Bram de Groot (Fedja van Huêt) im "Amsterdam-Krimi" mit einer erpresserischen Kindesentführung konfrontiert.

Im vierten "Amsterdam-Krimi" werden die deutsch-holländischen Ermittler Pollack und de Groot (Hannes Jaenicke und Fedja van Huêt) überraschend noch einmal mit dem Steuerskandal aus der Vorfolge konfrontiert. Kaum ist Pollack von einer Bootstour auf den Amsterdamer Grachten zurückgekommen, die er sich für eine allein stehende Nachbarin und deren Jungen zum Geburtstag ausgedacht hat, erhält er ein seltsames Telefonat: Er möge doch binnen einer Stunde den Kollegen de Groot "aus dem Verkehr ziehen", andernfalls werde das soeben entführte Kind der Nachbarin sterben. Gerade mal eine Stunde lassen die Entführer Pollack Zeit. "Wir sehen und hören alles", sagt die Stimme noch. Klingt arg bedrohlich und gibt große Rätsel auf. Der Fall "Das verschwundene Kind", den das Erste nun als Wiederholung zeigt, grenzt an eine Groteske.

Standen im vorherigen Film Hacker und deren Steueroasen-Recherchen im Mittelpunkt, so weisen diesmal vor allem Handys fortwährend die Spur. Sie dienen als Lockvögel und setzen falsche Fährten auf beiden Seiten. Mit der Aufdeckung der Steuerstraftaten hält das Handy-Gedöns dann aber kaum Schritt.

Jaenicke macht mit 60 die Stunts immer noch selber

Dabei ist der Deutsche in holländischen Diensten so aufwendig wie märchenhaft etabliert. Hätte ihn sein alter Freund de Groot nicht ein weiteres Mal zur Amsterdamer Polizei geholt und seine Dienstverpflichtung verlängert, würde er wohl immer noch im Technikkeller des LKA Düsseldorf schmachten. Schade nur, dass Jaenicke nun unterbrochen den Macho in der Nachfolge eines Götz George als Schimanski machen muss, auch sein Parka-Verschnitt erinnert ein wenig daran.

Dabei hätte er gerade in den leiseren, gefühlvolleren Szenen seine Stärken. Siehe die Grachten-Bootsfahrt mit der Nachbarin und die kurze Freundschaft mit ihrem später entführten Sohn. Jaenickes Pollack liebt es, mit dem Motorrad unterm Rundhelm durch Amsterdam zu rasen, er schnappt sich – einfach mal so – das Handy einer Bloggerin, und das Motorrad entwendet er einem Kiffer, angeblich auf Zeit. "Da ich mittlerweile offiziell zur Corona-Risikogruppe gehöre", sagte der mittlerweile 61-Jährige Jaenicke nach seinem runden Geburtstag im letzten Jahr, "freut es mich, dass ich fast alle Stunts immer noch selber machen kann."

Auch die Idee mit dem Plot um skandalöse Steueroasen deutscher Großkonzerne in Übersee und deren partizipierendem Umschlagplatz Amsterdam geht auf Jaenicke zurück. So gesehen ist es eigentlich schade, dass man ihn nicht im fernen Panama, in Guam oder auf den Cayman Islands recherchieren ließ – das wäre sicher ein Stunt-schöner, Fernweh-gesättigter internationaler Steuerkrimi geworden. So aber führen alle Wege zuletzt brav zu den Stadtoberen im Rathaus von Amsterdam. Die Handlung dreht sich nach dem Motto: "Wasch mir den Pelz, aber mach' mich nicht nass!" vielfach im Kreise, sodass man Pollacks gelegentlich ausgestoßenem Seufzer: "Wir beginnen wieder bei Null" nur allzu gut beipflichten kann. Weniger Hektik und ein tiefer gehender Plot, das wären die Wünsche für künftige Folgen.

Der Amsterdam-Krimi: Das verschwundene Kind – Do. 08.07. – ARD: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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