Der Hamburger Elbtunnel wurde zur Zeit der ersten Mondlandung geplant und gebaut. Das Projekt war – trotz eingeschränkter Sichtbarkeit – kaum weniger spektakulär. Ein 90-minütiges Dokudrama erzählt die Geschichte einer der wichtigsten Verkehrsadern Europas und fördert Erstaunliches zutage.
Die Bauarbeiten dauerten von 1968 bis Dezember 1974. Anfang 1975 wurden die drei Röhren des neuen Hamburger Elbtunnels eröffnet. Doch schon damals stand fest: Die Kapazität würde für den rasant wachsenden Verkehr nicht ausreichen. Staus begleiteten den Mythos Elbtunnel beinahe von Anfang an. Seit 2002 ist eine vierte Röhre nutzbar. Deren Bohrer "Trude" (Tief runter unter die Elbe) – mit einem Durchmesser von 14,2 Metern der größte der Welt mit Schildvortrieb – steht heute vor einem Hamburger Museum. Hubertus Meyer-Burckhardt moderiert das 90-minütige Dokudrama "Der Elbtunnel: Pionierwerk und Staufalle", in dem die Geschichte der spektakulären Elbunterfahrung geradezu lebendig wird.
Filmemacher Ulf Thomas gelingt dies mit spannendem Archivmaterial, Interviews und Spielszenen. Dabei bleibt die Doku immer nah an jenen Menschen dran, die jahrelang unter den Bauarbeiten litten, umgesiedelt wurden, die selbst bauten oder anderweitig am 3,3 Kilometer langen und 28 Meter unter der Wasseroberfläche befindlichen Meisterstück beteiligt waren. Der Film, den man schon seit Anfang Januar in der ARD Mediathek sehen kann, blickt deutlich über den Tellerrand der beiden Röhren-Bauphasen hinaus. Thematisiert wird der spektakuläre alte Elbtunnel von 1911 (426,5 Meter lang), der noch heute dem innerstädtischen Fuß- und Radverkehr dient.
Städtebauliche Fantasien und Konzepte für die Querung des Stroms, deren politische Komponenten von der Zeit des Nationalsozialismus bis heute reichen, erzählt der Film auf anschauliche und spannende Weise. Durchaus emotional wird es, wenn Menschen zu Wort kommen, deren Leben der Tunnel seit über 50 Jahren begleitet: Röhren-Ende-Anwohner wie die Betreiberfamilie der historischen Gaststätte Röperhof oder ehemalige Bauarbeiter wie der Entertainer Mike Krüger. Damals wollte er Architektur studieren und packte unter dem Fluss mit an. Auch Krügers Freund und damaliger Kollege spricht – der später tatsächlich Architekt wurde. So zeigt das unter dem Siegel "ARD History" laufende Programm, wie ein Bauwerk zum Lebensbegleiter, aber auch Protagonisten des Wandels von Stadt und Verkehr wurde.
Der Elbtunnel: Pionierwerk und Staufalle – Mo. 04.03. – ARD: 23.35 Uhr