Der Kiosk: Kaffee, Bier und Emotionen
30.09.2025 • 22:15 - 22:45 Uhr
Info, Gesellschaft + Soziales
Lesermeinung
Oer-Erkenschwick hat Durst: Naciyes Söhne Selçuk und Orçun kümmern sich jede Woche um den Getränkeeinkauf für die "Ballerbude"
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Sechs Tage die Woche steht sie hinterm Tresen: Die "Ballerbude" in Oer-Erkenschwick ist das Lebenswerk von Naciye (46).
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Für die Kundschaft in ihrer "Ballerbude" in Oer-Erkenschwick hat Kioskbetreiberin Naciye (46) immer ein offenes Ohr.
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Für die Kundschaft in ihrer "Ballerbude" Oer-Erkenschwick hat Kioskbetreiberin Naciye (46) immer ein offenes Ohr.
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Originaltitel
Der Kiosk: Kaffee, Bier und Emotionen
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2025
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Spätis und Büdchen kämpfen ums Überleben

Von Hans Czerny

Das Wort Kiosk kommt aus dem Türkischen und stand einst für einen hölzernen Pavillon im Garten. Inszwischen haben Spätis oder Trinkbuden die freistehenden Kioske abgelöst. Doch als Orte gehobener philosophischer Kommunikation fungieren sie noch immer.

Dass der Kiosk "um die Ecke" für viele ein Stück Heimat ist, musste endlich wieder mal gesagt werden. Auch wenn der Kiosk längst kein Kiosk mehr ist, nämlich ein frei stehendes Bretterhäuschen und als solches nachweisbar türkischen Gartenpavillons nachempfunden (auch das Wort kommt ja daher), sondern ein Laden, der in vielen Fällen noch nicht mal an der Ecke steht – wertvoll ist er eben doch. Denn hier wird nachbarschaftliche Kommunikation gepflegt – und das nicht nur in Hamburg, wo ein frommer "Zuhör-Kiosk" auf diesen Zweck des Ladens verweist. Die "37°"-Reportage besucht "Kioske" quer durch die Republik, von Berlin bis ins Ruhrgebiet, und sich mit den dort befindlichen Menschen unterhalten, die ja nicht zuletzt auch ein Stück regionaler Kultur tragen.

Dittsches Hamburger Imbiss blieb nebst Olli Dietrich selbst außen vor, wohl weil das zwar ein aufregender Kommunikationsort für verlorene Seelen, aber eben doch kein Verkaufsort für alles Mögliche war. Hingegen vermissen wir einige Münchner Vertreter der Spezies voll und ganz – von "Fräulein Grüneis" an der Eisbachwelle bis zu den kultigen Buden an der Braunauer- oder auch Reichenbachbrücke. Gewichtige mediale Stimmen fordern immer mal wieder ihr Weiterbestehen ein.

Der "37°"-Film selbst pflegt allerdings nicht solche in Jahrzehnten gewachsenen Traditionen. Er kümmert sich mehr um das gefährdete Fortbestehen jüngerer Formate. Auch der Berliner "Späti", in dem man rund um die Uhr alles bekommt, was das Herz und die durstige Seele begehren, ist ja schon wieder gefährdet. Discounter-Ketten, hohe Mieten und leidige Energiekosten heizen ihm tüchtig ein.

Da ist es gut, wenn es im Familienverbund funktionieren kann: In Berlin-Kreuzberg, wo der 28-jährige Serdar soeben einen Späti übernommen hat, wird er kräftig von seinem jüngeren Bruder Emre unterstützt. Die beiden probieren ständig Neues aus, achten darauf, was angesagt ist, und halten den Laden so am Laufen. – In Oer-Erkenschwick, am Rande des Ruhrgebiets, muss sich Naciye in ihrer "Ballerbude" (frei übersetzt: Trinkhalle) nach der Decke strecken. In ihrem Büdchen hat sie in den vergangenen Jahren Freunde gewonnen, ihren Mann kennengelernt und zwei Söhne großgezogen. Doch die Inflation frisst viel auf, die Gewinnmargen sind nicht hoch und die Steuer hält die Hand obendrein auf.

Längst seien Kioske, in Berlin "Spätis", im Ruhrpott "Trinkhallen" oder "Büdchen" genannt, keine Selbstverständlichkeit im Stadtleben mehr, so das Fazit der bunten und aufmunternden "37°"-Reportage von Daniel Hartung. Dabei sind auch die neuen Kioske als Orte des zufälligen Miteinanders doch eigentlich unentbehrlich.

37° Der Kiosk – Kaffee, Bier und Emotionen – Di. 30.09. – ZDF: 22.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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