Der Zürich-Krimi: Borchert und die tödliche Falle
12.08.2021 • 20:15 - 21:45 Uhr
Serie, Krimireihe
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Originaltitel
Der Zürich-Krimi
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2020
Altersfreigabe
12+
Serie, Krimireihe

Wenn im Gerichtssaal die Kugeln fliegen

Von Hans Czerny

Borcherts siebter Fall: Christian Kohlund, der Mann mit dem besten Bariton, gerät als Zürcher "Anwalt ohne Lizenz" in die Niederungen der Korruption. Ausgerechnet sein Freund und Arbeitgeber, der Staranwalt Reto Zanger (Robert Hunger-Bühler) enttäuscht ihn zutiefst.

"Von Zeit zu Zeit seh' ich den Alten gern", möchte man mit Goethes Mephisto sagen, wenn man Christian Kohlund, dem Mann mit dem erwärmenden Bariton als Anwalt Borchert so zusieht, wie er fast wie Humphrey Bogarte im "Maltheser Falken" durch seine Zürcher Fälle geht. "Der Zürich-Krimi: Borchert und die tödliche Falle" (2020), sein siebter von inzwischen zwölf – wer hätte das beim Start 2016 gedacht ob der eher skurrilen Hauptfigur -, lehnt sich ganz weit in die Gentrifizierung dieser Welt hinaus und wird nun im Ersten wiederholt. Es geht um eine Schweizer Firmenübernahme in Amerika; die Rede ist von einer Milliarde, die der Schweizer Partner "drauflegen" muss: "Dann gehört das Werk Ihnen!"

Derweil schläft Borchert, glücklicherweise mit keinerlei Rechtsanwaltslizenz ausgestattet, noch immer in seinem futuristischen Blechwohnwagen. Am Abend zuvor hatte er seine Subchefin, Dominique Kuster (Ina Paule Klink), und deren Vater, den Staranwalt Reto Zanger (Robert Hunger-Bühler) zum Boeuf Stroganoff mit reichlich Rotwein eingeladen. Verquält schält sich Borchert, mit Schildmütze und Sonnenbrille angetan, aus dem Bett, um jäh die Freundin auf Zeit zu verlassen.

Auch Reto hatte am Abend zuvor recht unvermittelt das Weite gesucht, ein wichtiger Anruf bestellte ihn zu einem Geschäftstermin an den Genfer See – eben in diese verwegene Kapitalistenrunde, von der soeben die Rede war. Unter Retos Ägide sollte ein Milliardenschnäppchen in Ohio unter Wert verscherbelt werden. Im Gerichtshof werden derweil die Dienste von Retos Tochter Dominique verlangt. Sie soll die frühe Freilassung eines Raubmörders erwirken, Reto hatte für die Freilassung nach fünf von zehn Jahren plädiert – warum denn auch nicht.

Golo Euler mit schriller Schreistimme und Pokerface

Dass Dominique da ein sehr heißes Eisen anfassen muss, stellt sich auf schmerzlichste Weise heraus, als ihr Mandant – Golo Euler performt ihn mit schriller Schreistimme und Pokerface – eine unter seinem Sitz verborgene Pistole hervorzieht und den gesamten Gerichtssaal als Geisel nimmt. Zwei Millionen US-Dollar und einen Helikopter fordert er. Daraus folgt nun eine von Roland Suso Richter durchaus opulent inszenierte Geiseloper, mit viel Pistolengefuchtel und krachender Schlägerei. Auch fehlt es nicht an Befreiungsversuchen, die Richterin ("Ich muss mal") inszeniert gleich den allerersten. Man möchte da nicht der Mann mit der Steadykamera gewesen sein. Förmlich kriecht er in die Personen hinein, von steter Unruhe getrieben wackelt er sich durchs graublaue Bild. Gegenlichtbalken stören ihn nicht ohne Absicht dabei.

Frage man nicht, wie nun die Geiselnahme im Gerichtssaal und die kapitalistischen Machenschaften zusammenhängen. Auch Borchert hat seine Mühe, Ursache und Wirkung zusammenzukriegen. Geschickt zieht er sich in den Hintergrund eines vertrackten film noir zurück. Bis er sich am Ende, um dessen Aufgabe flehend, vor den fies ferngesteuerten Geiselnehmer werfen darf, vergeht immer langsamer die Zeit. Die beste Action kann eine wenig schlüssige Handlung eben doch nicht ersetzen. Zum Trost: Die 13. Episode namens "Borchert und der verlorene Sohn" wurde Ende vergangenen Jahres abgedreht.

Der Zürich-Krimi: Borchert und die tödliche Falle – Do. 12.08. – ARD: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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