"Die Fotografin und der Krieg": Der ARD-Dokumentarfilm von Sonya und Yuri Winterberg verneigt sich vor dem Ausnahmetalent Anja Niedringhaus. Sie war eine Frau, die auch unter schwierigsten Bedingungen den Betroffenen von Gewalt und Unterdrückung ein menschliches Gesicht gab.
Sie war eine Frau, die gegen viele Widerstände kämpfen musste – und die nie vorschnell aufgab. Der "ARD Dokumentarfilm: Die Fotografin und der Krieg", der vom SWR produziert wurde, würdigt das Leben und Schaffen der 2014 in Afghanistan ermordeten Fotografin Anja Niedringhaus. Die Foto-Reporterin der European Pressphoto Agency und später der Associated Press schuf Bilder, deren einfühlsamer Blick ein Vierteljahrhundert lang die Titelseiten der internationalen Magazine und Zeitungen prägten. Sie galt als eine Pionierin in einem noch immer stark von Männern geprägten, gefährlichen Beruf – immer im Einsatz in Krisenregionen.
Und doch wollte Niedringhaus nicht als "Kriegsfotografin" gelten. Sie richtete die Perspektive weniger auf das Kampfgeschehen und die Entwicklung der Fronten, sondern auf die humanitäre Seite: auf die Folgen der Gewalt für die Menschen vor Ort. Mit einem hohen Maß an Sensibilität fand sie auch im schlimmsten Grauen immer noch ein "menschliches" Bild. Ihr Arbeit wurde immer wieder ausgezeichnet – auch mit dem renommierten Pulitzerpreis.
Der Dokumentarfilm versucht noch einmal, die Umstände ihres Todes zu rekonstruieren – wie auf einer kriminalistischen Spurensuche. Es geht auch um die Mitschuld des Westens, wo Anja Niedringhaus ja ihre Auftraggeber und Abnehmer für ihre Reportage-Fotos hatte. Als sie 2014 ermordet wurde, gab man sich vermutlich allzu rasch mit der Theorie eines islamistischen Einzeltäters zufrieden, der angeblich spontan gehandelt hatte. Der Film von Sonya und Yuri Winterberg weckt allerdings Zweifel an dieser Sichtweise. Es gibt politische und personelle Hintergründe, die in eine andere Richtung weisen.
ARD Dokumentarfilm: Die Fotografin und der Krieg – Mo. 12.01. – ARD: 23.05 Uhr