Oliver Kahn, Sepp Maier, Toni Schumacher und Jens Lehmann, aber auch Robert Enke stehen im Mittelpunkt der Dokumentation, die nach der spezifischen Psyche großer Torhüter fragt.

Hält der Fuß? – Das war die Frage, welche die Nation monatelang bewegte. Würde Deutschlands "Welttorhüter" Manuel Neuer bei der WM in Russland im Tor stehen können? Neuer ist natürlich einer der fünf Protagonisten, der einzige noch aktive, in Gerhard Schicks Dokumentation "Die Nummer Eins – Deutschlands große Torhüter". Im Film sprechen sie über ihre Erfahrungen in einem schwierigen, Nerven aufreibenden Geschäft. Sie sprechen übereinander und über ihre großen im Film gezeigten Momente: der lustige Maier Sepp, der inzwischen zum TV-Experten mutierte Oliver Kahn, dazu Toni Schumacher, Jens Lehmann und eben Manuel Neuer. Teresa Enke gibt Auskunft über das schwere Schicksal ihres Mannes Robert, der sich 2009 das Leben nahm.

Deutschland gilt bekanntlich als Torhüterland – kein Mangel an großen Talenten. Doch "Talent ist es nicht allein, das den großen Torhüter ausmacht", sagt Gerhard Schick, der Autor des Films. "Es gibt viele Talentierte, denen leider in den entscheidenden Momenten die Nerven versagen."

Nicht nur, dass da bis zu 80.000 Zuschauer auf den einen Mann im Kasten blicken, dass der ganz alleine die Verantwortung für seine Arbeit trägt. Torwarte haben auch eine besondere Position: Sie werden selten oder nie einfach ausgewechselt. Wer versagt, ist weg vom Fenster. Jeder Torwart hat einen dauerhaften Konkurrenten im Nacken. Die Existenz steht in jedem Moment auf dem Spiel.

Über dieses "Leben auf der Linie" äußert sich Oliver Kann, der selbst häufig nah am Limit agierte, wohl am detailliertesten: Es gebe eine Kraft in einem, die sich dagegen wehre, ständig unmenschliche Leistungen bringen zu müssen. Es komme dann "zu kompensatorischen Verhaltensweisen", zu Aggressionsausbrüchen, wie jenem berühmten, bei dem er dem Dortmunder Heiko Herrlich die Zähne zeigte. Auch Toni Schumacher kennt Augenblicke rücksichtsloser Aggression. Bei der WM 1982 attackierte er den Franzosen Battiston, die Fäuste voraus.

Andererseits können gerade Torhüter zu Helden werden. Bilder wie die von Jens Lehmann, der bei der WM 2006 Andreas Köpkes Anweisungen aus dem Stutzen zog und Deutschland ins Halbfinale rettete, blieben im so genannten "kollektiven Gedächtnis", ebenso wie Neuers hochgerissene Fäuste nach dem Schlusspfiff im Maracana. Sepp Maier dagegen ging unter anderem mit einem Entenhecht in die Geschichte ein.

Es sind die großen Geschichten, welche die Dokumentation im Ersten prägen. Wozu auch die Erinnerungen der Witwe Robert Enkes gehören. Enke war depressiv, er wollte mit der Krankheit nicht an die Öffentlichkeit gehen, denn er fürchtete um die Karriere. Teresa Enke gründete inzwischen eine Stiftung, die an Depressionen leidenden Menschen helfen will.

Die Dokumentation im Ersten wendet sich nicht einfach an Sportbegeisterte und Fußballexperten. Sie fragt: Wie muss die Psyche von Menschen beschaffen sein, die tagtäglich ihren Platz als "Nummer eins" verteidigen müssen – und die zuweilen über menschliche Grenzen gehen?


Quelle: teleschau – der Mediendienst