Die Verteidigerin - Der Gesang des Raben
25.01.2023 • 20:15 - 21:45 Uhr
Fernsehfilm, Kriminalfilm
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Originaltitel
Die Verteidigerin - Der Gesang des Raben
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2022
Fernsehfilm, Kriminalfilm

Ein Dorf jagt einen mutmaßlichen Mörder

Von Bernd Fetsch

Der zusammengesetzte Titel ist ein erstes Indiz: "Die Verteidigerin – Der Gesang des Raben" könnte – bei entsprechender Publikumsresonanz – kein Einzelfall für Martina Gedeck als engagierte Rechtsvertreterin Anna Notrup bleiben. Der Film am Mittwoch vereint Krimi- und Justizdrama.

"Ich habe den Stuhl genommen und ihm auf den Kopf gedroschen. Immer wieder. Fünfmal, sechsmal. Dann war er tot. Ich habe ihn in den Keller geschleift, da habe ihn dann kleingemacht." Ausgekocht habe er sein Opfer, und alles den Schweinen gegeben. "Die haben sich gefreut." – Samuel Brunner (Gustav Schmidt) ist ein verurteilter Gewalttäter, der seit fünfeinhalb Jahren im Gefängnis sitzt. Allein: Sein eindringliches Geständnis erweist sich als nahezu hinfällig, als die Leiche seines vermeintlichen Opfers Walter Schwarz zufällig entdeckt und samt Auto aus einem Stausee gefischt wird.

Warum hat sich der junge Mann selbst so schwer belastet? Das will die ebenso erfahrene wie engagierte Pflichtverteidigerin Anna Notrup im neuen ARD-Mittwochsfilm "Die Verteidigerin – Der Gesang des Raben" herausfinden, dessen zusammengesetzter Titel darauf hindeutet, dass dies vermutlich kein Einzelfall für Hauptdarstellerin Martina Gedeck bleiben wird. Zumal Regisseurin und Drehbuch-Mitautorin Mara Eibl-Eibesfeldt hier gekonnt Krimi- und Justizdrama zu einem überaus spannenden 90-Minüter vermengt.

Das Dorf schweigt – und grenzt aus

Notrup will angesichts der neuen Faktenlage in Revision gehen, sogar einen Antrag auf Haftentschädigung stellen. "Bei fünfeinhalb Jahren wären das etwa 140.000 Euro", versucht sie den desillusionierten Schweinebauern Brunner aus der Reserve zu locken. Der winkt zunächst ab: "Mir kann keiner helfen." Die Pflichtverteidigerin versucht es dennoch, macht sich auf den Weg in ein abgelegenes Schwarzwalddorf, wo sie den Fall von damals rekonstruieren möchte.

Je hartnäckiger sie nachbohrt und die schlampigen Ermittlungen der Ortspolizei aufdeckt, desto mehr Gegenwind bekommt sie von der Bevölkerung und den Behörden. An der Rehabilitierung des jungen Schweinebauern Brunner hat offenbar niemand Interesse – nicht einmal seine damalige Freundin Katharina (Vanessa Loibl), die Mutter des gemeinsamen Kindes und Tochter des Opfers,

"Ich hatte das Gefühl, die wollen unbedingt jemanden drankriegen", bestätigt der frühere Anwalt Brunners das rumorende Gefühl bei Rotwein- und Eisliebhaberin Anna Notrup, dass das ganze Verfahren voller Fehler und Ungereimtheiten war – und die Beteiligten etwas vertuschen wollen. "Passen Sie auf sich auf!", rät der Kollege – ehe kurze Zeit später "Verpiss dich" auf Notrups Auto geschmiert wird und die Bremsen des Wagens versagen.

Düstere Schwarzwald-Kulisse

Es sind düstere, von unterkühlten Schwarztönen dominierte Bilder, die "Die Verteidigerin – Der Gesang des Raben" über weite Strecken prägen: Tief hängende Nebelschwaden, Gewitterwolken, Blitz, Donner, umherstreifende Wölfe und ein Rabe, der durchs Fenster geflogen kommt, während Leonard Cohen im Hintergrund seine "Songs of Love and Hate" auf der Akustikgitarre spielt – der Schwarzwald ist hier kein Touristenziel, sondern Hort des moralischen Verfalls, der Ausgrenzung und des Schwermuts. Selbst dann noch, wenn der wahre Mörder längst offenbart wurde. Wohin es Anna Notrup, diese rechtschaffende und unbestechliche Großmutter, wohl als Nächstes verschlagen wird? Wer Wechsel zwischen Tatort und Gerichtssaal, die Charakterkonstellation (samt Notrups Sohn und Enkelin) – das alles könnte in eine lose Krimi-Reihe münden, deren Auftakt mehr als gelungen ist.

Die Verteidigerin – Der Gesang des Raben – Mi. 25.01. – ARD: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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