Ein Tag in Köln 1629
24.02.2019 • 19:30 - 20:15 Uhr
Report, Geschichte
Lesermeinung
Hebamme Anna Stein (Julia Thurnau) kämpft im Köln des 17. Jahrhunderts gegen die hohe Kindersterblichkeit.
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Annas (v.l. Dace Jakovica, Julia Thurnau) Wissen um Heilkräuter ersetzt oft den Arzt in der Familie und kommt ihrer kranken Schwägerin zugute.
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Anna Steins (Julia Thurnau) wertvollster Besitz ist eine Brille - im 17. Jahrhundert noch immer ein Luxusprodukt.
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Bei Geburten verlässt sich die Hebamme Anna Stein (Julia Thurnau, r.) auf ihre langjährigen Erfahrungen. Zudem besitzt sie profunde Kenntnisse über die weibliche Anatomie. Links die Lehrmagd (Elina Vaska), die Schwangere (Maija Arvena) in der Mitte.
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Im 17. Jahrhundert sind Hausgeburten und Gebärstühle üblich. Erst im 18. Jahrhundert gebären Frauen im Liegen (v.l. Julia Thurnau, Elina Vaska, Maija Arvena, Martins Liepa, Daiga Kazocina, Juris Strenga).
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Im 17. Jahrhundert kann jeder Fehler schnell zu einer Anklage wegen Hexerei führen. Im Verhör muss Anna (Julia Thurnau) dem Turmmeister (Lauris Dzelzitis) Rede und Antwort stehen.
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Dr. Eva Kreissl vom Landesmuseum Joanneum in Graz betrachtet eine "Neidfeige" am Ende eines Löffelstiels. Ein Amulett, das dem Aberglauben nach gegen den Fressneid anderer schützen sollte.
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Dr. Daniel Bellingradt blättert in einem literarischen Standardwerk der frühen Neuzeit - dem Hexenhammer. Die Abhandlung diente zur Legitimation der Hexenverfolgung.
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Die Hexenverfolgung verbreitet sich in der frühen Neuzeit wie ein Flächenbrand in Europa. Dr. Daniel Bellingradt erforscht den Zusammenhang zwischen Hexenverbrennungen und dem Aufkommen von Flugblättern als Massenmedium.
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Ein Mitarbeiter des Stadtarchivs Köln rekonstruiert alte Schriftfetzen mit modernster Technik. Viele der Schriften wurden beim Einsturz des Archivs 2009 zerstört.
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Anna Stein (Julia Thurnau, r.) gibt ihr Wissen an ihre Lehrmagd (Elina Vaska, l.) weiter. Mit ihren Kräuterbeuteln am Kleid waren sie leicht als Hebammen zu erkennen.
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Dr. Eva Kreissl vom Landesmuseum Joanneum in Graz untersucht Schluckbildchen des heiligen Schutzpatrons Salvator. Das Schlucken dieser Bildchen sollte dem Kranken Heilung bringen.
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Produktionsland
Deutschland
Produktionsdatum
2019
Report, Geschichte

Aus dem Leben einer Hebamme

Von Andreas Schöttl

Wie wild mag es im Köln des Jahres 1629 wohl zugegangen sein? "Terra X" wagt einen außergewöhnlichen Annäherungsversuch an die dunkle Vergangenheit.

Von 1618 bis 1648 tobte vor allem im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, einem Flickenteppich aus mehr als 300 Territorien, der Dreißigjährige Krieg. Mittendrin in diesem kontinentalen Schlachtfeld: die Stadt Köln. Als wichtiger Handelspartner für alle Kriegsparteien blieb die freie Reichsstadt von direkten Kampfhandlungen jedoch weitestgehend verschont. Dass es sich in der Stadt am Rhein zu jener finsteren Zeit dennoch nicht besonders gemütlich gelebt haben muss, stellen Jochen Ruderer, Jens Afflerbach und Sigrun Laste in einem Film dar, der nun im Rahmen von "Terra X" im Zweiten zu sehen ist. Die Autoren haben sich für die Rekonstruktion eines Tages im Mai des Jahres 1629 das Dasein einer fiktiven Frau ausgedacht. Anna Stein (Julia Thurnau), eine Hebamme, war für "ihre Frauen" 24 Stunden im Einsatz, heißt es im Film. Umfangreiche Recherchen, verdichtet aus historisch verbrieften Biografien und neuen Erkenntnissen der Forschung, sollen diese These untermauern.

Etwas arg konstruiert wirkt es nun aber schon, wie viel Dramatisches diese Anna Stein an nur einem Tag zu erleben hatte. Auch um die eigene Familie kümmerte sich die bemitleidenswerte Witwe sehr aufoperungsvoll. Weil die Stein auch ein beachtliches Wissen über Heilkräuter gehabt haben soll, verabreicht sie ihrer kränkelnden Schwägerin eine seltsame Mixtur, die gegen allerlei Beschwerden so toll gewirkt haben soll, wie die modernen Präparate heutzutage.

Im weiteren Verlauf ihres sehr kompakten Tagesablaufs meistert Frau Stein auch noch eine schwierige Geburt, weil sich die damaligen Wundärzte geweigert hätten, den Unterleib einer gebärenden Frau zu berühren. Kurz das Blut einer Geburt abgewischt, macht sich Frau Stein schon auf zum Marktplatz von Köln. Dort wird sogleich eine Hebammen-Kollegin auf dem Scheiterhaufen verbrannt, weil sie angeblich eine Hexe gewesen sei. Die Mittagszeit ist noch kaum geschafft, da kommt es für Frau Stein noch schlimmer. Die Hebamme selbst gerät unter Verdacht. Wird sie ein Opfer des Hexenwahns und auch bald brennen?

Am Ende ist eines klar: So einen Alltag will man nicht geschenkt. Die Autoren packen natürlich viel zu viel Absonderliches in den angeblichen Verlauf eines einzigen Tages. Auch wenn diese kurze Zeitspanne nur stellvertretend und im Raffer für einen doch längeren Zeitraum stehen soll, wäre etwas mehr Realitätsnähe wünschenswert gewesen.

Beim ZDF findet man die Idee, eine weitreichende Vergangenheit am Beispiel nur eines Tages mit fiktiven Personen nachzustellen, jedoch so griffig, dass es gleich drei Teile dieser aufwendig produzierten Reihe gibt. Es folgen "Ein Tag in Paris 1775" am Sonntag, 3. März, und "Ein Tag in Berlin 1926". Die Ausstrahlungen beginnen jeweils um 19.30 Uhr.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

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