Ein Tisch in der Provence
11.04.2021 • 20:15 - 21:45 Uhr
Fernsehfilm, Romanze
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Originaltitel
Ein Tisch in der Provence - Zwei Ärzte im Aufbruch
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2021
Fernsehfilm, Romanze

Nur wenig Lawendel

Von Hans Czerny

Im dritten Film der "Herzblatt"-Sonntagsreihe "Ein Tisch in der Provence" geht es endlich hinein ins volle Landarztleben. Véro und Hugo kreuzen in der geerbten Gemeinschaftspraxis munter die Klingen. Doch was sich neckt, das liebt sich auch.

Zum dritten Mal wird in der ZDF-Sonntagsreihe "Ein Tisch in der Provence" der etwas andere Familienfilm mit der Arztserie gekreuzt. Der Streit um die Provence-Praxis – Véronique hat die Praxis vom Vater geerbt, der hat aber auch einen Nachfolger eingesetzt, weil die Tochter noch kein Examen hat – scheint in der neuen Folge "Zwei Ärzte im Aufbruch" wie weggeblasen. Dass hier deutsche Schauspieler auf französische Ärzte machen, sollte nicht weiter stören, obwohl es ja doch ein wenig komisch ist, wenn die Germanen plötzlich mit "Salu!", "Bonjour!" oder "Au revoir!" grüßen. Ein Musette-Akkordeon oder ein sanft dahinplätscherndes Klavier helfen über solche Bedenken hinweg – und warum sollten sie in der Provence nicht dürfen, was andere in anderen Sonntagsfilmen so schamlos treiben, etwa bei Pilcher in Cornwall oder bei Inga Lindström in Schweden?

Was lange schwelt, bricht endlich auf

Zudem bleibt zum Nachdenken über landsmannschaftliche Zugehörigkeiten wenig Zeit. Es ist viel los in der Arztpraxis und um sie herum. Ein junges Mädchen möchte sich von einer Brücke stürzen und will von Véro und ihrem Partner mangels psychologischem Dienst gerettet sein. Parallelen zu Véros einstigem Kummer im Elternhaus stellen sich her. Eine hochschwangere Bäckerin erleidet eine Schwangerschaftsvergiftung und befindet sich in höchster Gefahr. Und dann ist da auch noch Catherine (Gesine Cukrowski), Véros Tante, die gerade eine Krebserkrankung überstanden hat. Das Drama bleibt also gerne auch in der Familie. Catherine möchte ein neues Leben beginnen und legt ihrem Mann, Veros Onkel, einen Abschiedsbrief auf den Tisch, sodass der völlig fertig ist.

Was aber schon lange schwelt, bricht nun auch auf: Véro ist nicht die leibliche Tochter ihres Vaters, unter dem sie so sehr litt, dass sie als Krankenschwester nach Hamburg Reißaus nahm und erst wieder zurückkam zur Beerdigung des Alten. So was will von der eigenen Mutter erst mal gebeichtet sein – nach nicht weniger als 35 Jahren. Solche Versatzstücke aus der Seifenopern-Ecke zählen zweifellos zu den Schwächen dieses "ersten Herzkino-Medicals", wie das ZDF stolz die Reihe nennt.

Andererseits passen Friederike Linke ("In aller Freundschaft – Die Krankenschwestern") und Nico Rogner als Ärztepaar in weißen Kitteln bestens zueinander. Die Beliebtheits-Konkurrenz bei den provenzalischen Patienten wechselt recht nonchalant mit gegenseitigen Sympathiebezeugungen am Rande des verbalen Liebesspiels. Wenn Véro von Hugo mal gedrückt werden will, kann sie das haben. Aber auch Hugo, dem Arzt mit dem fiesen Zitterhändchen, der keine Wunden sehen, geschweige denn sie flicken kann, muss geholfen werden.

Das Schöne an dieser Medizinerserie ist ihre Leichtigkeit. Dass Regie und Kamera (Frauke Thielecke, Christian Klopp) allenfalls kurz in Lavendelfeldern oder Pinienwäldern schwelgen (Achtung, Drohne!), wirkt angenehm. Selbst Strandszenen geraten hier nicht zum Idyll. Alleine die Hauptepisode jener 18-Jährigen, die sich das Leben nehmen will, wirkt weniger gelungen. Blei im Blut als Auslöser der Depressionen, die jüdische Abstammung der Großeltern – das ist zumindest für deutsche Zuschauer allzu leichthin erzählt.

Ein Tisch in der Provence: Zwei Ärzte im Aufbruch – So. 11.04. – ZDF: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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