Enkel für Anfänger
04.07.2022 • 20:15 - 21:55 Uhr
Spielfilm, Komödie
Lesermeinung
Was haben sie sich nur eingebrockt: Karin (Maren Kroymann, links), Gerhard (Heiner Lauterbach) und Philippa (Barbara Sukowa) stoßen mit ihren Patenenkeln an persönliche Grenzen.
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Nicht nur der hyperaktive Jannik (Julius Weckauf, links) hat auf der Hüpfburg Spaß: Auch Karin (Maren Kroymann), Gerhard (Heiner Lauterbach) und Philippa (Barbara Sukowa, rechts) genießen noch einmal die Kinder in sich.
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Philippa (Barbara Sukowa, links) holt ihre Leih-Enkelin  Leonie ab - Witze über die Dinkelbrezeln der Öko-Helikopter-Eltern (Tim Oliver Schultz, Paula Kalenberg) inklusive.
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Jannik (Julius Weckauf) hat Hummeln im Hintern und ist deshalb genau der richtige Leih-Enkel für die in beiger Langeweile lebende Karin.
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Karin (Maren Kroymann) kümmert sich nicht nur um ihren Patenenkel, sondern auch um dessen störrische Schwester Merle (Maya Lauterbach).
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Leonie darf bei Philippa (Barbara Sukowa, rechts) alles machen, sogar rülpsen und "schulzen".
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Viktor (Bruno Grüner) bekommt von Gerhard (Heiner Lauterbach) die Lektionen des Lebens beigebracht.
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Barbara Sukowa schert sich als Hippie-Oma Philippa so gar nicht um Konventionen, was ihrer extrem gut behütet aufwachsenden Leih-Enkelin Leonie ziemlich gut gefällt.
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Originaltitel
Enkel für Anfänger
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2020
Altersfreigabe
6+
Spielfilm, Komödie

Raus aus der beigen Hölle

Von Andreas Fischer

In "Enkel für Anfänger" versuchen sich drei Rentner als Aushilfs-Großeltern. Dabei arbeiten sie sich mit der Humorkeule an den Tücken des Alters, hyperaktiven Kindern und komischen Eltern ab.

Goldene Zeiten? Die sind vorbei, egal, was die Werbung mit all den hyperaktiven Greisen in engen Jeans und auf schnellen Motorrädern verspricht. Die Wirklichkeit für deutsche Durchschnittsrentner ist beige. Beige wie in langweilig. Dass sich immer noch rüstige Rentner in "Enkel für Anfänger" als Leih-Omas und Leih-Opas ein bisschen Abwechslung ins Haus holen wollen, ist durchaus nachvollziehbar. Nur: Eine Horde wilder Patenenkel sind eine heftige Nummer, wenn man entweder keine Kinder hat, keine Kinder mag oder mit den eigenen Kindern seit Jahren nicht mehr spricht. Der Film von Regisseur Wolfgang Groos ist nun in der Reihe "SommerKino im Ersten" als Free-TV-Premiere zu sehen.

Wenn Generationen aufeinandertreffen, die aus verschiedenen Welten zu stammen scheinen, wenn sich extrem gegensätzliche Charaktere aneinander abarbeiten, dass die (Wort-)Fetzen nur so fliegen, dann kann das ziemlich heiter werden. Und ja, beim Humor hat Drehbuchautor Robert Löhr nicht gespart. Zumindest in der ersten Hälfte des Films, in der alte und junge Menschen aufeinander losgelassen werden, die so gar nicht zueinanderpassen: ein hyperaktiver Junge auf eine besonnene Hausfrau, ein russischstämmiges Mobbingopfer auf einen Misanthropen, ein überbraves Öko-Elternkind auf eine Hippie-Anarchistin. Die Reibung, die dabei entsteht, bedient zwar jede Menge Stereotypen, gebiert aber euch einige köstliche Hinterfotzigkeiten.

Vor allem Heiner Lauterbach darf als schwuler Arzt dem Leben an sich und der Jugend im Besonderen herrlich feindselig gegenüberstehen, darf schimpfen, pöbeln prügeln und Vorurteile bedienen. Die großartige Barbara Sukowa hat nach all den starken, sehr ernsthaften Frauen aus Fassbinder- und von-Trotta-Filmen so richtig Lust, als Komödiantin die Sau rauszulassen.

Gelassenheit und ein offenes Ohr

Mit welcher Leichtigkeit sie den Regeln des Lebens die wilden Locken entgegenschleudert, ist umwerfend witzig, aber auch nie übertrieben. Allein wie sie ihre Vaginalkugeln im Kühlschrank anpreist, ist einfach köstlich. Auch Maren Kroymann als vom Beige des Alters gelangweilte Rentnerin und Günther Maria Halmer als ihr unsterblich in dieselbe Farbe verliebter Gatte geben ihre Figuren bei allem Witz nie der Lächerlichkeit preis.

Schade nur, dass die Inszenierung von Regisseur Wolfgang Groos schnell zerfasert und sich Konflikte allzu bereitwillig in Selbstgefallen auflösen, inklusive einer gefährlichen Liebschaft zwischen einer Paten-Oma und einem Kindsvater. Ganz davon abgesehen, dass Groos davon ausgeht, dass sich Kinder und ihre Paten-Großeltern, also wildfremde Menschen, auf Anhieb in unerschütterlicher Zuneigung ergeben sind, arbeitet er viel mit der frontalpädagogischen Humorkeule. Die war freilich noch nie unterhaltsam, geschweige denn lustig.

Seine starken Momente hat der Film immer dann, wenn er leise wird und nicht mehr um seine Klischees kreist, sondern genau beobachtet, wie das denn wirklich so ist mit dem Älterwerden. Dann zeigen Wolfgang Groos und Robert Löhr eine Gesellschaft, die Ruhe gebrauchen könnte und das auch weiß, aber die niemandem Ruhe gönnt. Auch nicht den Großeltern, die den Kindern das geben, was sie von ihren Eltern nicht bekommen: Gelassenheit und ein offenes Ohr.

"Enkel für Anfänger" – Mo. 04.07. – ARD: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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