Erzgebirgskrimi - Tödliche Abrechnung
13.08.2022 • 20:15 - 21:45 Uhr
Serie, Krimireihe
Lesermeinung
Vergrößern
Vergrößern
Vergrößern
Vergrößern
Originaltitel
Erzgebirgskrimi
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2022
Serie, Krimireihe

Eine genialer Wissenschaftler fällt vom Haken

Von Hans Czerny

Tief ins Forschermilieu der Uni Chemnitz und seiner Ableger treibt es im sechsten Erzgebirgskrimi die sächsischen Kommissare Robert Winkler und Karina Szabo. Wer hat den Kletterer, der da vom Haken fällt, so fein durchdacht ermordet?

Nicht weniger als 7,5 Millionen Zuschauer (25,6 Prozent Marktanteil) haben den Vorgänger "Verhängnisvolle Recherche" im Februar gesehen. Die Landschaft mit dem Krimi zu verbinden, ist immer noch in – im Erzgebirge nicht anders als am Bodensee oder am Bodden. Umso erstaunlicher, dass die "Erzgebirgskrimi"-Macher in der sechsten Episode, "Tödliche Abrechnung", auf Wald und Fels weitgehend verzichten. Stattdessen nehmen sie sich die tüchtige Chemnitzer Uni vor und feiern mit ihrem Mordkomplott endlich mal die dort tätigen Genies.

Ein genialer Textilentwickler, der zuletzt ein Patent für einen Handschuh anmelden wollte, der Störungen des peripheren Nervensystems ersetzen könnte, wird sehr kompliziert gemeuchelt. Just als Oberförster Bergelt (Andreas Schmidt-Schaller) seinen Praktikanten die Spuren der Luchse erklären will, fällt er an der Felswand vom Haken. In Wahrheit war er da schon tot. Wer hatte Interesse daran, den namhaften Forscher und Start-up-Gründer beiseitezuschaffen? Robert Winkler (Kai Scheve) und Karina Szabo (Lara Mandoki) nehmen die Ermittlungen auf.

Rückblenden-Orgien mindern die Spannung

Wer da folgen will, braucht Geduld. Nicht nur, weil sich die zwischen Hochschule und Start-up-Szene pendelnde Story als höchst kompliziert erweist. Sondern auch, weil allzu viele Rückblenden den Handlungsgang eher abbremsen als dass sie die wohl intendierten Thriller-Effekte erzielten. Wer hatte das Team des Jungforschers auseinanderdividiert? War es am Ende die zurückgestoßene Professorin Dr. Köhler (Sophie von Kessel), die nach dem Ausscheiden des genialen KI-Handschuhmachers aus ihrem Institut das eigene Renommee gefährdet sah? Oder war es der alteingesessene Textilindustrielle Lauber (Jörg Pose), der sich irgendwann um den Lohn seiner Teilhaberschaft betrogen sah? Oder die beiden Gefährten seit Unizeiten, die der geniale Tote kürzlich so rüde vor die Nase stieß?

Schade, dass der Erfinder des Nerven-Handschuhs nur in kurzen Rückblenden auf den Plan treten darf. Sein Part wäre mit Sicherheit der packendste gewesen. Im Nachhinein wird er jedenfalls als Frauen- und Menschenfischer bezeichnet. So aber zerfällt alles ins Kleinteilige: Wer zählt all die Verdächtigen, nennt die Namen? Zu allem Überfluss hat der Autor Rainer Jahreis auch noch die Parallelhandlung einer DDR-Fluchtgeschichte (Achtung Rückblenden!) ins Drehbuch geschrieben, bei der die sonst so Fall-getreue Försterin Saskia (Teresa Weißbach) einem eigenen Kindheitstrauma hinterherrecherchieren muss – mit stets entsetztem Vergangenheitsbewältigungsblick (Regie: Marcus Ulbricht)!

Der Heimatkrimi hat uns wieder

Den unglücklichsten Part von allen aber hat die Pathologin Dr. Kulikova (Masha Tokareva). Ihre Episodenrolle war offensichtlich mal als Feier ihrer russischen Abkunft gedacht, mit Anspielungen auf russische Trinkfreudigkeit und ihre eigene Geburt in der Besatzungszeit. Nach Putins Überfall auf die Ukraine wirken die Szenen nun leider verstaubt – mögen sie auch weit vor dem russischen Einmarsch gedreht worden sein.

Wie man hört, sind bereits die Folgen sieben und acht des Erfolgskrimis im Kasten. Es geht dann wieder um alte Bergwerksstollen und ums Schnitzerhandwerk im Erzgebirge. Im schönen Städtchen Schwarzenberg wurde aus Coronagründen eigens im Februar ein erzgebirgischer Wehnachtsmarkt nachgebaut, weil es die Handlung so verlangte. Keine Frage: Der Heimatkrimi hat uns wieder.

Erzgebirgskrimi – Tödliche Abrechnung – Sa. 13.08. – ZDF: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

Das beste aus dem magazin

privat
HALLO!

Vom Selbstfindungs-Trip zum eigenen Buch: Carina Kruse

Carina Amara Kruse ist 29, als ihr Leben zu einem Trümmerhaufen wird – Liebe weg, Job weg. Doch statt in Selbstmitleid zu versinken, reist sie allein nach Bali, Indien und Neuseeland. Aus ihrer Reise entsteht schließlich das Buch „The Journey“.
WDR Herby Sachs
Gesundheit

TOFI: Normalgewichtig, aber Adipositas

Gesundheit ist mehr als nur das Gewicht auf der Waage. Warum Menschen mit normalem BMI und Bauchfett ein höheres Risiko für Krankheiten haben können als leicht Übergewichtige mit aktiver Lebensweise.
Eine ältere Frau hält ein Wasserglas mit Schmerzen.
Gesundheit

Welt-Parkinson-Tag am 11. April

Am 11. April wird der Welt-Parkinson-Tag begangen, um auf die Erkrankung aufmerksam zu machen. Anlässlich des Tages sind zahlreiche Veranstaltungen geplant, darunter eine Online-Veranstaltung der Parkinson Stiftung.
Mathias Liebing mit verschränkten Armen.
HALLO!

Mathias Liebing: „Der Fußball gehört im Osten wieder zur regionalen Kultur“

Mathias Liebing hat nach seiner Biografie über Norbert Nachtweih nun das Buch „Plattgemacht“ über die Entwicklung des Fußballs in Ost-Deutschland nach der Wende geschrieben. Im Gespräch mit prisma gibt er interessante Einblicke in die ostdeutsche Fußballseele.
Eine Grafik zum Weltgesundheitstag.
Gesundheit

Die Gesundheit im Blick

Der Weltgesundheitstag wird jährlich am 7. April gefeiert und erinnert an die Gründung der WHO 1948. Das diesjährige Thema lautet: "Gemeinsam für die Gesundheit. An der Seite der Wissenschaft". Deutschland begeht diesen Tag seit 1954 mit angepassten Schwerpunkten.
Dr. med. Ramtin Knuschke in einem weißen Kittel.
Gesundheit

Bluthochdruck: Was hilft, wenn Tabletten nicht mehr reichen?

Bluthochdruck bleibt oft trotz Medikamenten ein Problem. Die Nierennervenablation kann neuen Halt bieten, indem sie gezielt Nervenfasern in der Nierenarterie verödet.