Durch eine Verwechslung bei der künstlichen Befruchtung ist Lola mit ihrem eigenen Enkel schwanger. Gibt's nicht? Bei SAT.1 natürlich doch.

Eigentlich sollte es nur etwas piksen, wenn ein Kaktus versehentlich einen Babybauch berührt. Doch als ebendies während einer Familienfeier passiert, entweicht kurz darauf sichtbar und hörbar die Luft aus Maries (Jennifer Ulrich) Schwangerschaftsbauch. "Was hat das zu bedeuten?", fragt ihre Schwiegermutter entgeistert, und der Zuschauer darf beobachten, wie nach und nach alle Lügen auffliegen. Er weiß schon lange, dass Marie in der SAT.1-Komödie "Es bleibt in der Familie" die Schwangerschaft nur vorgetäuscht hat. Nun kommt sie in Erklärungsnot: Wie vermittelt man der Familie am besten, dass "versehentlich" die eigene Mutter das lang ersehnte Baby austrägt, obwohl die Leihmutterschaft weder gewollt war noch legal ist?

Lola (Andrea Sawatzki) und ihre Tochter Marie haben schon seit Jahren kaum Kontakt und wussten daher auch nicht, dass sie den gleichen Gynäkologen besuchen. Zwangsweise treffen sie sich nach der falschen künstlichen Befruchtung wieder, denn plötzlich ist Lola (Andrea Sawatzki) mit Ende 40 schwanger mit ihrem eigenen Enkel. Man einigt sich darauf, dass Lola nach Stuttgart zu Marie und ihrem Mann zieht und das Baby heimlich austrägt. Es folgt ein amüsantes Versteckspiel, in dessen Verlauf Marie krampfhaft versucht, ihre perfekte pastellfarbene Welt aufrechtzuerhalten. Nicht nur der Kaktus ist am Ende für einen Rückschlag verantwortlich ...

Um die Gegensätze von Mutter und Tochter hervorzuheben, hat sich Regisseur Florian Knittel doch einiger Klischees bedient. Die Rockröhre Lola, die momentan in ihrem Auto wohnt, trifft auf die Kleinstadtidylle und darin auf ihre Tochter mit akkuratem Mittelscheitel. Der Mutter-Tochter-Konflikt brodelt zwar an der Oberfläche, doch darunter öffnet sich ein weit ernsteres Thema. Marie fühlt sich scheinbar nicht als ganze Frau und auch nicht als Familie, solange sie keine Kinder hat. Freunde und Familie unterstützen – wenn auch nicht absichtlich – diese Denkweise. Über unerfüllte Kinderwünsche wird auch in unserer scheinbar so aufgeschlossenen Gesellschaft meist nicht offen gesprochen. Vor allem Jennifer Ulrich als Marie zeigt, wie sie an dem Wunsch nach einem Kind langsam kaputtgeht.

Wer sich von diesem Dienstags-TV-Movie eine ausführliche Debatte über Leihmutterschaft erhofft, wartet jedoch vergeblich. Die Komödie gibt lediglich einen Denkanstoß. Besonders Andrea Sawatzki scheint sich in ihrer rockigen Rolle wohlzufühlen, und mit Marc Ben Puch ist sogar die Nebenrolle des Nachbarn Alexis hochkarätig besetzt.


Quelle: teleschau – der Mediendienst