Ein bärtiger Axel Prahl herzt sich im ZDF als Aushilfslehrer der "Extraklasse" durch eine klischeehafte, doch ehrbar empathische Wohlfühlkomödie zum Thema Integration.

Im Kino lässt der große Wohlfühlkomödien-Hype der letzten Jahre allmählich nach. Das ZDF legt währenddessen damit erst richtig los: Mit einem prominenten Gesicht als Hauptdarsteller, gesellschaftlicher Integration von Randgruppen als Thema und dem in Deutschland von "Die Lümmel von der ersten Bank" bis "Fack Ju Göhte" dauerbeliebten Schulsetting stürzt sich das Zweite ins komödiantische Vergnügen. Wobei: "Extraklasse", entstanden unter Regie von Matthias Tiefenbacher, funktioniert vor allem als moralisches Lehrstück. Mit "Tatort"-Star und Tragikomödien-Spezialist Axel Prahl fand das Zweite den dafür passenden Publikumsliebling. Als frisch umgelernter Lehrer, der in eine von Problemschülern überquillende Klasse versetzt wird, liefert der 58-Jährige eine klischeehafte, aber im Herzen empathische Wohlfühlkomödie.

Anarchischer Schulhumor war gestern. Beziehungsweise nur im Kino. Der öffentlich-rechtliche Auftrag sieht anders aus: Aufklärung, Integration, Toleranz. Gerade in diesen politisch unruhigen Zeiten wichtige und ehrbare Aufgaben für den Rundfunk. Das spiegelt auch das Drehbuch von Matthias Tiefenbacher, basierend auf einer Vorlage von Gernot Gricksch, dessen Roman "Das Leben ist nichts für Feiglinge" ebenfalls verfilmt wurde. Wie so oft geht es um Scheitern und Aufstehen, um Versagensangst und Mut zum Leben.

Gescheitert ist jedenfalls Hauptfigur Ralph, einst angesehener Redakteur, einst verheiratet, einst in einer hübschen Wohnung lebend. Einst. Von einem bärtigen, bebrillten Axel Prahl bemitleidenswert verkörpert, hat er alles verloren. Ohne Arbeit und geschieden, lebt Ralph inzwischen als Untermieter bei seinem Ex-Praktikanten und dessen Großmutter. Die prekäre Situation wird ihm just an seinem 50. Geburtstag bewusst, den er mit den Freunden Karin (muss dabei sein: Katharina Thalbach) und Roman (Max Hegewald) feiert und abends allein in der Kneipe ausklingen lässt.

Die Motivation, sie kommt von außen: Das Arbeitsamt brummt ihm Aushilfsstunden als Lehrer in einer Abendschule auf. Immerhin hat Ralph mal Lehramt studiert, wie er seiner Sachbearbeiterin verrät. "Alle haben auf Lehramt studiert, damals!", entgegnet die zynisch – ein Running Gag des Films, der zwischen harmlosem ZDF-Humor und so manch tieferwühlendem Witz changiert. Und vor Klischees trieft: Ralphs Klasse entpuppt sich als feuchter Traum von Integrations- und Inklusionsexperten. Vom schwarzen Flüchtling und alten Gastarbeiter über den jungen Menschen mit Trisomie 21 bis zur Unterschichts-Teenagerin und dem aufmüpfigen Ghetto-Jugendlichen: Kunterbunter könnte sich die Klasse nicht zusammensetzen.

Das führt vorhersehbarerweise ebenso zu Konflikten wie Ralphs Probleme mit der strengen Schulleiterin Dörte Wiedebusch (Aglaia Szyszkowitz) und die neue Beziehung von Ralphs Ex-Frau Laila (Inka Friedrich) zu einem wohlhabenden Mann. Doch "Extraklasse" wäre keine nette ZDF-Wohlfühlkomödie, wenn sich nicht alles zum Besseren wenden würde: Mit Dörte hat er dann doch mehr gemeinsam als erwartet, seine Ex umgibt sich auch nur mit oberflächlichem Unsinn – und die Schüler sind lernwillig und helfen einander; natürlich, weil sie allesamt Außenseiter sind.

So wird der junge Schwarze Bob (Tony Harrisson Mpoudja) von seiner herrischen Frau gezwungen, die Schule zu verlassen – doch Klischee-Hartz-IV-Teenie Crystal (Mercedes Müller) kann ihn davon abhalten. Irgendwann löst die inzwischen zu untrennbaren Freunden verschmolzene Klasse gemeinsam mit ihrem bisher vom Pech verfolgten Lehrer nacheinander gemeinsam fast alle Probleme – auch jene von Ralph. Wir könnten unterschiedlicher nicht sein – doch gerade deshalb stehen wir solidarisch zusammen: So lautet die sehr moralische, doch wahre Botschaft von "Extraklasse".


Quelle: teleschau – der Mediendienst