Helen Dorn - Kleine Freiheit
24.10.2020 • 20:15 - 21:45 Uhr
Serie, Krimireihe
Lesermeinung
Helen Dorn (Anna Loos)
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Helen Dorn (Anna Loos)
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Mike Claussen (Horst Günter Marx) sieht nach den Geschäften.
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Helen Dorn (Anna Loos, r.) informiert Lola/Luis (Sebastian Schneider, l.) und Marlene (Jessica Kosmalla, M.) über Ron Fabers Tod.
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Originaltitel
Helen Dorn
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2020
Altersfreigabe
12+
Serie, Krimireihe

Ein Neuanfang an der Waterkant

Von Wilfried Geldner

Die Düsseldorfer LKA-Kommissarin Helen Dorn (Anna Loos) zieht es mit ihrem 13. Fall seit 2014 nach Hamburg. Ein Täter, hinter dem sie lange vergeblich her war, ist wieder aufgetaucht. Damals hatte er wohl einen achtjährigen Jungen umgebracht, nun liegt er in einem Hamburger Krankenhaus.

Sie habe ja schon immer grenzüberschreitend ermittelt, lässt die zuständige ZDF-Redaktion wissen. Warum also nicht auch mal Hamburg? Doch Hamburg scheint in Wirklichkeit die neue Liebe der Samstagskommissarin Helen Dorn alias Anna Loos zu sein. Der Umzug ist spektakulär, neue Filme am neuen Schauplatz sind bereits abgedreht, und der Neustart hat alles, was ein guter Trivialkrimi so braucht: starke Hamburger Hafenkulissen, ein griffiges Personal (teils aus Düsseldorf importiert) und eine wahrhaft internationale Szenerie, die gleich mal bis zur Hongkong-Mafia reicht. Der Griff in die Rumpelkammer des gespenstisch Gefährlichen wird in der ersten Hamburg-Folge, "Kleine Freiheit", vom Autor Mathias Schnelting nicht gescheut, Es gibt Weisheitssprüche von Laotse bis Camus und in der Regie von Marcus 0. Rosenmüller ganz viel Hamburger Atmosphäre – nicht nur, wenn die Drohne durch die Rotlicht-Sraße fliegt.

Mann ohne Gedächtnis

Dass die Geschichte vor Unwahrscheinlichkeiten strotzt, sei gleich mal gesagt – dann hat man's hinter sich. Anna Loos als LKA-Kommissarin Helen Dorn tut das jedoch durchaus gut. Immer ist sie schon zur Stelle, wenn es das Drehbuch will, immer findet sich ein Helferlein, das nützliche Hinweise gibt. Dass das zum Teil sogar vom längst verlassenen Düsseldorf aus geschieht, ist ein geschickter Coup. Geschenkt, dass beispielsweise aus der Telefonverbindung des bauchigen Spurensicherers vom Rhein (Tristan Seith) und der Pathologin an der Elbe (Nagmeh Alaei) Liebe auf den ersten Blick entsteht. Schon die Stimmen am Telefon klangen so schön, der erste "Kontakt", bei dem sich der Düsseldorfer schüchtern auf die Toilette verdrückt, ist phänomenal.

Gelungen in seiner ganzen Verrücktheit ist auch Helen Dorns Zweikampf mit der eigentlich zuständigen LKA-Frau in Hamburg. Helen Dorn nimmt der Kollegin namens Tempel (Franziska Hartmann) einfach die Butter vom Brot, hält allen ihren Düsseldorfer Ausweis unter die Nase, schnüffelt im Krankenhaus, wo der vermeintliche Täter nach dem Unfall weilt. Faber heißt er übrigens, wie der Vorabend-"Fahnder" seligen Angedenkens – vielleicht ein Kotau vor einfachen, unterhaltsamen Krimistoffen. Und, auch das, ein ganz schlechter Kerl kann der Mensch, der ein Kindermörder sein soll und im Krankenhaus den Mann ohne Gedächtnis mimt, bei diesem Namensgeber dann ja wohl doch nicht sein ...

Wer Anna Loos singen sehen will, muss zuvor Blutiges ertragen

Ein Kinderschänder ist er womöglich einst gewesen, ein Handlanger für chinesische Menschen- und Edelholzhändler ist er jetzt. Jedenfalls hatte er einen toten Jungen im Laderaum, als er auf der Elbbrücke ins Geländer rauschte. Rätselhaft gebaren sich währenddessen die asiatischen Arbeiter in den Containerschuppen des Hafens. Gift ist im Spiel, Schutzanzüge fehlen. Dass es dann doch nur um Ungeziefer gegen Holzwürmer geht, lässt die an sich starke Story schwächeln.

Wer Anna Loos am Ende singen sehen will, muss erst noch Blutiges ertragen – und eben auch eine Kommissarin, die so viel trinkt, dass man sie im Keller der Bar namens "Kleine Freiheit" entsorgen muss. In dieser Bar singt immer sehr melancholisch ein Transvestit (Sebastian Schneider) von unerfüllter Liebe, und die Bardame (Jessica Kosmalla) erzählt vom Mann, der sie verließ, weil der Möchtegern-Existenzialist in ihr doch immer nur eine sah wie Jeanne Moreau. Dabei sieht sie der späteren Moreau auch wirklich ähnlich. Der singende Transvestit aber sagt zu Helen Dorn: "Du bist schön!" und sie zu ihm: "Du bist auch schön!" – Was für ein Willkommensgruß in Hamburg – und in dieser unübertrefflichen Schlichtheit sicher einer der schönsten Dialoge der Reihe überhaupt.

Helen Dorn – Kleine Freiheit – Sa. 24.10. – ZDF: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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