Erneut brilliert Andrea Sawatzki in einer chaotischen, hochkarätig besetzten Familienkomödie, die auf einem ihrer eigenen Bucherfolge basiert.

Albtraum Großfamilie: Eben noch standen Gundula (Andrea Sawatzki) und Gerald Bundschuh (Axel Milberg) noch mit ihrem vielköpfigen, latent verzankten Berliner Clan am offenen Grab des verstorbenen Großvaters. Das kleine Vorstadthäuschen ist bis unter das Dach mit mehr oder weniger lästiger Verwandtschaft belegt. Schon droht sich der nächste Familiengroßauflauf an. Sohnemann Rolfi (Oskar Bökelmann), der eigentlich im fernen Los Angeles studieren sollte, hat sich überraschend zurückgemeldet. Er bringt frohe Botschaft zur Trauergesellschaft: Er steht kurz vor seiner Hochzeit mit seiner US-Verlobten Candy (Ludie Diekumpovisa). Von deren Existenz – und näheren Lebensumstände – wusste bislang noch niemand etwas. Also wird gleich weitergefeiert – getreu der Devise "Ihr seid alle eingeladen". Das Chaos nimmt in der charmanten ZDF-Komödie seinen Lauf.

Dreh- und Angelpunkt des Geschehens auf dem Bildschirm ist das sommersprossige Gesicht von Hauptdarstellerin Andrea Swatzki, die wie kaum eine Zweite schier naiv wirkende Freude in Frust, Überforderung, Enttäuschung und wieder zurück zur Heiterkeit des Großen Mädchens in Sekundenbruchteilen mimisch übergehen lassen kann. Tatsächlich ist es nicht nur ihre stets kurz vor dem Stress-Burnout stehende Gundula, die den Film trägt. Andrea Sawatzki, vormals berühmt geworden unter anderem als "Tatort"-Ermittlerin in Frankfurt, hat sich für ihre Rolle noch viel tiefer eingearbeitet – ja sich in sie eingelebt: Von ihr stammt die Buch-Vorlage, die sie nach "Tief durchatmen, die Familie kommt" und "Von Erholung war nie die Rede" erneut als temporeiche Familienkomödie im ZDF umsetzen ließ.

Ihre herausragende Stärke als Autorin: der wirklich sehr feinsinnige, immer leicht boshafte, aber nie verletzende Blick für die Schwächen und Schrulligkeiten der anderen – in diesem Fall ihrer TV-Verwandtschaft. So giften sich die beiden Großmütter des Films (stark gespielt von Thekla Carola Wied und Judy Winter) ständig an. Und der biedere Finanzbeamten-Familienvater (Milberg) nimmt seine geliebten Abrechnungen sogar mit ins Ehebett und brütet dort über den Chancen, Opas Sarg steuerlich absetzen zu können. Der umjubelte Schlager-DJ, der Gerald zu sein glaubt, ist er natürlich nicht.

Die Geschichte, die der neue ZDF-Montagsfilm, der fast ohne Längen auskommt, erzählt, wirkt dagegen wie aus der Klischee-Trickkiste gegriffen: Rolfi präsentiert den bass erstaunten Verwandten einen afroamerikanischen Familienzuwachs, mit dem es nicht nur sprachliche Verständigungsschwierigkeiten gibt. Zu allem Überfluss ist die ungewöhnlich süße Candy auch noch hoch schwanger. Aber wie gesagt: Jedes Chaos lässt sich irgendwie verwalten. Und in der Familie bliebt das Durcheinander auch noch. Was sowieso immer hilft bei solchen schweren Fällen: Alkohol!


Quelle: teleschau – der Mediendienst