Im Maschinenraum der Macht
12.05.2026 • 20:15 - 21:00 Uhr
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Originaltitel
Im Maschinenraum der Macht - Ein Jahr schwarz-rote Regierung
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2026
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Ist die "letzte Patrone der Demokratie" ein Irrläufer?

Von Eric Leimann

CSU-Chef Markus Söder sprach von der aktuellen Bundesregierung als "letzte Patrone der Demokratie". Für den Film "Im Maschinenraum der Macht" haben Bernd Benthin und Lars Seefeldt die schwarz-rote Koalition ein Jahr hautnah begleitet. Prominente Politiker ließen die Kameras ungewöhnlich nahe an sich heran.

Es ist für Politiker im Amt und mit aktueller Verantwortung gewiss nicht leicht, sich für eine Doku mit der Kamera begleiten zu lassen. Aber auch für die Filmemacher ist ein solcher Beitrag eine besondere Herausforderung. Wann wird hier ehrlich gesprochen? Und wann hört man lediglich taktische Worthülsen, geformt von Koalitionstaktik und Parteitreue? Wie viel Nähe, wie viel Authentizität ist überhaupt möglich? Für den Film "Im Maschinenraum der Macht" von Bernd Benthin und Lars Seefeldt ließen sich Spitzenpolitiker wie Vizekanzler und Finanzminister Lars Klingbeil, Innenminister Alexander Dobrindt, der Vorsitzende der Unionsfraktion Jens Spahn, Entwicklungsministerin Reem Alabali-Radovan sowie die Generalsekretäre Carsten Linnemann (CDU) und Tim Klüssendorf (SPD) ein Jahr lang von der Kamera begleiten.

Im Mai 2025 unterzeichnen CDU, CSU und SPD ihren Koalitionsvertrag. CSU-Chef Markus Söder sprach damals von der "letzten Patrone der Demokratie". Wie mittlerweile bekannt, wird die Arbeit der Koalition nach zwölf gemeinsamen Monaten kritisch bis sehr kritisch gesehen. Doch ist dieses Urteil in enorm schwierigen Zeiten gerecht? In der beobachtenden Doku geht es jedoch weniger um diese Frage, sondern um das Innenleben des bundespolitischen Führungszirkels 2025/26. Wie funktioniert Politik in unseren Zeiten? Der 45 Minuten lange Film ist ab 10 Uhr am Ausstrahlungtag, 12. Mai, auch in der ZDF-Mediathek zu sehen.

Mit großen Erwartungen startet die schwarz-rote Bundesregierung im Mai 2025 in ihre Amtszeit – doch der versprochene Aufbruch steht von Beginn an unter Druck. Ein Jahr später zieht die Dokumentation eine Zwischenbilanz: Welche Ziele konnte die Koalition umsetzen? Wo ringt sie um ihren politischen Kurs? Und gelingt es der selbsternannten "Arbeitskoalition", ihre Versprechen einzuhalten – oder bestimmen interne Konflikte das Regierungsgeschehen?

Spitzenpolitiker beim Joggen und Fußballspielen

Die beiden Autoren arbeiteten während ihres Dokujahres als Videojournalisten, drehten also selbst. "Damit waren wir sehr unauffällig unterwegs", sagt Bernd Benthin. "So kommen wir den Politikerinnen und Politikern – unserer Wahrnehmung nach – ungewöhnlich nahe. Unser Anspruch ist, die Momente jenseits der Inszenierung zu zeigen – also den Blick hinter die Kulissen. Das schließt auch Momente ein, bei denen normalerweise keine Kamera dabei ist."

Darunter sind Szenen wie die Vorbereitung eines Migrationsgipfels, eine Besprechung der Unions-Fraktionsspitze, eine Zugfahrt der Entwicklungsministerin nach Kiew und auch ungewöhnliche Situationen wie zum Beispiel beim Joggen oder Fußballspielen. Allerdings: Das Privatleben der Protagonistinnen und Protagonisten bleibt außen vor, so die Abmachung zwischen Filmemachern und den begleiteten Politikern.

Neben den Reportage-Begleitungen gibt es im Film auch "gesetzte Interviews", bei denen die Protagonisten das Geschehen reflektieren. Filmemacher Bernd Benthin erinnert diese als äußerst positiv: "Wir waren erstaunt über die Offenheit in vielen Punkten und fanden, dass sie bestimmte Momente dieses ersten Regierungsjahres nochmals in einen neuen Kontext bringt."

Die Offenbarung politischer und persönlicher Grenzen

Der Koalitionsvertrag sollte den Aufbruch markieren – getragen von Reformwillen, Entschlossenheit und dem Anspruch, Deutschland stabil durch eine Zeit anhaltender Krisen zu führen. Doch bereits der Beginn ist schwierig: Mit Friedrich Merz als neuem Bundeskanzler startet eine Koalition, die auf historisch niedrige Zustimmung trifft – und zugleich den Anspruch erhebt, historische Aufgaben zu lösen.

Das erste Jahr liefert reichlich Konfliktstoff: eine erbitterte Debatte um die Zukunft der Rente, Streit um die Besetzung eines Postens am Bundesverfassungsgericht, richtungsweisende Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sowie wachsende internationale Spannungen – verschärft durch die Politik des US-Präsidenten Donald Trump.

Die Dokumentation begleitet zentrale Regierungsfiguren über Monate hinweg. Sie zeigt, wie Kompromisse entstehen, wo politische und persönliche Grenzen offenbar werden und wie der Alltag zwischen Sitzungswochen, Krisentreffen, Parteitagen und Bürgergesprächen aussieht. So entsteht ein unmittelbarer Blick auf das politische Handwerk in Zeiten permanenter Beobachtung – und auf den schwierigen Spagat zwischen Regierungsverantwortung und Parteidisziplin.

Im Maschinenraum der Macht – Di. 12.05. – ZDF: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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