Wiederholung eines Krimi-Juwels: Melika Foroutan als kratzbürstigste, einsamste Kommissarin im deutschen Fernsehen. In ihrem zweiten Fall jagt sie als "Kommissarin Louise Bonì" einen Frauenschänder und Kindermörder.

Eine Aachener Studentin ist verschwunden. Der vermeintlich harmlose Fall wird der gerade aus der Alkohol-Entzugsklinik zurückgekehrten Kommissarin Louise Bonì (großartig: Melika Foroutan) übertragen. Dann jedoch wird es kompliziert. Die attraktive junge Frau wurde offenbar in eine Scheune im Wald verschleppt und dort misshandelt. Von ihr fehlt weiterhin jede Spur. Gut möglich aber, dass ein Junge, der den Täter beobachtet hatte, entdeckt und getötet wurde. Zwei Kriminalfilme mit Louise Bonì nach den Romanen von Oliver Bottini hat das Erste bislang produziert. Sie liefen 2015 und 2016. Offenbar ist keine Fortsetzungen geplant, was schade ist. Nicht nur wegen ihrer herausragend gespielten Hauptfigur ist die Minireihe ein großer Wurf.

Louise Bonì, eine eben erst trockengelegte, immer wieder rückfallgefährdete Ex-Alkoholikern, ist eine sperrige, misstrauische und verletzte Persönlichkeit. Sie keift ihre Kollegen an, fährt die Krallen aus, setzt sich über alle Regeln der Polizeiarbeit hinweg, holt sich einen jungen Lover ins Bett – einfach nur, weil sie es braucht. Und all das ist gut so.

Die ARD wiederholt am späten Samstagabend den zweiten Bonì-Fall, basierend auf den Büchern von Erfolgsautor Oliver Bottini, dessen Geschichten in der Grenzstadt Aachen spielen. "Kommissarin Louise Bonì – Jäger in der Nacht" (Buch: Hannah Hollinger, "Über Barbarossaplatz") ist ein dunkles, gewalttätiges, beunruhigendes Stück. Regisseurin Brigitte Maria Bertele hat mit dem Film ein kleines Krimi-Meisterwerk erschaffen – angenehm weit entfernt von der üblichen TV-Ermittlungsroutine.

Mit seiner Drastik und der anspruchsvollen Handlungsführung, deren verschlungene Stränge erst einmal zu entwirren sind, muss der Film auf ein anspruchsvolles Publikum hoffen, das diese Normabweichungen honoriert. Offenbar fand man es nicht ausreichend bei der Erstausstrahlung, weswegen man schon lange nichts mehr von der sinnlich-selbstzerstörerischen Kommissarin gehört hat.


Quelle: teleschau – der Mediendienst