Morden im Norden - Weil du böse bist
05.01.2026 • 20:15 - 21:45 Uhr
Fernsehfilm, Kriminalfilm
Lesermeinung

Weil du böse bist - Zweiter Spielfilm für Vorabend-Serie „Morden im Norden“
Die Vorabend-Serie „Morden im Norden“ bekommt ihren zweiten Hauptabendfilm: Noch bis zum 11. Juli entsteht in Lübeck, Hamburg und Umgebung das 90-minütige Krimidrama „Weil du bös
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NORDDEUTSCHER RUNDFUNK
Morden im Norden - Weil du böse bist
Das Cover zum Spielfilm "Morden im Norden - Weil du böse bist".
© ARD/NDR/Thorsten Jander/Montage: Martin Zwanzger, honorarfrei - Verwendung gemäß der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zu
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Können Gregor (Jonas Minthe, r.) und Lars (Ingo Naujoks) Patrick Holthusens Vertrauen gewinnen?
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Lars (Ingo Naujoks) versucht eindringlich, Patrick Holthusen von einer folgenschweren Tat abzuhalten.
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Originaltitel
Morden im Norden - Weil du böse bist
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2025
Fernsehfilm, Kriminalfilm

Wenn Mörder freigesprochen werden: Der Lübeck-Krimi fragt zur Primetime, was Gerechtigkeit ist

Von Maximilian Haase

Aus dem Vorabend in die Primetime: Die ARD-Krimireihe "Morden im Norden" ist zum Jahresauftakt in Spielfilmlänge im Hauptabendprogramm zu sehen. Der neue Fall "Weil du böse bist" dreht sich um einen komplizierten Mord, eine dramatische Familienfehde – und um die Grenzen der Justiz.

"Morden im Norden" gehört zu den beliebtesten Vorabend-Krimis im deutschen TV, das zeigten auch die abermals guten Quoten (durchschnittlich 16 Prozent) der letzten Staffel. Nun, da der zwölfte Durchgang der ARD-Reihe gestartet ist, gibt es zum Jahresbeginn ein besonderes Schmankerl: Die zweite Episode unter dem Titel "Weil du böse bist" wird zur Primetime gezeigt, und das in voller Spielfilmlänge. Damit rücken die Lübecker Ermittler nach der gefeierten Folge "Am Abgrund" (2024) abermals aus dem Vor- in den Hauptabend. Und widmen sich dort großen Themen: Nach dem Freispruch in einem Mordfall entfaltet sich ein Drama um zwei Familien und die Frage nach echter Gerechtigkeit.

Der Krimi unter Regie von "Morden im Norden"-Veteranin Tanja Roitzheim beginnt mit dem mutmaßlichen Tod einer jungen Frau, die kurz zuvor noch mit ihrem Freund gestritten hatte. Literweise wird das Blut von Anja Liebke (Valerie Stoll) auf dem Familienboot entdeckt, nur ihre Leiche bleibt spurlos verschwunden. Für das Ermittlerteam um Finn Kiesewetter (Sven Martinek) und Lars Englen (Ingo Naujoks) spricht trotzdem vieles dafür, dass Patrick Holthusen (Valentino Dalle Mura) seine Partnerin ermordet hat. Ein im Meer gefundenes, blutiges Messer mit seinen Initialen und weitere Hinweise reichen im Indizienprozess allerdings nicht aus. Weil seine Halbschwester Kristina (Elsa Langnäse) ihm ein Alibi verschafft, wird der Angeklagte überraschend freigesprochen. Und der Krimi zum mitreißenden Gerechtigkeits- und Familiendrama (Drehbuch: Mike Bäuml).

"Das Gesetz schützt alle, auch die vermeintlich Falschen"

Ein langer Zeitsprung in der Handlung, und die Überreste der Toten werden am Strand gefunden – inklusive Spitze der Tatwaffe. Alles deutet laut Rechtsmediziner Dr. Strahl (Christoph Tomanek) auf den längst Freigesprochenen hin. Doch der Fall, hier gibt sich der Krimi lehrreich, darf wohl nicht wieder aufgerollt werden. "Man kann in Deutschland nicht zweimal für dieselbe Sache angeklagt werden", erklärt der frustrierte Kommissar Kiesewetter den verstörten Eltern (Caroline Eichhorn und Thomas Sarbacher), zu denen er ein enges Verhältnis aufgebaut hat. Ausnahmen gebe es bei geständigen Tätern oder Verfahrensfehlern. "Es geht dabei um den Rechtsfrieden", begründet er, natürlich auch an die Zuschauer gerichtet. "Und welchen Frieden gibt's für uns?", entgegnet der Vater. "Trauer, Klagen, Wehklagen, Anklagen sind bloß hilflose Versuche zu überleben", versucht Sarbacher die Verzweiflung seiner Figur zu fassen: "Zum Irrsinn ist es nicht weit."

"Ne bis in idem", lautet der Grundsatz, dessen Konsequenzen hier vielschichtig beleuchtet werden. Wo gerät das Rechtssystem an seine Grenzen? Wie geht man mit der offensichtlichen Schieflage zwischen Rechtssprechung und Strafbedürfnis um? "Wir alle haben ein starkes Gerechtigkeitsempfinden", weiß Sven Martinek. "Nur stimmt das manchmal nicht mit dem Richterspruch überein. Dann urteilen wir emotional. Aber mit Emotionalität kannst du kein Recht sprechen. Das Gesetz schützt alle, auch die vermeintlich Falschen."

Während Ermittler Englen nichts übereilen will und auch die Kollegen Michalski (Jonas Minthe) und Weiss (Julia E. Lenska) emotional herausgefordert sind, nimmt das unterhaltsame wie bedrückende Drama schließlich vollends Fahrt auf: Die Entlastungszeugin wird entführt und braucht dringend Insulin ...

Auch die Täterfamilie leidet

Neben dem rechtlichen Umgang mit einem möglichen Fehlurteil zeigt der Krimi auch die sich zuspitzenden Fehde zwischen den Familien des Opfers und Verdächtigen. Es wird gedroht, geprügelt und provoziert; es geht, bisweilen schablonenhaft, doch durchaus bewegend, um Wut und Sühnebedürfnis. Will etwa Emil Liebke (Adrian Grünewald) seine tote Schwester rächen?

Doch auch die Täterfamilie leidet in dem differenzierenden Krimi: Es wird in roter Farbe "Mörder" ans Haus gesprüht, der Hund vergiftet und der Freigesprochene auf der Straße angepöbelt. "Trotz des Freispruchs bleibt die Frage: Ist ihr Sohn schuldig oder nicht schuldig? Dieser Schatten wird für immer über der Familie liegen. Die Leute haben ihr Urteil gefällt", kommentiert Martinek. Wärhend Stiefvater (Thomas Lawinky) ohnehin von der Schuld überzeugt ("Das ist tief in dir drin") ist, zweifelt bald sogar die Mutter (Katarina Gaub).

"Gut, dass wir uns getraut haben"

Als Zuschauer wähnt man sich derweil lange auf der richtigen Seite. Es ist eine der großen Stärken dieses Films, diese Gewissheiten schrittweise infrage zu stellen. Der Perspektivenfokus verschiebt sich klug: "Ich wollte sichtbar machen, wie unterschiedlich die Protagonisten mit Schuld, Vorverurteilung, Schmerz und Trauer umgehen und welche Auswirkungen das auf ihre Beziehungen hat", so Regisseurin Roitzheim.

Gelungen ist ihr das dank starker Inszenierung und überzeugender Darsteller durchaus. Die zweite "Morden im Norden"-Episode in Spielfilmlänge besitzt alle Zutaten, um den großen Erfolg des Vorgängers zu wiederholen. "Gut, dass wir uns getraut haben", blickt Hauptdarsteller Ingo Naujoks zurück: "Das Ding ist eingeschlagen wie eine Bombe, was aber nicht bedeutet, dass wir uns darauf ausruhen können."

Nicht zuletzt verrät der Hauptdarsteller, dass ihn das Polizistendasein aktuell über die Fiktion hinaus beschäftige. "Denn meine Tochter strebt eine Karriere als Kriminalkommissarin an." Ein Schritt den er "gern verhindert" hätte: "Das muss ich zugeben, weil ich mir im Herzen die Frage stelle: Was macht der Job mit meiner Tochter in zehn bis fünfzehn Jahren?". Doch sie habe "bereits alle Prüfungen bestanden" – und der Prüfer sie auch auf die Verwandtschaft angesprochen: "Ach, das ist ihr Papa. Dann sagen Sie ihrem Vater mal, es heißt nicht Handschellen, sondern Handfesseln."

Morden im Norden – Weil du böse bist – Mo. 05.01. – ARD: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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