München Mord - Damit ihr nachts ruhig schlafen könnt
18.02.2023 • 20:15 - 21:45 Uhr
Serie, Krimireihe
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Originaltitel
München Mord
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2023
Altersfreigabe
12+
Serie, Krimireihe

Entführt von Doktor Schiwago

Von Rupert Sommer

"München Mord" – Im neuen Fall des kauzigen Keller-Ermittlertrios Schaller/Flierl/Neuhauser löst ein undurchsichtiger Entführer auch (Gefühls-)Verwirrung aus.

In einer Krimi-Reihe, die auf liebenswerte Art aus der Zeit gefallen scheint, dürfen auch eindeutig aus der Mode gekommene Männerstolz-Merkmale wie ein besonders buschiger, rabenschwarzer Schnauzbart eine zentrale Rolle spielen. Im neuen "München Mord"-Fall "Damit ihr nachts ruhig schlafen könnt" (Regie: Jan Fehse) gerät die ohnehin latent anlehnungsbedürftige Kriminaloberkommissarin Angelika Flierl (Bernadette Heerwagen) in einen Zwiespalt, der sich dienstrechtlich wie psychologisch nicht so leicht lösen lässt. Sie entwickelt Zuneigung zu einem Mann, der allem Anschein nach ein Verbrecher ist.

Tatsächlich ist der Auslöser für die neuen Verwicklungen wieder einmal eine "Aktenleiche", also ein Fall, der nach längerem Weg durch die Instanzen im muffigen Keller des Münchner Polizeipräsidiums gelandet ist, wo sich auch das von den Kollegen "oben" belächelte Trio rund um den – vorsichtig gesprochen – meist eher unkonventionell ermittelnden Kriminalhauptkommissar Ludwig Schaller (Alexander Held) eingerichtet hat. Es geht eigentlich um einen Vermisstenfall, dessen Akte geschlossen werden soll: Ein als verschwunden gemeldeter Jugendlicher hat nun rechnerisch die Volljährigkeit erreicht, sodass die Polizei seiner Mutter mitteilen muss, dass die Suche nach ihm eingestellt wird. Doch genau in dem Moment, in dem diese Botschaft überbracht werden soll, fällt ein Schuss.

Eine Tatwaffe aus Bundeswehr-Beständen

Aus dem Zimmer, in dem sich das Mordopfer befindet, flieht ein Mann, der von Angelika Flierl und ihrem Kollegen Harald Neuhauser (Marcus Mittermeier) rasch gestoppt werden kann: Der mutmaßliche Täter ist elegant gekleidet, trägt einen Schnauzer und Seitenscheitel. Die Hollywood-artige Aura, die ihn umgibt, lässt für Cineasten eine Assoziation zu: "Doktor Schiwago" in der legendären Star-Verfilmung des Jahres 1965. Flierl liebt großes Kino. Neuhauser reagiert nüchterner: "Omar Sharif war's schon mal nicht – weil der ist schon tot", sagt er, als sich die Schuldfrage beim tödlichen Schuss stellt.

Und doch liegt ein Moment der Verwirrung in der Luft, den der zum Verhör im Keller-Büro eingelieferte vermeintliche "Mister Hollywood" (gespielt wird er von Franz Dinda) geschickt nutzt: Er überwältigt die Polizistin, entführt sie und braust mit Flierl im Kofferraum einer dunklen Limousine davon. Ein gefährlicher Mann, mit möglicherweise noch gefährlicheren Verbindungen: Rätsel wirft nämlich die am Tatort gefundene Waffe auf: Sie stammt aus Bundeswehr-Beständen.

Allerdings: Schon kurze Zeit später kümmert der mysteriöse Fremde sich auffallend mitfühlend um Angelika Flierl. Mehr noch: Der Mann mit dem markanten Bart beteuert eindringlich seine Unschuld. Als dann auch noch auf ihn geschossen wird, reagiert die junge Kriminalerin nachdenklich. Was, wenn sie sich in dem vermeintlichen Gewalttäter getäuscht hat?

Der mittlerweile 16. Fall der 2014 im ZDF gestarteten Reihe sorgt wieder für Krimiunterhaltung mit dezentem Schmunzelmomenten – abseits der gängigen Polizeifilmklischees. Und er umkreist ein Phänomen, das in Kennerkreisen mit dem "Stockholm Syndrom", einer plötzlich engen, fast verliebten Bindung von Entführer und Entführungsopfer, in Verbindung gebracht wird. Allerdings steht echter Glaubwürdigkeit diesmal doch ein überraschend hohes Maß an Betuhlichkeit der Dramaturgie im Wege.

Hauptdarsteller Alexander Held wird demnächst übrigens im großen Stil geehrt. Er erhält den Ehrenpreis des Deutschen FernsehKrimi-Festivals 2023 – für herausragende Leistungen in seiner Paraderolle als Kriminalhauptkommissar Ludwig Schaller in der ZDF-Krimireihe. "Alexander Held verbindet auf einmalige Weise höchsten künstlerischen Anspruch, differenzierte, feinfühlige Charakterisierungskunst und perfekte Sprechkultur mit Unterhaltsamkeit und einer eigensinnigen Komik, an der auch Karl Valentin seine helle Freude gehabt hätte", heißt es in der Jury-Begründung.

München Mord – Damit ihr nachts ruhig schlafen könnt – Sa. 18.02. – ZDF: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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