Nachtschicht - Blut und Eisen
03.07.2023 • 20:15 - 21:45 Uhr
Serie, Krimireihe
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Originaltitel
Nachtschicht
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2021
Altersfreigabe
12+
Serie, Krimireihe

Kommissar Erichsen wühlt in der Neonazi-Szene

Von Wilfried Geldner

Das Revier wird umgebaut – der Hamburger Kriminaldauerdienst und Hauptkommissar Erichsen (Armin Rohde) leben vorübergehend im Container, Erichsen werden zwei neue Kolleginnen an die Seite gestellt. Dann kommt der Anruf aus einem Burger-Laden: Dessen Chef wird von einem Nazi mit der Pistole bedroht.

In der 17. "Nachtschicht"-Ausgabe muss die Mannschaft vom Hamburger Kriminal-Dauerdienst (KDD) vorübergehend im Container leben. Und am Eingang wacht im Sommer 2020 gar ein Polizist darüber, dass die AHA-Regeln eingehalten werden. Doch das ist noch längst nicht alles, was Erichsen (Armin Rohde) nervt. Mimi Hu (Minh-Khai Phan-Thi) und Lisa Brenner (Barbara Auer) sind weg – ins Innenministerium versetzt. Es wird anstrengend mit den Neuen, Erichsen trifft mit Tülay Yildirim (Idil Üner) und Lulu Koulibaly (Sabrina Ceesay) auf geballte Frauenpower. Gut, dass der Anruf aus einem Burger-Laden dazwischen kommt. Ein Rechtsextremist, so wird vermeldet, bedroht den Chef des Ladens, weil der ihm den ersehnten Job als Koch nicht geben will. Dabei ist Koch Kevin (Aurel Manthei) geradezu überqualifiziert, doch leider trägt er verräterische Nazi-Tattoos am Hals und im Genick. Erichsen und seine Kolleginnen klären auf und geraten dabei mitten hinein in die Hamburger Neonazi-Szene. "Nachtschicht – Blut und Eisen" ist nach der Erstausstrahlung im März 2021 nun erneut im ZDF zu sehen.

Aus dem Thema Rassismus eine Kommödie gemacht

Kevin hat dummerweise vor seiner Tat ein Video gepostet, in dem er – das Gesicht unter einer schwarzen Sturmhaube verborgen – damit droht, bei der nächsten Absage den betreffenden Personalchef zu erschießen. Achtmal hat er Absagen bekommen, meistens hätten "Ausländer oder irgendwelche Arschlöcher" den Job gekriegt. Mabel, seiner schwangeren Frau erklärt er, dass er gerade ein Bewerbungsgespräch aufgenommen habe. Als Mabel dann mit ihm im Burgerrestaurant feiern will, kommt schon die Polizei – der Burger-Chef, der bereits wegen der Nazi-Zeichen an Kevins Hals Verdacht geschöpft hatte, wurde von Mitarbeitern, die das Video gesehen hatten, gewarnt und nur zum Schein noch schnell in Kevins Einstellung eingewilligt.

Lars Becker schafft es, in seinem 17. "Nachtschicht"-Krimi aus dem ernsten Thema Rassismus eine Komödie zu machen. Die Konstellation ist schnell klar, sie wird geradezu überbetont: Hier ist einer, der aus Daffke in die rechte Szene geraten ist, der die Barbecues mit den Hooligan-Kameraden liebt und ansonsten nichts lieber wäre als einfach ein guter Koch. Marleen Lohse als seine schwangere Frau Mabel hilft rührend dabei, dieses Heiligenbild zu bestärken. Gescheit nimmt Mabel die Pistole an sich, mit der Kevin zuvor hantierte und lässt auch gleich noch die Bullen zu Hause ein, nur um zu beweisen, dass alles sauber sei.

Hetzer, die über Leichen gehen

Es ginge auch alles gut, wären da nicht die dubiosen Kameraden, die Hetzer, die über Leichen gehen. Aber auch die Verängstigten, die zu viel Angst vor den gewaltbereiten Rechten haben. Dass der Burger-Chef selbst zur Pistole greift, soll nicht ohne Folgen bleiben. Es wird Tote geben, in einem Lars-Becker-Krimi kann das nicht anders sein.

Man mag es andererseits vielleicht ein wenig unbedarft nennen, die rechte Gewaltszene milde zu belächeln und damit hinter Hoffmanns Wehrsportgruppe, Gott hab' sie selig, und den NSU zurückzugehen, von allen anderen Untaten neueren Datums ganz zu schweigen. Tatsächlich bleiben die Parteipolitiker, die hier auch vorkommen, indem sie ihr gewalttätiges Fußvolk dulden, arg verschont und unterbelichtet.

Trotzdem hat Lars Becker mit einem sich abseits des Mainstream bewegenden Schauspiel-Teams einen wunderbaren Film gemacht. Armin Rohde ist wahrscheinlich sowieso der mitreißendste Kriminalkommissar, den es im deutschen Fernsehen gibt. Ein Ganove unter Ganoven, der weiß, was er will. Wie ein geschickter Kater tritt er an jedem Gender-Fettnäpfchen so gerade noch vorbei. Bleibt nur zu hoffen, dass er Recht behält mit seiner kühnen Polit-Prognose über die rechte Szene, die er "gewaltbereite Konsorten" nennt, "die daran arbeiten, die Demokratie zu destabilisieren und die Institutionen zu unterwandern". – "Sie sind längst nicht so viele wie sie tun. Wir sollten uns nicht verwirren und ängstigen lassen."

Der 18. "Nachtschicht"-Krimi "Die Ruhe vor dem Sturm" war am 10. Oktober 2022 erstmals im ZDF zu sehen. Wann die Reihe fortgesetzt wird, ist nicht bekannt.

Nachtschicht – Blut und Eisen – Mo. 03.07. – ZDF: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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