Praxis mit Meerblick - Dornröschen
21.04.2023 • 20:15 - 21:45 Uhr
Fernsehfilm, Familienfilm
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Originaltitel
Praxis mit Meerblick
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2023
Fernsehfilm, Familienfilm

Rügen ist ein Ort des Fortschritts

Von Elisa Eberle

Der Fahrradunfall eines kleines Mädchens bereitet der Rügenärztin Nora Kaminski (Tanja Wedhorn) im 17. Teil der ARD-Degeto-Reihe "Praxis mit Meerblick" große Sorgen: Wollte Lea (Moritz Brandt) sich umbringen?

Es ist ein wichtiger Schritt für die gesellschaftliche Entwicklung: Das Thema Transidentität bei Kindern wird endlich auch im Film behandelt. 2022 erzählte Florian David Fitz in der Kino-Komödie "Oskars Kleid" von einem Vater (Fitz), der lernen musste, dass sein neunjähriges Kind (Lauri) zwar in einem Jungenkörper geboren ist, sich jedoch als Mädchen fühlt. Die ARD Degeto-Reihe "Praxis mit Meerblick" (Regie: Jan Ruzicka, Buch: Lars Albaum und Marcus Hertneck) greift nun eine ähnliche Geschichte auf. Anders als Lili, die in der Kinokomödie anfangs nur von einem Elternteil unterstützt wird, stehen in "Dornröschen" (so der Titel des 17. "Praxis mit Meerblick"-Films) beide Elternteile (Maxi Warwel, Patrick Kalupa) bedingungslos hinter Lea (Moritz Brandt).

Probleme bereitet dem Tschaikowski liebenden Mädchen ausgerechnet die neue Ballettlehrerin: Bettina Bärle (Inka Löwendorf) will die Zehnjährige partout nicht länger den bereits versprochenen Part der Aurora tanzen lassen: "Wir sind ein Ballett und wir tanzen die klassischen Rollen in klassischer Besetzung", erklärt sie: "Wenn du den Prinzen nicht tanzt, dann bist du raus!" Enttäuscht steigt Lea auf ihr Fahrrad und erleidet wenig später einen Unfall, in den auch der Rettungswagen von Lars (Bo Hansen) verwickelt ist. Rügenärztin Nora Kaminski (Tanja Wedhorn), die nach ihrem Burnout gerade erst im Dienst zurück ist, ist Beifahrerin im Unfallwagen. Sie sieht, dass Lea die Augen fest geschlossen hielt. Wollte das Mädchen sich umbringen? Besorgt wendet sich Nora an die Psychotherapeutin Dr. Vieth (Pauline Knof). Wird sie der verzweifelten Familie helfen können?

So leben trans*\ Menschen in Europa

"trans* ist ein Oberbegriff, der verschiedene Menschen bezeichnet, die sich nicht mit dem ihnen bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht identifizieren": So steht es auf der Website der "Antidiskriminierungsstelle des Bundes". Wie viele trans* Personen es in Deutschland gibt, ist nicht leicht zu belegen. Fakt ist, dass die Betroffenen oft jahrelang unter Diskriminierung in unterschiedlichen Lebensbereichen leiden. Umso schöner und rührender ist es, dass die Figuren in "Praxis mit Meerblick – Dornröschen" dem Thema fast ausnahmslos offen und vorurteilsfrei begegnen.

Leas Vater erwägt im Film den Umzug der Familie nach Schweden: Dort, so sagt er, "sind die so viel weiter. Da hätten wir diese Probleme nicht." Tatsächlich ist Schweden für seinen inklusiven und fortschrittlichen Umgang mit Angehörigen der LGBTQI+-Gesellschaft bekannt. Die sogenannte "Rainbow Map" des Dachverbands ILGA (International Lesbian, Gay, Bisexual, Trans and Intersex Association) stuft "49 europäische Länder nach ihrer jeweiligen rechtlichen und politischen Praxis für LGBTI-Personen auf einer Skala von 0 bis 100 Prozent ein." Mit 68 Prozent landete Schweden zusammen mit Norwegen und Luxemburg im Jahr 2022 auf Platz vier. Deutschland kam auf lediglich 52 Prozent.

Fernsehen als Vorbild

Eine Diskriminierung aufgrund der sexuellen Veranlagung ist laut der schwedischen Verfassung verboten. 2013 schaffte Schweden das Gesetz, das bei einer Geschlechtsanpassung die Unfruchtbarkeit forderte, ab. Trans* Menschen, die zwischen 1972 und 2013 zwangssterilisiert wurden, bekamen 2018 eine Entschädigung gezahlt. Die Lebensrealität von trans* Menschen sieht hingegen anders aus: In einer Befragung der Europäischen Grundrechteagentur aus dem Jahr 2020 bewerteten die befragten trans* Personen ihre Lebenszufriedenheit mit 5,9 von 10 Punkten, was leicht über dem EU-weiten Durchschnitt von 5,6 liegt. 48 Prozent der Befragten in Schweden gaben an, in den letzten zwölf Monaten Diskriminierung erfahren zu haben. In Deutschland waren es sogar 66 Prozent.

Es bleibt zu hoffen, dass die Sichtbarkeit von Angehörigen der LGBTQI+-Gesellschaft im fiktionalen Fernsehen in den kommenden Jahren weiter zunehmen und sich dadurch bestenfalls auch ihre allgemeine Akzeptanz und Stellung in der Gesellschaft verbessert. "Praxis mit Meerblick – Dornröschen" ist diesen Schritt bereits gegangen, und auch wenn es letztlich keine endgültige Lösung für Lea und ihre Familie gibt, so lässt der Film sein Publikum doch mit einer eher hoffnungsvollen denn verzweifelten Stimmung zurück. Ein 18. Film unter dem Titel "Praxis mit Meerblick – Schwindel" ist am Freitag, 28. April, um 20.15 Uhr, im Ersten zu sehen.

Praxis mit Meerblick – Dornröschen – Fr. 21.04. – ARD: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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