"Er ist wieder nicht da", sagt Andrei Costea. Dabei hatte der Eigentümer des Bauernhofs der Vermessung telefonisch zugestimmt. Frustriert packen die Topographen aus Bukarest ihre Messgeräte wieder ein. Allein die Fahrt in die Banater Berge hat acht Stunden gedauert. Nun stehen sie bereits zum zweiten Mal vor verschlossener Tür. Seit 2014 versucht Rumänien mit EU-Geldern, alle Grundstücke des Landes zu erfassen. Doch das Kataster zählt bis heute zu den unvollständigsten der EU. Besonders in den entlegenen Bergregionen gibt es große Lücken. Hier regeln die Bauern ihren Grundbesitz seit Generationen per Handschlag und ohne Notar. Dass Eigentum heute nur noch mit zentimetergenauen Koordinaten aus Satellitentechnik anerkannt wird, löst Misstrauen aus: "Viele denken, dass wir in irgendeinem politischen Auftrag kämen und ihr Land wegnehmen wollen", so Topograph Andrei. "Dabei wollen wir doch nur unsere Kataster-Arbeit machen!". Einer, der beide Welten kennt, ist Luca Cionca. Der 65-Jährige lebt mit seiner Frau Maria in der Bergsiedlung Ineleţ, erreichbar nur durch einen zweistündigen Fußmarsch und über eine steile Leiter. Luca kennt jeden Baum auf seinem 13 Hektar großen Grundstück, doch auf dem Papier existierte sein Besitz lange nicht. "Man hat geerbt und wusste einfach, was einem gehört", erklärt Luca Cionca, "aber man hatte kein Dokument, keinen Grundbucheintrag". Ursprünglich wollte Rumänien bereits 2024 ein vollständiges Kataster haben. Auch die neue Frist bis 2027 ist ambitioniert. Den Topographen geht es nicht nur ums Vermessen, sondern auch ums Vertrauen der Bauern.
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