Superhelden
17.02.2018 • 20:15 - 21:05 Uhr
Report, Dokumentation
Lesermeinung
Odysseus (Stephan Käfer) und seine Männer begegnen dem einäugigen Riesen Polyphem.
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Homers mythologischer Held Odysseus (Stephan Käfer)
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Machtlos muss Odysseus (Stephan Käfer) dem Untergang seiner Flotte zusehen.
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Odysseus (Stephan Käfer, vorne Mi.) hört beim König der Phäaken dem Vortrag eines blinden Dichters (Manos Papadopoulos, li.) zu.
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Odysseus (dargestellt von Stephan Käfer) begegnet der Nymphe Kalypso (Nancy Rahmann).
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Hint
Online verfügbar von 17/02 bis 19/03
Produktionsland
Deutschland
Produktionsdatum
2017
Report, Dokumentation

Alles eine Frage der Zeit(geschichte)

Von Markus Schu

Odysseus, Beowulf, Parzival – allesamt große Helden der Literatur. Doch wie viel Wahrheit steckt in ihren Geschichten?

Hört man heutzutage den Begriff "Superhelden", dann schießen einem unweigerlich prominente Beispiele wie Superman, Wonder Woman oder Spider-Man in den Kopf. Die Figuren der Comic-Literatur haben ihr fiktives Dasein aber weitaus älteren Heroen zu verdanken, die in Antike und Mittelalter das Geschichtenerzählen prägten. Genau diesen archetypischen Helden widmet sich nun ARTE in einer dreiteiligen Doku-Reihe mit dem schlichten Titel "Superhelden". Jede Folge befasst sich mit einem anderen großen Helden der Weltliteratur. Den Anfang macht Homers Odysseus, gefolgt von Beowulf aus dem gleichnamigen englischen Epos. Das Finale markiert der Ritter Parzival aus Wolfram von Eschenbachs ebenso betiteltem Versroman.

In den Folgen soll es vor allem darum gehen, inwiefern sich in den jeweiligen Figuren und Geschichten ganz konkrete historische Kontexte widerspiegeln. Denn eines ist allen drei Werken gemein: Sie wurden in Zeiten des gesellschaftlichen, kulturellen und geopolitischen Umbruchs verfasst.

Homer beispielsweise entwickelte seine "Odyssee" zu Zeiten der griechischen Kolonisation im Mittelmeerraum im 8. Jahrhundert vor Christus. Die Expansion hatte unterschiedliche demografische, wirtschaftliche und politische Gründe. Der Aufbruch ins Ungewisse spiegelt sich in Odysseus' Irrfahrt metaphorisch wider: So werden zum Beispiel die widrigen Umstände auf hoher See in monströse Ungeheuer übersetzt, die den Helden nach dem Leben trachten.

Im englischsprachigen Beowulf-Epos hingegen wird die Glaubens- und Lebenswelt der germanischen Völker verhandelt, die ab dem 5. Jahrhundert Britannien zu besiedeln begannen. Das Aufeinandertreffen von christlichem Glauben und heidnischer Kultur bestimmte diese Zeit. Und auch die Parzival-Geschichte setzt sich in fiktionalisierter Form mit ganz realen Umbrüchen auseinander. Geschrieben in einer von Kreuzzügen, Ritterorden und Thronstreitigkeiten geprägten Welt, geht es auch im Ritterepos um den Konflikt zwischen weltlicher und religiöser Erlösung.

Vor allem Archäologen, Philologen und Kulturhistoriker kommen zu Wort und ordnen die Fakten in einen historischen Kontext ein. Mithilfe von Spielszenen wird das Ganze aufgelockert: Viel Aufwand wurde betrieben, um mit Schauspielern und Computereffekten die Heldenepen zum Leben zu erwecken. Die Effekte überzeugen zwar nicht rundum und die Spielszenen sind eher nettes optisches Beiwerk, dennoch tragen sie dazu bei, selbst Wissenschaftsmuffel für eine spannende Geschichtsstunde zu begeistern.

Am Schluss geht man definitiv schlauer aus der Sache heraus. Die Erkenntnis: Kunst entsteht nicht im Vakuum – hinter den Mythen stehen Fakten. ARTE zeigt die drei Folgen am Samstag, 17. Februar, ab 20.15 Uhr, direkt nacheinander. Im ZDF werden die Dokus im Rahmen der Reihe "Terra X" ausgestrahlt. Bereits einen Tag später, am Sonntag, 18. Februar, wird der erste Teil der Reihe um 19.30 Uhr im Zweiten gesendet. Die weiteren Episoden folgen an den darauffolgenden Sonntagen.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

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