Tatort
Serie, Krimireihe • 19.09.2021 • 20:15 - 21:45 Jetzt
Lesermeinung
Krimi über Hybristophilie: Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, links) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) besuchen einen - allerdings inhaftierten - Täter, auf den das aktuelle Mörderprofil exakt passt. Wie kann das sein? Der Justitzbeamte Schröter (Theo Trebs, rechts) begleitet die Ermittler.
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Krankenschwester Susanne Elvan (Nesche Demir) ist mit dem verurteilten Gewaltverbrecher Tarek verheiratet, den sie über eine vermittelte "Brieffreundschaft" während seiner Knastzeit kennengelernt hat. Seit Tarek bei ihnen wohnt, kommt Susannes 14-jährige Tochter Mia (Tesha Moon Krieg) abends erst so spät wie möglich nach Hause.
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Auch Ines (Picco von Groote) lebt jetzt mit dem (ehemaligen?) Gewaltverbrecher Basso (Torben Liebrecht) zusammen: Er ist aus der Haft direkt bei ihr ind ihrem kleinen Sohn eingezogen.
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Krimi über Hybristophilie - also Menschen, die sich zu Straftätern hingezogen fühlen: Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, links) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) besuchen Gefängnispsychologin Bianca Ambach (Tanja Schleiff), die Beziehungen zwischen Insassen und "interessierten" Frauen außerhalb der Knastmauern vermittelt.
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Mitarbeiter Jütte (Roland Riebeling) dreht im neuen Kölner Fall voll auf: Der bislang eher durch seine Dienst-nach-Vorschrift-Mentalität aufgefallene Kommissar  hängt sich voll in die Suche nach dem Gürtelmörder rein.
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Krankenschwester Susanne Elvan (Nesche Demir) wurde brutal ermordet - über den Augen trägt sie einen Gürtel. Die Ermittler Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, links) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) sowie Gerichtsmediziner Dr. Roth (Joe Bausch, rechts) werden dieses Tatmuster an anderer Stelle wiederfinden.
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Die Ermittlerrunde tauscht sich aus: Norbert Jütte (Roland Riebeling, rechts) spricht mit Psychologin Lydia Rosenberg (Juliane Köhler) sowie seinen Kollegen Freddy Schenk (Dietmar Bär, zweiter von links) und Max Ballauf (Klaus J. Behrendt). Welche Verbindungen gibt es zwischen den Fällen?
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Lenny (Wulf Kurscheid, rechts) muss seine Mutter Ines (Picco von Groote) ab sofort mit deren neuen Partner teilen. Der soll nach seiner Haftentlassung direkt bei den beiden einziehen.
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Tarek Elvan (Sahin Eryilmaz) hat als Verdächtiger schlechte Karten. Nachdem der Mann, der seine Aggressionen nur mit größter Mühe zügeln kann, aus der Haft entlassen wurde, wird seine Frau ermordet. Er hat sie erst während seiner Haft über eine vermittelte Brieffreundschaft kennengelernt.
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Geht da was zwischen dem ewigen Junggesellen Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Psychologin Lydia Rosenberg (Juliane Köhler)?
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Produktionsland
D
Produktionsdatum
2021
Altersfreigabe
12+
Serie, Krimireihe

Frauen, die Mörder lieben: "Er ist anders, ich fühl' das"

Von Eric Leimann

Im neuen Kölner "Tatort" geht es um Frauen, die böse Männer lieben. Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär) hingegen verfolgen einen Mörder, der solche Frauen tötet. Ein perfides Krimi-Spiel über Vertrauen und Enttäuschung.

"Er ist nicht mehr der Mensch, der er mal war. Er ist anders. Ich fühl' das ", sagt die alleinerziehende Mutter Ines (Picco von Groote) zu ihrer Arbeitskollegin. Der Mann, über den die Frauen im neuen Kölner "Tatort"-Krimi "Der Reiz des Bösen" reden, heißt Bastian "Basso" Sommer (Torben Liebrecht) und ist ein verurteilter Gewalttäter. Während seiner Haftzeit hat er Ines über eine vermittelte Brieffreundschaft kennengelernt. Nun soll der smarte Kraftmensch "Basso" direkt bei der schwer verliebten Ines einziehen – was vor allem deren kleinen Sohn ein schlechtes Gefühl in der Magengegend bereitet. Keinerlei Gefühle mehr hat hingegen Krankenschwester Susanne Elvan (Nesche Demir), die auf dem Dach ihrer Klinik von vielen Messerstichen getötet aufgefunden wird. Die Ermittler Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär) finden die Augen des Opfers mit einem Ledergürtel bedeckt. Das Besondere: Auch Susanne war mit einem verurteilten Gewalttäter zusammen, ja sogar verheiratet, den sie noch während dessen Knastzeit geehelicht hatte. Auch diese Beziehung war durch ein Resozialisierungsprogramm für Strafgefangene vermittelt worden.

Tarek Elvan (Sahin Eryilmaz), der Mann des Opfers, hatte schon vor dem Tod seiner Frau massive Probleme mit seinen Aggressionen. Gerade in letzter Zeit gab es oft Streit im Haus. "Meine Mutter wollte ihn nur retten mit ihrer Liebe", erzählt die halbwüchsige Opfertochter Mia (Tesha Moon Krieg) den Beamten und spielt damit auf das spannende Thema des neuen Kölner "Tatorts" an, das Phänomen der Hybristophilie. Der Begriff bezeichnet eine Neigung, meist von Frauen, die sich von gewalttätigen Schwerverbrechern angezogen fühlen.

"Nicht jede Frau, die einen Ex-Häftling liebt, ist gleich hybristophil"

"Charles Manson hatte Wäschekörbe voller Liebesbriefe in seiner Zelle", bricht Polizeipsychologin Lydia Rosenberg (Juliane Köhler) das scheinbare Paradoxon auf ein anschauliches Beispiel herunter. Auch der norwegische Massenmörder Anders Breivik und andere schwer gestörte Gewalttäter konnten und können sich vor Liebesangeboten kaum retten. "Diese Frauen haben oft selbst ein Trauma, missdeuten die Gewaltbereitschaft der Männer als Stärke und wollen diese Männer wieder auf den rechten Weg führen", lernen die Zuschauer weiter aus dem Mund der Psychologin. Doch es gibt auch etwas weniger didaktische, dafür aber philosophische Erklärungsansätze für die gefährliche Liebe der Frauen in diesem "Tatort" (Buch und Regie: Jan Martin Scharf, Co-Autor: Arne Nolting).

Die vielleicht schönste Einsicht stammt von Freddy Schenk. "Nach über 20 Jahren Ehe weiß ich, bei der Liebe geht es immer darum, was der eine in dem anderen sehen will." Tatsächlich gibt es aber noch eine weitere Psychologin im Film: Gefängnis-Kraft Bianca Ambach (Tanja Schleiff) , die von einem therapeutischen und resozialisierenden Programm überzeugt ist, das einsitzende Gewalttäter über Brieffreundschaften mit ganz normalen Frauen zusammenbringt. Frau Ambach, pikanterweise selbst mit einem Ex-Häftling zusammen, hat schon viele solcher Freundschaften mit Beziehungsoption vermittelt: "Nicht jede Frau, die einen Ex-Häftling liebt, ist gleich hybristophil – dazu gibt es ganz wenig Forschung", sagt sie.

Horror im krimibürgerlichen Köln

Wie so oft am Kölner "Tatort"-Standort, orientiert sich auch der neue Fall eher am klassischen deutschen TV-Krimi und weniger an modernen oder gar experimentellen Erzählformen. Was den Film spannend macht, ist sein Thema und wie es vor allem am Beispiel des stark aufspielenden "Gefahrenpaares" Picco von Groote und Torben Liebrecht in fast schon "hitchcockscher" Suspense-Manier bebildert wird. Ist der Mann nun böse oder nicht? Können sich schlechte Menschen grundlegend verändern? Echte Gefängnis-Psychologen dürfte an diesem durchaus wendungsreichen WDR-Krimi ärgern, wie archaisch hier mit Gut und Böse umgegangen wird. Inklusive einem "Schweigen der Lämmer"-artigen Besuch von Ballauf und Schenk bei einem verurteilten Frauenmörder, der als asozial, nicht resozialisierbar und mit einer Maske gegen Spuckattacken (und Beißen?) vorgestellt wird. Gibt es tatsächlich solche Teufel?

Eine charakterliche Differnzierung erfährt immerhin Ballaufs und Schenks Mitarbeiter Norbert Jütte (Roland Riebeling), der bislang durch Schwerfälligkeit und Dienst-nach-Vorschrift-Mentalität auffiel und als Comic-Relief im Kölner Revier herhalten musste. In diesem Fall erhielt der Mann nun eine Rolle, in der er sich neu zeigen kann. Insgesamt muss man sagen: "Der Reiz des Bösen" ist ein interessanter Themenkrimi, der zwar hier und da ein wenig didaktisch und formelhaft daherkommt, aber durch fiese, stark gespielte Szenen dennoch zu gefallen weiß. Wer es bis zum actionreichen Schlussspurt aushält, wird danach einigermaßen baff in die Nacht entlassen. Ein bisschen Twist-Horror wie von Kino-Zauberer M. Night Shyamalan ("The Sixth Sense") gibt es diesmal auch im krimibürgerlichen Köln.

Tatort: Der Reiz des Bösen – So. 19.09. – ARD: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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