In "The Miracle" macht die Hauptfigur Irma an einem Ort Ferien, der sie die ganze Zeit damit konfrontiert, was sie nicht hat. Die Filmemacherin Nienke Deutz gibt Irmas Gefühlswelt mit grosser Empathie wieder und verschafft so einem nicht unbedeutenden Teil der Gesellschaft Sichtbarkeit. In einem Video-Interview bei arte erzählt Nienke Deutz: "Eine Frage wird alle Frauen um die Dreissig irgendwann mal umtreiben. Kinder oder keine Kinder? Diese Frage steht einfach im Raum. Schwangerschaft und Elternsein werden in den sozialen Medien und in der Popkultur zelebriert. Aber wir sprechen nicht über die Leute, die nicht schwanger werden." Über ihren Animationsfilm: "Auf den ersten Blick wirkt alles in diesem Resort an der Oberfläche nett und entspannt, doch tatsächlich ist das Setting sehr kühl, zweckorientiert und unrealistisch. Wie eine sterile Version unserer Gesellschaft. Manche Aspekte werden stark idealisiert. Das Thema ist plötzlich allgegenwärtig. Irma ist eine winzige Frau in einer riesigen Welt, die sie zu verschlingen droht. Sie muss stark sein, um ihren Platz zu finden, denn sie weigert sich, die Regeln der Gesellschaft zu befolgen. Sie hat diese 'Ihr-könnt-mich-mal-Einstellung', 'Ich mach' mein eigenes Ding'. Denn erst, wenn sie mit sich selbst im Reinen ist, kann sie eine Beziehung zu einem anderen Menschen eingehen." "Für die Animation haben wir 'Paint 3D' benutzt. Die Figuren wurden auf transparente Folien gedruckt und ausgeschnitten. Die Kleidung haben wir von Hand mit Acrylfarbe gemalt. Dann haben wir die Kulissen gebaut und nach und nach die Figuren eingefügt. Im Grunde haben wir den Film zweimal animiert, das war sehr langwierig. Auch spannend, je nachdem wie die Lichtquelle positioniert ist, spiegelt die Figur das Licht wider, sie wird dann heller und weniger durchsichtig. Wenn sie von hinten beleuchtet wird, wirkt sie transparent." Nienke Deutz mag es, wenn die Animationstechnik sichtbar bleibt. So wird signalisiert. "Achtung, sie sehen einen Film." "The Miracle" wurde 2023 am Internationalen Kurzfilmfestival Berlin als "Bester Animationsfilm" ausgezeichnet und war im gleichen Jahr am Internationalen Festival für Animationsfilm Fantoche nominiert als "Bester Film".
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