Vienna Blood
22.12.2024 • 22:15 - 23:45 Uhr
Serie, Krimireihe
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Produktionsland
GB, A
Produktionsdatum
2024
Altersfreigabe
12+
Serie, Krimireihe

Vom Teufel im System

Von Rupert Sommer

Das ZDF setzt "Vienna Blood", die Filmreihe rund um mysteriöse Verbrechen im Wien nach 1900, fort: Es geht mit einer Doppelfolge in die finale Staffel. Wie einst in London Sherlock und Watson ermitteln erneut Inspektor Rheinhardt (Juergen Maurer) und der junge Freud-Bewunderer Max Liebermann (Matthew Beard).

Es zwickt, kratzt und juckt im Backenbart. Und auch das in Amtsstuben und Palästen allgegenwärtige Öl-Porträt von Kaiser Franz Joseph blickt in den neuen Folgen von "Vienna Blood" immer sorgenvoller auf die Untertanen in der von zerstörerischen Zentrifugalkräften innerlich zerrissenen Doppelmonarchie. Den ersten neuen Kriminalfall der britisch-österreichischen Reihe, ausgestrahlt als Free-TV-Premiere, streckt das ZDF gleich auf zwei Teile. Dabei führen die Ermittlungen rasch ins Herz der bedrohten Ordnung. In den höchsten Regierungskreisen hat sich ein Verbrecher festgesetzt, der von dort aus Morde orchestriert und Staatsgeheimnisse verrät. Den diabolischen, an den "Faust"-Verführer angelehnten Decknamen "Mephisto" trägt er nicht ohne Grund.

Der Auftaktfilm für die im ZDF auf dem sonntäglichen späten Spielfilm-Sendeplatz ausgestrahlten Reihe läutet die finale Staffel der Kostümkrimis nach der Romanreihe "The Liebermann Papers" von Frank Tallis ein. Wien, 1909: Wieder einmal ist Inspektor Oskar Rheinhardt (Juergen Maurer) gefragt, dem zu Beginn seiner oft gefährlichen, in der Regel beste Menschenkenntnisse und psychologische Einfühlung fordernden Ermittlungen der junge Mediziner Max Liebermann (Matthew Beard) zur Seite gestellt wurde. Während das ungleiche Duo, das von fern an den Londoner Meisterdetektiv Sherlock Holmes und seinen bodenständigen, wissenschaftlich nüchtern denkenden Adlatus Doktor Watson erinnert, anfänglich nur widerstrebend zueinanderfand, sind die beiden nun eng aufeinander angewiesen. Und der neueste Fall bringt Rheinhardt und Liebermann in größte Gefahr.

Das Geheimnis wird fast gelüftet – dann fällt ein Schuss

Sie kreuzen nicht nur die Bahnen der "Mephisto"-Verbrecherorganisation, sondern geraten auch mit der eigenen Obrigkeit in brisante Konflikte. Gleich zu Beginn verliert der erfahrene Inspektor Ansehen und Stellung im Wiener Polizeipräsidium. Er wird gezwungen, den Dienst zu verlassen. Auslöser für seine Demission ist eine halsbrecherische Aktion, von der Reinhardt selbst seine Vorgesetzten abgeraten hatten. Doch sie wurde gewagt – und schlug spektakulär fehl. In einer Art Hinterhalt wird der lange gesuchte Kriminelle Franz Burgstaller (Murathan Muslu) erschossen. Er hätte ein wichtiger Informant sein können. Er stirbt – kurz bevor er die Identität von Staatsfeind "Mephisto" lüften konnte. Mit ihm endet Reinhardts Polizeipräsident – tödlich getroffen von einer Kugel eines Attentäters.

Die Reihe nach den Romanvorlagen des britischen Psychotherapeuten und Autors Frank Tallis versteht sich weniger als puristischer Krimi, sondern vielmehr als Zeit- und Sittengemälde der Stadt Wien zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Da spukt Sigmund Freud durch die Köpfe der Menschen, erklingt Gustav Mahler im Off und klappern die Fiaker durch die Gassen. Und natürlich spielen auch die glamourösen Versammlungsorte der Wiener Gesellschaft – natürlich die Kaffeehäuser, aber auch Theater, Palais und im "Mephisto"-Auftaktfall auch ein mondänes Spielcasino – eine wichtige Rolle. An diesen Orten, die in der Filmreihe häufig gar nicht in Wien, sondern in Budapest "gedoubelt" wurden, gingen die großen Denker und Persönlichkeiten ein und aus. Österreichs Hauptstadt war eine Hochburg der Philosophie, Wissenschaft und Kunst. Und die Metropole war – wie sich auch in den neuen Krimis zeigt – schön und gefährlich.

Psychologie – in einer Filmreihe ohne echte Seele

Ein Manko der Reihe bleibt allerdings: Zwar sind die Filme opulent inszeniert und detailverliebt ausgestattet. Selbst die Pferdeäpfel auf dem Kopfsteinpflaster wurden sorgfältig arrangiert. Dennoch wirkt das oft wie Kulissenzauber und – trotz der angestrebten Dramatik sowie der Fixierung auf Freuds Pschologenwelt – merkwürdig seelenlos und hölzern. Vieles liegt auch an den Produktionsbedingungen der internationalen Koproduktion: Selbst Ur-Österreicher wie Juergen Maurer drehten auf Englisch. Die Stimmen wurden dann nachsynchronisiert. Der berühmte Wiener Schmäh bleibt dabei oft auf der Strecke.

Der zweite Teil von "Mephisto" aus der Filmreihe "Vienna Blood" wird am Sonntag, 5. Januar 2025, 22.15 Uhr ausgestrahlt.

Vienna Blood – So. 22.12. – ZDF: 22.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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