Josef Hader, dem gefeierten Kabarettisten und Simon-Brenner-Krimidarsteller, steht die ernste Rolle des Großschriftstellers sehr gut zu Gesicht. Der anspruchsvolle Film folgt Stefan Zweigs Exilantenschicksal in Nord- und Südamerika.

Ein Film wie ein gutes, anspruchsvolles Buch: Nicht alles, was seine Bewunderer schnell hineinzieht und vom ersten Augenkontakt an gefallen möchte, ist bekanntlich große Kunst. Maria Schraders zweite Regiearbeit "Vor der Morgenröte" (2016), die sich mit der Zeit des jüdischen Schriftstellers Stefan Zweig im Exil beschäftigt, beginnt spröde, macht es den Zuschauern nicht leicht und fordert sie von Beginn an, anstatt sie zu umschmeicheln. Fast wirkt es so, als ob man selbst ein wenig wie der höfliche, latent linkische Großschriftsteller (kongenial gespielt vom Kabarettisten und Schauspieler Josef Hader) etwas rastlos am Rande des Geschehens steht und erst einmal nur zusieht und zuhört. Schraders Film, nun in einer Wiederholung im Ersten zu sehen, setzt das Verlorensein in fremden Sprachen und Kulturen hautnah und letztlich sehr beeindruckend um.

Das freundliche, aber auch oft etwas verlegene Lächeln unter dem buschigen Schnauzbart steht Stefan Zweig fast ständig im Gesicht. Schon in der ersten langen Einstellung beobachtet man ihn, wie er an einem prächtig gedeckten Festbankett Willkommensgrüßen und einer emphatischen Rede lauscht. Ohne viel über die Vita des Exilanten zu wissen, ahnt man, dass sich Stefan Zweig mal wieder sehr verloren fühlt. Die Festreden, die eigentlich ihm gelten, werden auf brasilianischem Portugiesisch gehalten. Und selbst wenn Zweig vielseitig gebildet und in mehreren Sprachen versiert in einem typischen Wiener Großbürgerhaushalt aufwuchs, merkt man doch, dass ihn das Sprachbad überfordert.

Genau das ist von Maria Schrader, die nach "Liebesleben" (2007) erneut einen sehr stilisierten, präzise beobachtenden Schauspieler-Film vorlegt, so gewollt: Ihr Film, für das sie gemeinsam mit Jan Schomburg das Drehbuch geschrieben hat, zeichnet die Stationen der Flucht des Schriftstellers auf dem amerikanischen Kontinent nach. Die Heimatlosigkeit und das sehr existenzielle "Fremdeln" in ungewohnter Sprachumgebung gehören untrennbar zum Erlebnis dazu.

Josef Hader in ungewohnter Rolle

Der Pazifist und nicht ganz freiwillige "Weltbürger" Zweig, der während der Nazizeit neben Thomas Mann zu den bekanntesten Künstler-Exilanten aus dem deutschen Sprachraum zählte, findet zunächst in Rio de Janeiro, dann in Buenos Aires, in Bahia und später in New York Aufnahme. Trotz seiner schriftstellerischen Erfolge überschatten zunehmend Geldsorgen, familiäre Spannungen, aber vor allem die immer endgültigere Gewissheit, dass die Rückkehr in den vertrauten Kulturraum des alten Europas abgeschnitten ist, sein unruhiges Weiterziehen.

Nicht verwunderlich, dass der von starkem Stilwillen und einer ruhigen, teilweise kammerspielartigen Bildsprache geprägte Film ein literatur- und sprachinteressiertes Publikum voraussetzt. Der Mut wird allerdings mit einem nicht ganz alltäglichen Kino-Erlebnis und beeindruckenden Darstellerleistungen belohnt. Allen voran überzeugt Josef Hader in einer ungewohnt ernsten Rolle. Die steht dem melancholischen Wiener, der sich bestens auf Leises und feine Zwischentöne versteht, ausgezeichnet zu Gesicht.

Eine anspruchsvolle Rolle verkörpert Josef Hader auch in seinem neuesten Kinofilm "Nevrland", der im Oktober in den deutschen Kinos startet. Er spielt den Vater von Jakob (Simon Frühwirth), der an schlimmen Angststörungen leidet. Seine Premiere feierte das Drama beim Saarbrücker Filmfestival Max Ophüls Preis, bei dem der Jungdarsteller Frühwirth als "Bester Schauspielernachwuchs" ausgezeichnet wurde.


Quelle: teleschau – der Mediendienst