Die ARTE-Dokumentation erzählt die Geschichte der letzten DDR-Antarktisforscher, die im Oktober 1989 zu ihrer Forschungsstation aufgebrochen waren und aus einer Einfernung von 13.000 Kilometern erlebten, dass die Mauer fiel. Im März 1991 kehrten sie zurück in ein anderes Land.

Noch immer schwärmen die Polarforscher von damals von der unendlichen Weite der Antarktis, von ihrer Schönheit und Stille. Ein Kindheitstraum war für die Umweltforscher aus der DDR im Oktober 1989 in Erfüllung gegangen, als sie mit einem sowjetischen Iljuschin-Transporter in die Antarktis kamen. Die Georg-Forster-Station, 1976 als erste deutsche Forschungsstation auf dem sechsten Kontinent gegründet, sollte für 18 Monate ihr Zuhause werden. Ihre Aufgabe war die Beobachtung von Wasser und Eis, vor allem aber der Ozonschicht über dem Südpol. Die Nachricht vom Fall der Mauer erreichte sie dann mit einem Tag Verzögerung am 10. November. Der Film von Anna Schmidt (ARTE / MDR, 2020) holt aus Anlass des 30. Jahrestags der Wiedervereinigung noch einmal die Wissenschaftler und Techniker der letzten DDR-Antarktisexpedition vor die Kamera, um von der für sie so schwierigen Wende zu erzählen.

Es ist die Geschichte von einem Dutzend Männern, die als Auserwählte in ein Land reisen durften, das 13.000 Kilometer entfernt lag von der heimatlichen DDR. Ihr Ziel, die Georg-Forster-Station, war die erste deutsche Forschungsstation in der Antarktis, gegründet 1976, kurz nach der Unterzeichnung des internationalen Antarktisvertrags, der alle militärischen und wirtschaftlichen Aktionen südlich des 60. Breitengrades verhindern sollte.

Freudig erregte Nachbarn – die Sowjets

Als daheim die Mauer fiel, erreichte sie die von Moçambique aus gesendete Nachricht darüber erst anderntags mit Verspätung. Man glaubte an eine gezielte Falschmeldung, Verunsicherung folgte und "mancher wurde immer kleiner bei den Nachrichten, die er von zu Hause bekommen hat", wie einer der ehemaligen Polarforscher sagt.

Endlose Diskussionen darüber, wie es weitergehen würde, folgten bis hin zum 03. Oktober '90, dem Tag der Wiedervereinigung, der mit einer – ausgerechnet – von den sowjetischen Nachbarn angezettelten Wiedervereinigungsfeier einige Herausforderungen mit sich brachte. Mit einem gemeinsamen Essen am Vorabend, einem Trompetensolo um Mitternacht, dem Einholen der DDR-Flagge auf dem Stationsdach sowie alter und neuer Hymne wurde man den freudig erregten Nachbarn schließlich gerecht.

Hilfe leisteten beim neuen Hymnentext die neun Wissenschaftlerinnen von der 800 Kilometer entfernten Neumayer-Station der BRD, mit denen man nach der Wende vorsichtigen Funkkontakt aufgenommen hatte. Die Erinnerungen einer West-Wissenschaftlerin mit viel Lob für die hilfreichen Tipps der Ost-Kollegen und dem Coaching der Wessis für die kommenden Zeiten der Abwicklung beeindrucken auch noch nach 30 Jahren. Es ist das Paradoxon eines im grenzenlosen Eis erlebten Mauerfalls, das ein letztlich eher schlicht gestaltetes Stück Zeitgeschichte so unter die Haut gehen lässt.

Wende im Eis – Die Geschichte der letzten DDR-Antarktisforscher – Fr. 02.10. – ARTE: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH