Wo ist meine Schwester?
20.03.2023 • 20:15 - 21:45 Uhr
Fernsehfilm, Kriminalfilm
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Originaltitel
Wo ist meine Schwester?
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2022
Fernsehfilm, Kriminalfilm

Das enge Band der Zwillinge

Von Christopher Schmitt

Im vierten Film der auf realen SOKO-Fällen beruhenden Krimireihe begibt sich Heino Ferch in der Hauptrolle des Kommissars Thiel auf die Suche nach einer vermissten jungen Frau. Trägt das besondere Verhältnis der Verschwundenen zu ihrer Zwillingsschwester zur Aufklärung des Falls bei?

Wer nicht selbst eineiiger Zwilling ist, kann die besondere Bindung zu den gleichaltrigen Geschwistern kaum nachvollziehen. Spätestens, wenn der sonst so nüchterne Ermittler Ingo Thiel (Heino Ferch) von einer "Art Telepathie" zwischen Zwillingen spricht, ist in seinem neuen Fall klar: Marie kommt bei der Suche nach ihrer verschwundenen Zwillingsschwester Amelie (beide gespielt von Kristin Suckow) eine Schlüsselrolle zu. Das ZDF wiederholt nun den erstmals 2022 bei ARTE gezeigten, authentischen vierten Teil der von echten SOKO-Fällen inspirierten Krimireihe. Auch der Vermisstenfall, der in "Wo ist meine Schwester?" (Regie: Markus Imboden) erzählt wird, basiert auf den kriminalistischen Erfahrungen des realen Ingo Thiel, der in Mönchengladbach als Hauptkommissar tätig ist.

Bereits zu Beginn des Films wird das besondere Verhältnis der Zwillinge unterstrichen. Gerade eben haben Amelie und Marie noch ausgelassen ihren 31. Geburtstag zelebriert. Amelie entschließt sich, die Party früher zu verlassen, während Marie weiterfeiert. Letztere ereilt eine Art Vision, sie stürzt auf der Tanzfläche. Braucht Amelie ihre Hilfe? War wohl nur der Alkohol. Nein, am frühen Morgen erhält sie einen Anruf von Amelies Freund Jonas (Max Hubacher), der bereits die Polizei verständigt hat – Amelie ist nicht nach Hause gekommen. Bald darauf geht die Vermisstenmeldung raus, die "SOKO Amelie" um Chef Thiel nimmt ihre Arbeit auf.

Vorerst tappen die Polizistinnen und Polizisten völlig im Dunkeln, Zeugen gibt es keine, die Verschwundene scheint keine nennenswerten Feinde zu haben. Als ein Polizeihund Amelies Ohrring im Park aufspürt und die Spur zurück zum eigenen Wohnhaus verfolgt, nehmen die Ermittlungen Fahrt auf. Diese erweisen sich wie in der auf Realismus bedachten Krimireihe üblich, als äußerst kleinteilig und zermürbend. Da brauchen nicht nur die Beamten, sondern auch die Zuschauer einen langen Atem. Entschädigt wird es mit vergleichsweise seltenen Einblicken in Ermittlungsmethoden wie Stimmanalyse oder Kriminalbiologie.

Zerreißprobe für das Verhältnis der Angehörigen

Bei vermissten Personen kommt es bekanntlich auf jeden Tag an. Den Zeitfaktor hätte der Krimi zum Wohle der Spannung jedoch geschickter ausspielen können. Dabei hat Thiel schon relativ schnell einen Verdacht, wer wichtige Informationen verschweigt: Freund Jonas gerät ins Visier des mit allen Wassern gewaschenen Ermittlers, belastende Beweise bleibt er allerdings schuldig. Die ohnehin bis zum Zerreißen gespannten Nerven der Familie belastet der Verdacht zusätzlich, Vorwürfe prägen das Verhältnis der Angehörigen.

Während Marie erste Zweifel kommen, steht ihre Mutter Dorothee (Martina Gedeck) felsenfest an Jonas' Seite. Sie ist von der Unschuld des Rettungssanitäters überzeugt, schließlich sei ihr Schwiegersohn so ein "guter Mensch" und sowieso der "beste Mann", den sie sich für Amelie nur wünschen könnte. Der Zwist fördert alte familiäre Gräben zutage, die sich aus einer Ungleichbehandlung in der Erziehung der Zwillinge ergeben und vom Ensemble glaubwürdig dargestellt werden. Martina Gedeck überzeugt in der ambivalenten Rolle der Mutter, die trotz der Angst um ihr Kind versucht, die Angehörigen zusammenzuhalten.

An Heino Ferchs Gesicht kann man in knapp eineinhalb Stunden Laufzeit kaum eine Regung erkennen. Seine Figur Ingo Thiel wird als desillusioniert, bisweilen kalt gezeichnet. Empathie mit der Familie des Opfers gehört bei der Polizeiarbeit nicht zu seinen Stärken. Stellvertretend hierfür darf ein Dialog mit der jungen Kollegin Conny Roth (Sina Bianca Hentschel) gelten. "Ich glaube immer an das Gute im Menschen", sagt die Polizistin. Die Reaktion des Ermittler-Haudegens: "Das ist nicht unser Job."

Wo ist meine Schwester? – Mo. 20.03. – ZDF: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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