Film im ZDF

"Alle Nadeln an der Tanne": Eine etwas andere Weihnachtskomödie

von Sarah Kohlberger

Nach einem Selbstmordversuch zieht Moritz, der unter einer unkontrollierten Persönlichkeitsstörung leidet, zu seiner Schwester. Mit der Tragikomödie "Alle Nadeln an der Tanne" schuf Regisseurin Mirjam Unger ein wahres Wechselbad der Gefühle.

ZDF
Alle Nadeln an der Tanne
Komödie • 17.12.2020 • 20:15 Uhr

Die meisten Menschen wünschen sich ein harmonisches Weihnachtsfest. Allerdings gab in einer Umfrage im Jahr 2019 knapp ein Viertel der Befragten an, immer oder gelegentlich an den Weihnachtsfeiertagen zu streiten. Dabei ist Weihnachten doch das Fest der Liebe! Dass es manchmal aber einfach nicht leicht ist mit der Harmonie, zeigt die rührende Geschichte der Familie Koslowski in der Komödie "Alle Nadeln an der Tanne", die das ZDF nun eine Woche vor Weihnachten erstmals ausstrahlt. Wobei man zugeben muss, dass Familie Koslowski auch in eine haarsträubende Situation manövriert wird.

Los geht es mit einem Beinahe-Selbstmord: Moritz ("München Mord"-Star Marcus Mittermeier) will sich vom Dach stürzen. Seine Schwester Maria (Anna Loos), die ihn seit Jahren nicht gesehen hat, kann ihn gerade noch aufhalten und nimmt ihn spontan mit nach Hause. Und das, obwohl die Ärztin ihr dringlich davon abrät: Moritz leidet unter einer unkontrollierten Persönlichkeitsstörung, ausgelöst durch ein schweres Schädel-Hirn-Trauma. Er reagiert manchmal anders als erwartet, ist vergesslich und verwirrt, kurzum: Er ist eine tickende Zeitbombe. "Ihr Bruder ist unberechenbar", weiß die Ärztin. Und sie wird Recht behalten.

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Starker Tobak für einen eigentlich heiter gemeinten Weihnachtsfilm. Doch trotz des schockierenden Anfangs lohnt es sich allemal, dranzubleiben. Ein Grund dafür ist ein grandioser Simon Schwarz (der Rudi Birkenberger aus den "Eberhoferkrimis"): Als langweiliger Ehemann Kurt sind ihm die Lacher garantiert, vor allem sein sich durch den ganzen Film ziehender Kampf mit dem Weihnachtsbaum könnte witziger kaum sein.

Recht schnell wird deutlich, dass Regisseurin Mirjam Unger und die Drehbuchautoren Uli Brée und Rupert Henning mit "Alle Nadeln an der Tanne" keine normale Komödie schufen. Durch Moritz wird klar, wie zerrissen die Familie ist: Maria ist unzufrieden mit ihrem langweiligen Leben und ihrer 18-jährigen Ehe mit Kurt, und flüchtet sich zum Ausgleich nicht nur in illegale Mitternachtsaktionen, sondern auch in eine Affäre mit dem Nachbarn. Tochter Emily (Jana Münster) will endlich weg von zu Hause, am liebsten nach Indien, wo sie die Welt retten kann. Und Sohnemann Felix (Leo Bilicky) ist quasi gegen alles allergisch, und wird dementsprechend von Maria bemuttert. Obwohl er Familie eigentlich nicht mag.

Unbedingt erwähnenswert ist Marcus Mittermeiers grandiose Darstellung eines psychisch kranken und verwirrten Erwachsenen, inklusive Ausrastern und Anfällen. Der Schauspieler selbst sei "irritiert und betroffen" gewesen, wie "krass die Persönlichkeitsveränderungen und Ausfallerscheinungen bei Moritz" seien, erklärte er im ZDF-Interview. Er verkörperte wohl die schwierigste, aber auch die wichtigste Schlüsselfigur: Moritz rüttelt die Familie auf, bringt sie zum Nachdenken, und obwohl er kaum etwas sagt, baut er nicht nur eine Verbindung zu Emily auf, sondern bringt auch Maria wieder zum Lachen – die Maria, die von sich selbst behauptet, sie sei "der Montag unter den Menschen".

"Alle Nadeln an der Tanne" ist ein Film, bei dem man oft nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll. Ist es zum Beispiel zum Lachen, als Moritz und Maria sich mitten in der Nacht ins Altenheim schleichen, um sich an ihrem fiesen Vater (Michael A. Grimm) zu rächen – oder ist es eigentlich traurig, dass ihr Verhältnis zu ihm so schlecht ist? Hin- und hergerissen zwischen den tragischen und witzigen Momenten ist es am Ende sogar Ansichtssache, ob der Film nun ein Happy-End hat oder nicht.

Wichtig hinter dem ganzen Gefühlscaos ist allerdings die deutliche Botschaft des Films, nämlich der wertvolle Zusammenhalt einer Familie, trotz aller Krisen. Und natürlich regt auch Marias Wunsch nach Freiheit zum Nachdenken an. Wer sich also in eine Achterbahnfahrt der Gefühle werfen möchte – inklusive stimmungsvoller Weihnachtslieder-Hintergrundmusik -, ist mit "Alle Nadeln an der Tanne" bestens bedient. Weihnachten kann kommen.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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