Die Champions League ist ab der kommenden Saison nicht mehr live im ZDF, sondern nur noch bei Pay-TV-Sender Sky und dem Streamingdienst DAZN zu sehen. Wir erklären, wer wann und was zeigen darf. Eins aber ist klar: Wer sichergehen will, alle vier deutschen Mannschaften immer live und komplett zu sehen, braucht zwei Abos.

Es war ohne Frage keine einfache Aufgabe für die Verantwortlichen von Sky. In München galt es bei einem Gespräch mit Journalisten die Rechtesituation bei der Übertragung der Champions League ab der kommenden Saison zu erklären. Kompliziert wurde das aus zwei Gründen. Zum einen gestaltet sich die Verteilung der 138 Partien zwischen Sky und dem Anbieter DAZN wahrlich nicht einfach. Um zu ergründen, wer wann was live und komplett zeigen darf, bedarf es einer intensiven Auseinandersetzung mit dem neuen komplexen Rechtepaket. Zum anderen muss sich die Pay-TV-Plattform eben auch dem Vergleich mit der nahen Vergangenheit stellen. Und hier zeigt sich: Nachdem bisher alle Spiele der UEFA Champions League live und komplett zu sehen waren, werden es nun nurmehr 34 sein. Die anderen 104 laufen in voller Länge nur bei DAZN. Was Sky dem entgegenhält: Es seien eben jene 34 Partien, die das Publikum vor allem interessierten. Zahlen, die das belegen sollen, wurden in München zahlreiche angeführt.

Sky setzt auf die Champions-League-Konferenz

Wenig überraschend: Der Sky-Zuschauer bevorzugt Partien mit deutscher Beteiligung. Nur zwei Prozent der Nutzung bei Sky machten in der Gruppenphase 2017/2018 internationale Partien ohne deutsche Mannschaften aus. 80 Prozent der Reichweiten wurden insgesamt an den jeweiligen Spieltagen durch die Konferenzen und die deutschen Einspielspiele erreicht.

Was auch bedeutete: Nur 33 Einzelspiele hatten bei Sky in der vergangenen Saison mehr als 100.000 Zuschauer. Als die Verhandlungen mit dem Wettbewerber und neuen Sublizenz-Partner DAZN begannen, war demnach die Zielsetzung für Sky klar: Die Konferenzen sollte es weiterhin geben. Und dazu möglichst viele Spiele mit deutschen Mannschaften, verbunden mit dem Recht, an vielen Spieltagen die erste Wahl zu haben.

Bis 2021 sind die neuen Rechte nun verhandelt. Sky-CEO Carsten Schmidt machte am Dienstag deutlich, dass es sich durchaus um "eine schwierige Ausschreibung" gehandelt habe. "Kompromisse waren notwendig." Dabei habe es die "klare Botschaft der UEFA" gegeben, dass eine Mitwirkung des Free-TV nicht mehr zwingend notwendig sei. Ein Signal, das Sky und DAZN in ihrem Sinne verstanden. Es galt, das ZDF aus dem Markt zu drängen. Was denn auch gelang, als Botschaft für die Zukunft jedoch noch immer nicht bei jedem Fußball-Fan angekommen zu sein scheint: Es gibt keine Champions League im freien Fernsehen mehr.

Immer wieder verwies man auch nun bei der Pressekonferenz in München auf die Folgen für ein Pay-TV, das sich dem gleichen Angebot im freien Fernsehen stellen muss: Mehrere hunderttausend Zuschauer unter den Sky-Abonnenten wählten in der Gruppenphase der vergangenen Saison, als nur noch der FC Bayern als deutscher Vertreter dabei war, das stets ebenso live übertragende ZDF. Für ein wirtschaftliches denkendes Unternehmen wie Sky sei, so Schmidt, ein deutsches Exklusivrecht indes essenziell. Schmidt: "Unser Geschäft kam Mitte Dezember zum Erliegen."

Neue Anstoßzeiten spielen eine Rolle

Was aber erwartet die bestehenden Abonnenten nun im Einzelnen? Beginnend beim Supercup und den Playoffs, an denen deutsche Mannschaften künftig nicht mehr beteiligt sind, zeigt Sky bis hin zum Finale insgesamt 34 Einzelspiele. Aus der neuen Anstoß-Regelung an den Spieltagen ergeben sich darüber hinaus insgesamt 40 Konferenzen, in denen alle Spiele vertreten sind.

In der Gruppenphase werden an jedem der sechs Spieltage künftig zwei Spiele um 18.55 Uhr und sechs Spiele um 21 Uhr angepfiffen. Dabei zeigt Sky an jedem Abend ein deutsches Einzelspiel live. Mittwochs hat Sky dabei jeweils das erste Wahlrecht, dienstags darf Sky am 1., 3. und 5. Spieltag das erste Spiel auswählen. In den anderen Fällen hat DAZN die Wahl. Bei vier deutschen Teilnehmern bedeutet das übersetzt: Es gibt eben nur noch zwölf deutsche Spiele live und komplett, 24 deutsche werden ausgetragen, 96 Gruppenspiele finden insgesamt statt. Zu beiden Sendezeiten gibt es jedoch jeweils eine Konferenz aus allen Partien. In den Zweier-Konferenzen ab 18.55 Uhr darf Sky bis zu 50 Minuten von einer Partie zeigen, in den Sechser-Konferenzen sind es 30 Minuten. Dabei darf (oder muss) man sich jedoch in neun Fällen als Erster entscheiden, welches Spiel es nun sein soll.

Im Achtel- und Viertelfinale zeigt Sky an den zwölf Abenden je eine Konferenz und ein Einzelspiel live und exklusiv. Bei den jeweiligen Hinspielen strahlt der Sender das aus seiner Sicht "beste deutsche Einzelspiel" sowie ein weiteres Einzelspiel pro Abend live aus. Bei den Rückspielen darf Sky an jedem Abend ein Einzelspiel seiner Wahl zeigen, was dann auch exklusiv ist. Darüber hinaus gibt es auch hier die Konferenzen. Wenn wie in diesem Jahr nur eine deutsche Mannschaft das Achtelfinale erreicht, hätte das für Sky-Abonnenten bedeutet: Die Bayern hätte es immer live und komplett gegeben. Sollten indes zwei oder mehr Mannschaften die Vorrunde überstehen, wäre das nicht mehr gewährleistet.

Halbfinale und Finale komplett bei Sky und DAZN

Das Halbfinale und das Finale schließlich gibt es bei Sky, aber auch bei DAZN komplett. Das Finale würde bei deutscher Beteiligung den Vorgaben zufolge im Free TV, also voraussichtlich bei Sky Sport News HD ausgestrahlt.

Was all diese Regelung für die Fußball-Fans dann tatsächlich bedeuten werden, lässt sich derzeit trotz allem nur schwer einordnen. Klar ist: Wer immer sicher sein will, "seine Mannschaft" komplett live zu sehen, muss beide Abos abschließen. Wer sich mit Konferenzen begnügen würde, dem reicht das Sky-Angebot aus. Die Nutzung ist dabei anders als beim Internet-Anbieter DAZN über alle Verbreitungswege möglich.

Zur neuen Saison überarbeitet Sky dabei auch seine Kostenstruktur: Leicht angestiegen sind die Kosten für die Bundesliga, obwohl Sky hier seit der vergangenen Saison weniger Spiele übertragen darf als bisher. Eurosport sicherte sich unter anderem die Freitags- und die Montagsspiele. Künftig zahlt der Sky-Kunde hier 39,99 Euro. Reduziert wurden indes die Preise für das Sport-Paket. Nachdem große Teile der Champions League und auch die Formel 1 wegfallen, sind hierfür noch 29,99 Euro statt wie bisher 37,49 Euro fällig. Hinzukommen zehn Euro für eine HD-Option. Gestrichen wurden indes die zehn Euro, die bisher für eine Zweitkarte ausgegeben werden mussten.

Unterschiedliche Preise für Sky und DAZN

Erhalten bleibt dabei die Sky-Politik, Neukunden gegenüber Bestandskunden deutlich zu bevorteilen. Wer aktuell ein Zweijahres-Abo für Sky Bundesliga abschließt, zahlt im ersten Jahr nur 19,99 Euro im Monat und erst im zweiten Jahr die kompletten 39,99 Euro. Das Sportpaket wird in diesem Fall für zunächst 14,99 Euro angeboten, im Jahr zwei dann für 29,99 Euro. DAZN verlangt für sein Streaming-Angebot 9,99 Euro im Monat.


Quelle: teleschau – der Mediendienst