Nein, mit der von Gilbert Bécaud glühend bewunderten Fremdenführerin "Nathalie" vom Moskauer Roten Platz im gleichnamigen Chanson hat diese Nathalie (Peri Baumeister) nichts zu tun. Kaum begreiflich, warum sich Ben (Kai Lentrodt), der Dritte im Bunde im "starken Team" neben den beiden Hauptakteuren Otto und Linett, in Schülerzeiten mal in diese Dame verliebt hat und ihn nun nach all der Zeit zumindest die Libido von Neuem überkommt. Nathalie stammt aus reichem Hause, ihrem Vater hat mal "die halbe Kö" gehört, nun ist sie abgesunken ins allertiefste Berliner Gangster-Milieu. Der ZDF-Krimi "Ein starkes Team: Nathalie" läuft nun zur besten Sendezeit in einer Wiederholung.

"Nathalie" (gut 5 Millionen Zuschauer bei der Erstsendung) war 2016 der dritte Fall des neu formierten "starken Teams", bestehend aus Otto (Florian Martens) und Linett (Stefanie Stappenbeck). Alles beginnt auf einem Sportschießstand, den die Polizei wegen Renovation der eigenen Schießstätte angemietet hat. Ein Häuflein Maskierter dringt ein, als das Ermittler-Duo den Ort schon verlassen hat – und knallt den Schießstättenleiter nieder. Nur Ben, der noch auf der Toilette weilte, erkennt ein Frauengesicht, entsetzt über das Geschehene.

Die flüchtenden Täter erbeuten eine Handvoll Waffen. Offensichtlich planen sie einen größeren Coup. Bloß welchen? – Das zu ergründen, machen sich die Berliner Kommissare auf einen langen, teils wirklich umständlichen Weg, auf dem Kommissar Zufall mal wieder eine entscheidende Rolle spielt. Ben jedenfalls gerät zwischen die Fronten: Einerseits zieht es ihn zur Gangsterbraut Nathalie hin, andererseits will und muss er den Kollegen bei der Aufklärung des Falles helfen.

Daraus hätte man ein tolles Psychodrama machen können, doch sind daran weder der Autor (Leo P. Ard) noch die Protagonisten besonders interessiert. Peri Baumeister fehlt die Zwielichtigkeit der gefallenen Nathalie, und Kai Lentrodt hakt die Sache in der verlässlich trockenen Art eines Serienkrimis ab. Ohnehin stellt sich die Frage, ob der Kniffel-Stoff wirklich für 90 Minuten taugt. Spannung kommt hier trotz der versierten Inszenierung des Regisseurs Roland Suso Richter ("Mogadischu") eher selten auf.

In diesem etwas faden Krimi-Kontext wirkt Jaecki Schwarz als Ex-Bulle "Sputnik" wie eine Erlösung. Diesmal hat er eine asiatische Edellounge eröffnet. "Das Bier kommt aus Nepal", wird Otto beschieden, als er die hohe Rechnung moniert. Der Laden-Inhaber sieht dabei wie ein lebender Buddha aus. Aber auch Bernd Michael Lade als Zöpfchen tragender Zocker und Michaela Caspar als trauernde Opfer-Frau sorgen für etwas Salz in der lauen Suppe. Doch den eher fantasielosen Plot können auch sie nicht retten.


Quelle: teleschau – der Mediendienst