Es ist eine eklige, eine perfide Situation: Da hastet die Studentin Doro Meisner (Svenja Jung) von einer Party zu ihrem Auto, offensichtlich in Panik, vielleicht verfolgt, und telefoniert dabei völlig aufgelöst mit ihrer Mitbewohnerin Laura Nix (Kyra Sophia Kahre). Doch es ist zu spät. Laura muss mit anhören, wie Doro auf bestialische Weise erdrosselt wird. Mit einem Kabelbinder. Ein unschöner Auftakt.

Die ersten Ermittlungen führen Hennie Sieland (Alwara Höfels) und Karin Gorniak (Karin Hanczewski) zu einem Dating-Portal, bei dem Doro als "Birdy" angemeldet war. Und zu einem abstrusen Motiv: Birdy soll Dutzende Männer um Geld betrogen haben, weshalb diese sich als "Vogeljäger" im Netz zusammengetan und Jagd auf die 22-Jährige gemacht haben. Ist in diesem kuriosen Umfeld der Täter zu suchen?

Sieland und Gorniak jedenfalls ermitteln unter Hochdruck, denn nach einem Zeitungsartikel ist auch Nix in höchster Gefahr. Und Kommissariatsleiter Schnabel (Martin Brambach) macht den beiden auch noch Druck – wie üblich.

So konstruiert der Fall in Teilen auch sein mag – pointiert gespielt und stringent inszeniert ist er. Und was ihm an Spannung fehlt, versucht er durch Charaktertiefe wieder wettzumachen, was ihm teilweise auch gelingt. So bekommen einige Szenen etwas Beklemmendes und gleichzeitig Anheimelndes, andere wiederum schwanken zwischen einem Anflug von Erotik und subtilem Unbehagen. Und in seinen besten Momenten, da wirkt "Wer jetzt allein ist" wie einer dieser britischen 60er-Jahre-Krimis – nur schade, dass sich Sieland und Gorniak nicht auch noch darauf einlassen, die klassische Ermittlerrolle zu übernehmen, sondern in diesen Fall fast schon hineinstolpern. Mit allen Fehlern, die dazugehören – auch Fehlern des Drehbuchs.

Die Tristesse, die diesen Tatort durchzieht, wird dabei verstärkt durch das Licht, beziehungsweise: die Dunkelheit. Immer wieder verschwinden die Figuren im Schatten, immer wieder tauchen ganze Szenen ins Halbdunkel ab. Das ist stimmungsvoll auf der einen, aber auch anstrengend auf der anderen Seite. Womit wir schon bei den Hauptfiguren wären, auf die das teilweise auch zutrifft.

Dabei sticht vor allem Daniel Donskoy hervor, der dem Zuschauer in der Rolle von Andreas Koch, einem der Verdächtigen, mal als selbstverliebter Schönling, mal als verletzlicher Großgrundbesitzer (was in Dresden: Villa mit Park heißt) erscheint und sich auch alle Mühe gibt, diese Rolle auszufüllen. Doch vielleicht hat man diesen nervtötenden Typus Mann einfach schon zu oft gesehen, als dass man ihm das Geheimnisvolle noch abnehmen würde.

Ganz anders: Aleksandar Jovanovic als zweiter Verdächtiger Petrick Wenzel, der uns selbst dann, als ihn Hennie Sieland nach einem Verhör ordentlich zusammenfaltet, noch einen ungemein glaubwürdigen Einzelgänger präsentiert – auch wenn die sterbenskranke Mama, die er im ersten Stock pflegt, doch wieder arg viel Klischee ist. Mimik und Gestik aber sind auf den Punkt.

Spätestens, wenn dieser Tatort nach nur 70 Minuten schon seinen Mörder hat, ahnt der Zuschauer, dass er Recht behalten wird mit seinem Unbehagen, dass ihm Regisseurin Theresa von Eltz recht clever untergeschoben hat. Dass mehr hinter diesem Fall steckt, als er und auch die beiden Ermittlerinnen auf den ersten Blick gedacht haben. Soweit zu einer der Stärken dieses Falls, denn die letzten 20 Minuten gehören tatsächlich zu den spannenderen – auch wenn sich von Eltz und Kameramann Juan Sarmiento G. hier einige filmische Floskeln und Vorhersehbarkeiten erlauben. Dass er sich dann aber nicht mal traut, das Motiv des Täters ordentlich aufzulösen, ist feige.

Dafür aber leistet er sich eine schöne Pointe – und ein durchaus rührendes Finale. Und das ist ja auch mal was.