Die Verfilmung von Daniel Kehlmanns Roman "Ruhm" sollte man nicht zwingend als Adaption bewerten, sondern als eigenständiges Werk beurteilen. Regisseurin Isabel Kleefeld legte "Ruhm" (2012) als Episodenfilm mit exzellenten Akteuren für ein intellektuelles Publikum an. Sie reduzierte die Zahl der Geschichten aus dem Buch nicht nur von neun auf sechs, sie verwischt die Wirklichkeit auch nicht im Stil von Kehlmann. 3sat wiederholt nun Kleefelds Kinodebüt, das mit Anspruch unterhalten möchte.

Der technophobe Elektroingenieur Joachim Ebling (Justus von Dohnányi), bislang kein Freund des mobilen Telefons, stürzt mit dem Kauf eines solchen ins Abenteuer. Er wird verwechselt und bekommt Anrufe, die so spannend sind, wie er es nur aus Filmen kennt. Der Biedermann entwickelt ungeahnten Mut und beginnt, mit einer fremden Identität zu spielen.

Diese dürfte dem Filmstar Ralf Tanner (Heino Ferch) gehören: Eigentlich ist der Schauspieler genervt von seiner uferlosen Popularität, ebenso groß ist jedoch seine Sorge, dass irgendetwas mit seinem Telefon nicht stimmt, denn er bekommt deutlich weniger Anrufe als gewöhnlich. Das allein kann einen Star aus der Balance bringen. Wenn dann noch ein Doppelgänger auftaucht, in dessen Schatten sich der Prominente verstecken kann, ist ein prächtiger Ausgangspunkt für Verwicklungen erreicht.

Eitle Männer kommen in "Ruhm" ins Stolpern. Auch Schriftsteller Leo Richter (Stefan Kurt) zählt dazu, seines Zeichens ähnlich populär wie Tanner. An seiner Seite steht die schöne Elisabeth (Julia Koschitz), die jedoch kein Dekomaterial ist, sondern Ärztin in Krisengebieten. Die Handlung um den Autor verzweigt sich: Senta Berger kämpft sich als krebskranke Romanfigur durch eine fremdgesteuerte Fantasiewelt. Gabriela Maria Schmeide hingegen müht sich in einer trostlosen und recht abgedroschenen Episode als Kollegin Leo Richters abgeschlagen vom zentralen Geschehen auf einer Lesereise durch den Ostblock.

Während Schmeides Rolle recht undankbar erscheint, loten Stefan Kurt, Heino Ferch, Justus von Dohnányi und Co. auf unwiderstehliche Weise die Tiefen ihrer Charaktere aus. Sogar Kehlmann, der keine Bedingungen stellte, was das Skript betraf, erhielt einen kleinen Gastauftritt inklusive Selbstbeweihräucherung: Er reiht Pressezitate über sein Werk sinnfrei aneinander. Auch diese Rede schrieb Kleefeld, die in ihrem Film in erster Linie von der Sehnsucht erzählen will: der Sehnsucht nach einem gelungenen Leben.


Quelle: teleschau – der Mediendienst