Vor der absolut größten deutschen Lyrikerin und Songschreiberin unserer Zeit verneigte sich am Dienstagabend die südafrikanische "Sing meinen Song"-Sektrunde: Judith Holofernes. Der Castingshow-Heini Mark Forster und seine Gäste wurden gar nicht müde, das zu betonen. Stimmt natürlich nicht. Wir haben immer noch Reinhard Mey, und Herman van Veen singt auch immer noch auf Deutsch.

Wobei: Man kann auch bei dem selbst für "Sing meinen Song" überragenden Superlativ "Größter Songschreiber Deutschlands" streng zwischen Mädchen und Jungen trennen, wie in einem katholischen Internat. Dann kann man Judith Holofernes auf der Frauenseite aufs Podest heben. Die Musikerin hat in den 2000ern mit ihrer Band "Wir sind Helden" aber vor allen Dingen noch etwas ganz anderes geleistet, als großartig zu sein: Deutsche Musik lief auf einmal wieder zuhauf im Radio.

 

Endlich ein Schild mit meinem Namen. #alien #latergram

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Der 34-jährige Mark Forster war da noch ganz klein. Dementsprechend ehrfürchtig fiel die dritte Folge von "Sing meinen Song" am Dienstagabend aus. Forster dirigierte, wie gewohnt, handzahm durch den Wodka- und Sekt-geschwängerten Abend. Er machte außerdem keinen Hehl daraus, dass er ein kleiner Fanboy von der Holofernes ist. Die dürfte allerdings auch, anders als die Schlagersängerin Mary Roos oder der allzu glatte Johannes Strate, so ziemlich jeder Deutsche gut finden. Bei den Helden mit ihren großen Liedern wie "Denkmal", "Gekommen, um zu bleiben" oder "Aurélie" finden alle einen Konsens.

"Ich war innerlich ganz zereumelt"

"Die steht für Schlauness", sagte Mark Forster schlau. Wo er recht hat. Selten hat jemand in Deutschland eingängige, radiotaugliche Musik mit so klugen Texten gemacht wie Judith Holofernes als Frontfrau von Wir sind Helden. Seit sechs Jahren pausiert die Band. Holofernes verriet bei "Sing meinen Song" auch, warum: "Ich war ganz zereumelt innerlich." Der Erfolg bringe nicht nur gute Seiten mit sich. Müde, erschöpft und ausgelaugt war sie, ständig auf Tournee mit zwei kleinen Kindern und ihren Bandkollegen. Dem letzten Album der Band, "Bring mich nach Hause", hört man das an.

Außerdem, so Holofernes, schlauchte es, dass die vier Bandmitglieder in drei verschiedenen Städten wohnten: Berlin, Hamburg und Hannover. Sie zog die Reißleine, fing alleine neu an. Die Holofernes macht immer, was sie will, seit sie in ihren Zwanzigern gegen den Willen ihres besorgten Vaters ihr Studium abgebrochen hat und einfach alles auf die Musik gesetzt hat.

Seit mittlerweile sechs Jahren ist sie nun solo unterwegs. Außerdem schreibt sie Tiergedichte. Den Zuschauern am Dienstagabend gab die ehemalige Studienabbrecherin und einstige Straßenmusikantin, die manchmal vier Stunden auf der Couch sitzt und dabei gezielt nichts tut, einen Rat ganz à la Holofernes mit auf den Weg: "Man darf Lebensglück und Freude auf keinen Fall aufschieben. Es gibt niemanden, der auf dem Sterbebett sagt, dass er gerne ein kleines bisschen mehr gearbeitet hätte."

Am Dienstag, 22. Mai, wird es bei "Sing meinen Song" spannend. Denn dann interpretieren die Musiker um Mark Forster die Songs des "Alphaville"-Sängers Marian Gold.