"ZDF macht die Killer-Nazis zu Opfern", titelte im vergangenen November die "Bild"-Zeitung. Eine halbe Seite nahm sich das Blatt, um den ZDF-Krimi "Dengler: Die schützende Hand" gnadenlos auseinanderzunehmen. Tatsächlich war der dritte Film der Reihe nach Romanen von Wolfgang Schorlau gefundenes Fressen für Verschwörungstheoretiker. Der deutsche Staat, so die gelinde gesagt forsche These des Drehbuchs von Lars Kraume, habe die NSU-Killer Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt ermorden lassen. Eben dieser Lars Kraume, als Filmemacher preisdekoriert unter anderem für "Der Staat gegen Fritz Bauer" (2015), hat nun auch Film vier der Reihe geschrieben. "Fremde Wasser" flirtet noch immer mit obskuren Ideen. Neonazis kommen aber diesmal nicht darin vor.

Diesmal geht es für Dengler, den seltsam lässigen und gleichzeitig bärbeißigen Privatschnüffler und Ex-BKA-Ermittler, nach Griechenland. Konstantinos Kolidis (Michael Sideris), ehemaliger Lobbyist, kommt zusammen mit seiner Familie ums Leben, als seine Jacht in die Luft fliegt. "Auftragsmorde sind sehr aufwendig. Teuer und äußerst selten", bestätigt Fachmann Dengler die Version der griechischen Polizei, nach der es sich um einen Unfall handelt. Dr. Larson (Thekla Reuten) will dennoch, dass Dengler den Fall erneut untersucht. Die resolute Dame arbeitet für ein Unternehmen, das Wasserversorger im Kampf gegen Übernahmen durch private Investoren unterstützt. "Wasser ist das Öl der Zukunft", weiß sie. Kolidis, der tote Grieche, wollte als Insider auspacken über Korruption im viele Milliarden schweren Wasser-Business.

In Athen erfährt Dengler von einem griechischen Sonderermittler mit dem schönen Namen Sokrates (Alexis Georgoulis), dass die Leiche des Wasser-Insiders noch nicht gefunden wurde. Lebt der Mann etwa noch? Und wer wollte seinen Tod? Seine Ermittlungen führen Dengler und seine Hacker-Kollegin Olga (Birgit Minichmayr) auf die Spur eines konservativen deutschen Bundestagsabgeordneten (Max von Pufendorf), der entgegen der Linie seiner Partei gegen skrupellose Wasserprivatisierer kämpft. Beim Fraktionsvorsitzenden (Frank Röth) kommt er damit nicht gut an.

Und schon ist sie wieder da, die große Politik. Einmal mehr wittert Dengler Verschwörung und Kungelei allerorten und bedient sich bei seinen Ermittlungen Methoden, die andere längst hinter Gitter gebracht hätten. Zwischenrein funkt immer wieder auch das schwierige deutsch-griechische Verhältnis: "Das ganze Land gehört euch", seufzt Ermittler Sokrates. Doch die reale Tagespolik bleibt diesmal nur Hintergrundrauschen. Denn anders als noch der unsägliche Nazi-Murks von vergangenen Jahr basiert "Fremde Wasser" nur lose auf wahren Begebenheiten. Weniger spannend macht das den Film (Regie: Rick Ostermann) aber nicht. Zumal die ZDF-Produktion gegen Ende mit einer Wendung aufwartet, die selbst erfahrene Krimigucker überraschen dürfte.


Quelle: teleschau – der Mediendienst