ARTE-Doku

"Das Geschäft mit dem Terror": Welche Rolle spielen Geheimdienste?

von Andreas Schoettl

Vor fünf Jahren forderten die Terror-Anschläge von Paris 130 Tote und viele hundert Verletzte. Eine ARTE-Doku deckt auf, wie und welche Geheimdienste den islamistischen Terror erst ermöglichten. 

ARTE
Das Geschäft mit dem Terror
Dokumentation • 13.11.2020 • 22:15 Uhr

Die Organisation ist weniger bekannt als etwa der IS oder Al Qaida: Lashkar-e-Taliba. Doch dieser islamistischen "Armee der Reinen" werden zahlreiche Anschläge zugeschrieben, darunter die Attacken von Mumbai im November 2008. Ihre blutige Spur führt bis nach Europa. Das Perfide an dieser Terrorgruppe, die in zahlreichen Camps auch westliche Kämpfer ausgebildet hatte, ist: Sie wurde vom pakistanischen Geheimdienst ISI gegründet und ist eng mit ihm verwoben. So sitzen die Drahtzieher von Terror ausgerechnet inmitten eines Geheimdienstes, den westliche Verbündete als "Partner" bezeichneten – darunter auch der deutsche BND oder die US-amerikanische CIA.

Die investigative Dokumentation des renommierten Filmemachers Daniel Harrich ("Der blinde Fleck", "Meister des Todes") deckt so ein erschütterndes Geschäftsmodell mit dem Terror auf. Denn solange im Westen die Furcht vor Anschlägen herrscht, geben unter anderem die Europäer noch mehr Geld an Pakistan – angeblich zur Bekämpfung von Terrorgruppen. Doch das zynische Doppelspiel des angeblich befreundeten Geheimdienstes ISI lautet: Je mehr Geld, desto mehr Terror. Je mehr Terror, desto mehr Geld.

In Harrichs ausgezeichneten Film bestätigen mehrere ehemalige Chefs westlicher Nachrichtendienste, dass diese Masche seit vielen Jahren bekannt sei. Dennoch hielten sie an der Zusammenarbeit fest. Asad Durrani räumt diesen unfassbaren Dreh auch noch ein. Der ehemalige Chef des ISI sagt erstaunlich offen: "Wenn du ein doppeltes Spiel spielst, spiel das Spiel, aber spiel es gut. Die eine Gruppe ist für sie nützlich, die andere für mich. Und ich werde sie unterstützen. Sie kann aber außer Kontrolle geraten wie das bekannte Frankenstein-Monster in der deutschen Literatur. Das kann passieren."


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
Das könnte Sie auch interessieren