"Gerade in diesem Jahr"

Fränkische Fastnacht findet statt – zumindest im TV

von Alexander Franck

Bekanntlich leben wir in harten Zeiten – Corona trifft alle, auch die Feierwütigen. Für Fasching, Straßenkarneval und Co. sieht es düster aus, doch ausgerechnet zum Saisonstart am 11.11. kommt nun aus Franken ein lautes Zeichen der Hoffnung. Geht da vielleicht doch noch was in Narrenkreisen?

Zumindest im TV sind zur traditionsreichen Fränkischen Fastnacht umfangreiche Festivitäten geplant. "Fest steht: Es wird Fastnacht gefeiert im BR Fernsehen – auch in Zeiten von Corona!", heißt es mit geradezu trotzigem Ausrufezeichen in der entsprechenden Verlautbarung des Bayerischen Rundfunks.

"Es ist eine besondere Saison, in der vieles anders sein wird als gewohnt", so die BR-Verantwortlichen, die am Dienstag gemeinsam mit dem Fastnacht-Verband Franken die Programm-Highlights präsentierten – selbstredend alles im vorgegeben Rahmen der Maßnahmen zur Pandemie-Bekämpfung. Marco Anderlik, der Präsident des Fastnacht-Verbands Franken, mahnte die Narren denn auch, verantwortungsvoll mit der Pandemie umzugehen. Er wünsche sich, "dass es uns gelingt, trotz aller Widrigkeiten Frohsinn und Heiterkeit zu den Menschen zu bringen".

"Das wird die längste Polonaise der Welt – weil jeder einen Meter fünfzig Abstand hält", singt der fränkische Kabarettist Michl Müller in seinem neuen Fastnacht-Song. "Die längste Polonaise der Welt" ist der offizielle Titel des Bunds deutscher Karneval für die Fastnacht-Session 2020/2021. Das sagt natürlich einiges aus über das Standing, das die sonst gerne mal unterschätzten Franken in der Szene inzwischen genießen. Und es kommt nicht von Ungefähr: Die Prunksitzung zur Fastnacht in Franken aus Veitshöchheim ist einfach Kult. 2020 gab's im BR rund dreieinhalb Stunden Programm und einmal mehr eine Spitzenquote. Im Rekordjahr 2017 saßen fast viereinhalb Millionen Fastnachtfreunde vor dem Fernseher. So ein Highlight will man sich auch in Zeiten von Corona nicht nehmen lassen.

"Ich bin stolz, das Lied für diese Kampagne beizusteuern", freut sich der aus Bad Kissingen stammende Kabarettist Müller über die bundesweite Tragweite seines Ohrwurms. Klaus-Ludwig Fess, der Präsident des BDK betont, dass der Song auch als ein Zeichen ins Land zu verstehen sei. "Wir lassen uns nicht unterkriegen", erklärte er am Dienstag. Auch Tassilo Forchheimer, Leiter des BR-Studios Franken, unterstrich die Bedeutung der Fastnacht – gerade in der aktuellen Situation: "Weite Teile des sozialen und kulturellen Lebens sind komplett zum Erliegen gekommen. Gleichzeitig spüren wir, dass die Menschen Sehnsucht nach Normalität haben, und sie wollen auch mal lachen können in diesen schwierigen Zeiten. Daher sehen wir uns in einer ganz besonderen Verantwortung. Wir wollen diese Fastnacht-Tradition, die es im Moment so nicht geben kann, am Leben halten – gerade in diesem Jahr."

Ein Kernproblem ist die Fragilität der Lage – niemand weiß, wie es in einigen Wochen aussieht. "Die vorläufigen Planungen müssen fast täglich an die sich verändernde Situation angepasst werden. Und am Ende gilt wie beim Lotto: Alles ohne Gewähr!", ließ sich Tassilo Forchheimer zitieren. Doch – soweit die BR-Mitteilung – "wenn alles gut geht, gibt es in der Session 2020/21 voraussichtlich sogar noch etwas mehr Fastnacht im BR Fernsehen." Diesmal soll es bereits "zwischen den Jahren" losgehen: Bereits am 28. Dezember steht ein "Närrischer Jahresrückblick" im Programm, und am 6. Januar 2021 heißt es "Auf die Plätze ... Fertig ...Tusch!" Es folgen die BR-Sendungen "Die närrische Weinprobe" (8. Januar), "Franken Helau" (22. Januar) und zum Abschluss der Saison "Wehe wenn wir losgelassen" (14. Februar).

Der Höhepunkt ist einmal mehr in den Mainfrankensälen in Veitshöchheim geplant – doch mit Business as usual hat die Corona-Sause am Freitag, 5. Februar, zur besten Sendezeit dennoch wenig zu tun: "Diesmal fehlen wichtige Akteure der Sendung – das Publikum und damit auch die Politiker", so der BR, der sich sonst bei diesem Anlass über die wunderbaren Bilder verkleideter Spitzenpolitiker freuen darf. Das gibt es diesmal nicht – außerdem kann die Kultsendung ausnahmsweise nicht live ausgestrahlt werden. Genaueres steht noch nicht fest.

"Die BR-Redaktion und der Fastnacht-Verband Franken sind mit den Künstlerinnen und Künstlern im kreativen Austausch und arbeiten noch an vielen Details", sagt BR-Redaktionsleiter Norbert Küber. Aber, so scheint es Stand jetzt jedenfalls auszusehen: A bisserl was geht immer, in Franken. Oder um es mit den Worten aus Michl Müllers lustigem Song zu sagen: "Wir sind dabei, auf jeden Fall, wir feiern Fastnacht, Fasching Karneval.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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