Das ZDF zeigt am 5. Februar den Spielfilm "Der namenlose Tag". Regisseur Volker Schlöndorff inszeniert den gleichnamigen Roman von Bestsellerautor Friedrich Ani beeindruckend.

Die Antwort aus New York kam binnen 24 Stunden: "You made my day", schrieb Oscar-Preisträger Volker Schlöndorff dem Produzenten Jens C. Susa, nachdem dieser ihm den Kriminalroman "Der namenlose Tag" von Bestseller-Autor Friedrich Ani geschickt hatte. Der Krimi über den pensionierten Kommissar Jakob Franck, der Angehörige von Verstorbenen als „Todesbote“ informieren musste, bekam 2016 den Deutschen Krimipreis. Im Ruhestand hofft Franck darauf, ein Leben jenseits der Toten führen zu können. Doch die Vergangenheit holt ihn schnell ein.

Volker Schlöndorff schrieb das Drehbuch. So wird "Der namenlose Tag" auch als Film zum Ereignis – visuell, stilistisch, erzählerisch. "Als mir Produzent Jens Susa mitteilte, er habe Volker Schlöndorff als Regisseur gewonnen, hatte ich kurz einen inneren Erdrutsch zu bewältigen", verrät Friedrich Ani. Und: "Das war ein Moment des Glücks und der Ermutigung und auch der Vorfreude, den von mir über so viele Jahre hoch verehrten Regisseur persönlich treffen zu können."

Wie aus der Stummfilmzeit

Schlöndorff ist bekannt für seine großartigen, preisgekrönten Literaturverfilmungen wie "Die Blechtrommel" nach Günter Grass oder "Homo Faber" von Max Frisch. Aber ein Krimi? Das war Neuland. "Er hat das Genre perfekt bedient, ohne sich eingefahrenen Regeln zu unterwerfen", sagt Ani.

Schlöndorff selbst war zunächst skeptisch: "Ich war mir nicht sicher, ob genug Spannung für einen Film aufkommen würde, denn genau genommen passiert ja nichts – kein Schusswechsel, keine Verfolgungsjagd." Auch war er sich unsicher, ob er "so etwas" überhaupt könne, eben einen Prime-Time-Krimi für ein breites Publikum zu inszenieren. Aber er kann. Und wie! "Es sollte wie ein Film aus der deutschen Stummfilmzeit wirken, mit viel Stimmung, Hell-Dunkel-Kontrast und einer sehr einfachen, klaren Kameraführung", erklärt Schlöndorff. Damit hat er einen Kriminalfilm der besonderen Art geschaffen. Wer ihn am Set – gedreht wurde in Erfurt und Berlin – erlebt, merkt schnell, wie er sich in den Filmstoff vertieft hat. Und wie er als Regisseur seine Schauspieler immer wieder zu Höchstleistungen führt.

Ein Kommissar der anderen Art

Allen voran Thomas Thieme, der in seiner Rolle als Jakob Franck so ziemlich alles in den Schatten stellt, was man so landauf, landab an Kommissaren gewohnt ist. Warum Thieme der Richtige für die Figur des Jakob Franck ist? "Er hat die Ruhe und Empathie, die er als Todesbote braucht. Er wirkt nicht wie ein abgebrühter Kommissar, sondern wie einer, dessen Haut immer dünner geworden ist, ein Melancholiker", sagt Schlöndorff.

Brillant auch Devid Striesow, der ungemein authentisch einen verzweifelten Mann spielt, der nicht an den Selbstmord seiner Tochter glauben und damit die Realität nicht wahrhaben will. Striesow über die Dreharbeiten mit Schlöndorff: "Ich bin einem unglaublich sensiblen, scharfsinnigen Menschen begegnet, der die Situationen ganz feinfühlig in Szene setzt und einem als Schauspieler immer das Gefühl geben kann, dass man diese Arbeit gemeinsam bewältigt – mit großer Freude und Spaß am Beruf."