Nachdem auch in Deutschland immer wieder Fälle von Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche bekannt wurden, versprach diese Aufklärung. Doch wurde Wort gehalten?

Rund zehn Jahre ist her, dass in Deutschland erschütternde Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche erstmals publik wurden. Ehemalige Schüler des Canisius-Kolleg, einem katholischen Gymnasium in Berlin, erhoben schwere Vorwürfe gegen ihre einstigen Lehrer. Vor allem in den 1970er- und 1980er-Jahren war von einzelnen Jesuiten systematischer sexueller Missbrauch verübt worden. Als Reaktion darauf veröffentlichte die Deutsche Bischofskonferenz im September 2018 eine in ihrem Auftrag erstellte wissenschaftliche Untersuchung über "Sexuellen Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige". Diese sogenannte MGH-Studie belegte schließlich, wie flächendeckend der Missbrauch war. Aus kirchlichen Personalakten ging hervor, dass seit 1946 mehr als 1.600 Täter mehr als 3.600 Kinder missbraucht haben. Im Schnitt wären von 100 Geistlichen vier Missbrauchstäter.

Die Kirche versprach weitere Aufklärung. Und Entschädigung. Doch was ist seitdem wirklich passiert? Um unter anderem diese Frage zu beantworten, begleitete Christina Zühlke im Rahmen der Reihe "Echtes Leben" über die Dauer eines Jahres die Mitglieder des Kölner Betroffenenbeirats. Dieser wurde im November 2018 von dem Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki gegründet. Das Besondere: Dem zehnköpfigen Beirat gehören nur Betroffene von sexueller Gewalt in der katholischen Kirche an – und keine der sogenannten Experten.

Doch Beiratsmtiglieder wie Karl Haucke oder Patrick Bauer sind mittlerweile enttäuscht. Sie sagen: "Uns läuft die Zeit davon. Unter den Betroffenen sind viele alte Menschen. Und die sterben!" Tatsächlich hat die Kirche bislang nur in einzelnen Fällen jeweils nur bis zu 5.000 Euro an Betroffene bezahlt. Als "Symbol der Anerkennung ihres Leids", wie es hieß. Weiter wurden die wenigsten Täter zur Rechenschaft gezogen. Auch zur Veröffentlichung der Namen von Tätern und deren Umfeld ist es nicht gekommen. Dabei hatte Kardinal Woelki genau dies angekündigt.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH