Srulik flieht 1942 aus dem Warschauer Ghetto. Der kleine Junge – er ist gerade einmal neun Jahre alt – hat mit Wind, Schnee und Kälte zu kämpfen. Drei Jahre soll seine Flucht dauern ...

Wind, Schneesturm, Kälte. Ein Junge kämpft sich durch diese Unwirtlichkeit, bricht immer wieder ein in sumpfiges Eis. Er ist nahe am Abgrund und scheint sehr bald vor Erschöpfung zu sterben. Doch da ist die Stimme des Vaters, die ihn in der Erinnerung anfleht: "Du musst überleben!". So beginnt Pepe Danquarts Verfilmung des Jugend-Bestsellers "Lauf Junge lauf" von Uri Orlev, der darin die Lebensgeschichte des Holocaust-Überlebenden Yoram Fridman erzählte. Es ist eine beinahe unglaubliche Geschichte, die von der dreijährigen Flucht eines neunjährigen jüdischen Jungen aus dem Warschauer Ghetto berichtet, der sich in die Wälder rund um Warschau schlug und immer wieder den deutschen Häschern entkam. Harte Momente, aus der Sicht eines Kindes erzählt, und doch voller Grausamkeit und Verzweiflung. ARTE zeigt den Film nun als Wiederholung zur besten Sendezeit.

Immer wieder gelingt es Danquart und seinem Drehbuchautor Heinrich Hadding ("Die Päpstin", "Das Wunder von Bern") die Spannung hochzuhalten. Immer aufs Neue beginnt die schreckliche Flucht, immer wieder stellen sich gefährliche Hindernisse in den Weg. Zudem wird die Handlung nicht einfach linear erzählt, sondern in zusätzlichen Rückblenden: In letzter Minute war es dem kleinen Srulik (Andrzej und Kamil Tkacz) gelungen, auf dem Leiterwagen eines Bauern das Ghetto zu verlassen und den prüfenden Bajonettstichen der Wachhabenden zu entgehen.

Im Wald trifft Srulik auf andere jüdische Jungen, die gleichfalls vor den Deutschen geflüchtet sind. Er lernt von ihnen zu überleben, auch zu rauben und zu stehlen. Aber auch, sich vor polnischen Bauern in Acht zu nehmen, viele von ihnen liefern jüdische Flüchtlinge gegen ein Kopfgeld an die Deutschen aus. Immerhin: In den Wäldern, da sind auch die polnischen Partisanen – die geben ihnen Sicherheit, weil sich die Deutschen vor ihnen fürchten, so sagen sie.

All das ist abenteuerlich. Doch noch abenteuerlicher ist, was eine hilfsbereite Bäuerin (Elisabeth Duda) den Jungen lehrt: sich in Jurek umzubenennen, fortan seine Herkunft zu verleugnen, katholische Gebete zu sprechen und sich damit auf seinem weiteren Fluchtweg unverdächtig zu machen. Srulik hilft das nicht immer: Vor mancher Türe wird er abgewiesen, er wird verraten und ins Verlies gesteckt, entkommt einem SS-Mann und wird zuletzt bei der Arbeit auf einem Gutshof schwer verletzt. Weil sich ein Naziarzt zunächst weigerte, ihn zu versorgen, muss ihm der Arm amputiert werden.

Das alles erzählt Danquart in dieser Sechs-Millionen-Euro-Produktion in aufregenden, spannenden Hollywoodbildern, bei denen die aufwendige Kamera den unvergleichlichen Zwillings-Darstellern des kleinen Jungen beste Hilfe leistet. Srulik hat immer Angst und Trauer, aber auch viel Zuversicht in den Augen. Sein Ziel ist es zu überleben, und er wird das schaffen. Wenn auch beinahe um den Preis des Verlustes der eigenen Identität.

Lauf Junge lauf – Mo. 27.01. – ARTE: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH